Michael Egger, Trainer von Oetwil-Geroldswil II, wirkt immer noch etwas ungläubig über das, was am vergangenen Sonntag in der Gruppe 4 der 4. Liga passiert ist. Seine Mannschaft hat sich in der letzten Runde dieser Saison von Platz 3 auf Platz 1 vorgespielt und damit den Aufstieg geschafft. «Nein, mit so etwas hatte ich nicht gerechnet», sagt er. «Ich habe in der letzten Partie gegen Engstringen eigentlich Spieler zum Zug kommen lassen wollen, die in dieser Saison noch nicht so oft gespielt haben. Aber als ich das Resultat von Schlieren II hörte, habe ich meine Aufstellung geändert.»

Das Resultat der zweiten Mannschaft des FC Schlieren, die wie Oetwil-Geroldswil II in derselben Gruppe spielt, war nicht nur für Egger eine grosse Überraschung. Die Schlieremer hatten am Sonntagmorgen als Tabellenführer beim Abstiegskandidaten Albisrieden nur ein 2:2-Unentschieden geholt. Zwar blieben die Limmattaler mit diesem einen Punkt in der virtuellen Rangliste auf Platz 1, der zum Aufstieg in die 3. Liga berechtigt. Doch Oetwil-Geroldswil hatte nun unverhofft die Chance, mit einem Sieg im Derby gegen Engstringen am Nachmittag den ersten Platz zurückzuerobern, den es wenige Wochen zuvor an die Schlieremer verloren hatte. Diese Chance liess sich Eggers Team nicht entgehen und gewann in Engstringen mit 2:1. So können Egger und seine Schützlinge sich nun über den Aufstieg freuen.

Dabei war die Gemütslage vor zwei Wochen noch eine ganz andere. Damals hatte Oetwil-Geroldswil II gegen Schlieren II im Direktduell gleich mit 1:7 verloren und belegte nur Platz 3 in der Tabelle hinter dem zweitplatzierten Benfica Clube de Zurique, der gleich viele Punkte aufwies wie Oetwil-Geroldswil, und eben Schlieren, das mit einem Spiel mehr fünf Punkte Vorsprung hatte. Zwar gewannen Eggers Schützlinge dann gegen Albisrieden mit 3:0 und konnten den Abstand in der Rangliste auf zwei Punkte verkürzen. Dennoch glaubten sie nicht mehr an den Aufstieg. «Als ich die Startaufstellung der Albisrieder sah, war ich mir sicher, dass es für uns nichts mehr zu holen gibt», so Egger. «Es war nämlich die gleiche Aufstellung wie gegen uns.» Doch das sollte die Albisrieder nicht daran hindern, gegen die favorisierten Schlieremer den einen Punkt zu holen. Und Benfica nutzte ein 10:0-Sieg in Altstetten auch nichts mehr. Am Schluss hatten Benfica, Schlieren II und Oetwil-Geroldswil II gleich viele Punkte. Oetwil-Geroldswil II hatte aber weniger Strafpunkte und das bessere Torverhältnis und konnte sich so den ersten Platz sichern.

Mit dem Aufstieg macht Oetwil-Geroldswil II nun direkt der ersten Mannschaft von Trainer Jean Marie Broggi Konkurrenz, die bereits in der 3. Liga spielt. «Man fragt sich natürlich, ob das sinnvoll ist, zwei Teams in der 3. Liga zu haben», sagt Egger, der als Leiter der Aktiven auch im Vorstand des FC Oetwil-Geroldswil ist. «Aber ich finde, wenn man den Aufstieg schafft, soll man seinen Platz in der oberen Liga auch bekommen.»

Mit Junioren arbeiten

Die beiden Teams von Oetwil-Geroldswil können allerdings nicht in dieselbe Gruppe eingeteilt werden. Für Egger ist die Hierarchie ohnehin klar. «Wir sind die Nummer 2, Broggis Team hat Priorität», sagt er.

Auch soll die zweite Mannschaft von Oetwil-Geroldswil möglichst zusammengehalten werden. «Wir werden jetzt nicht den Markt abgrasen und Spieler holen», sagt Egger. «Das Ziel ist, mit den eigenen Junioren zu arbeiten. Wir haben in den letzten sechs, sieben Spielen bereits A-Junioren ins Team genommen und im Winter drei A-Junioren integriert.»

Festhalten will man auch am Trainingsbetrieb. «Die erste Mannschaft trainiert wie wir zweimal pro Woche», so Egger. «Daran wird sich nichts ändern.» Allerdings will Egger mit der Vorbereitung auf die neue Saison etwas früher beginnen.

Nun hofft Egger, dass seine Mannschaft in eine attraktive Gruppe eingeteilt wird. «Schön wäre es natürlich, wenn wir in unserer Gruppe noch ein Limmattaler Team hätten», sagt er. «Dann könnten wir Derbys bestreiten. Zumindest eine unserer beiden Mannschaften von Oetwil-Geroldswil sollte in diesen Genuss kommen. Aber wir nehmen es, wie es kommt.»