Limmattal
Maltherapie: «Es ist keine Kunst zum Aufhängen»

Im Limmattal gibt es mehrere Ateliers, die Maltherapie anbieten. In der Maltherapie kann man Erlebtes oder Belastendes durch freies Malen verarbeiten. Wir haben drei Ateliers besucht.

Liana Soliman
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In Räumen wie diesem bringen Maltherapie-Teilnehmer ihre Gefühle zum Ausdruck. Maltherapien werden etwa in Oberengstringen, Schlieren und Birmensdorf angeboten.
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Maltherapie bei Irene Zuberbühler
Maltherapie bei Irene Zuberbühler
Maltherapie bei Irene Zuberbühler
Maltherapie bei Irene Zuberbühler
Maltherapie im Limmattal
Maltherapie bei Lilo Fässler

In Räumen wie diesem bringen Maltherapie-Teilnehmer ihre Gefühle zum Ausdruck. Maltherapien werden etwa in Oberengstringen, Schlieren und Birmensdorf angeboten.

Liana Soliman

Wenn Kinder malen, beschäftigen sie sich mit Objekten und Menschen aus ihrer Umwelt, verarbeiten Eindrücke und entwickeln sich so weiter. Doch ist Malen nur für Kinder und Künstler gedacht? Nicht ganz: So gibt es im Limmattal mehrere Ateliers, die Maltherapie anbieten. In der Maltherapie kann man Erlebtes oder Belastendes durch freies Malen verarbeiten.

«Maltherapie ist für alle», sagt die Maltherapeutin Angela Schmid Maiullari, die ein Atelier in Birmensdorf hat. Es gehe bei der Maltherapie nicht darum, malen zu lernen, sondern sich in einem wertfreien Raum auf freiem Weg auszudrücken. «Es ist keine Kunst zum Aufhängen», sagt Maiullari. Durch die Maltherapie versuche man, Erlebtes zu verarbeiten und nach Lösungen für ein Problem zu suchen. Man versuche, zuerst herauszufinden, was das eigene Ziel ist und was man durch die Maltherapie erreichen möchte. «Maltherapie ist auch für Gesunde, weil man etwas über sich lernt, sich entfaltet und eine Entwicklung durchläuft», sagt Maiullari.

Eine vielseitige Anwendung

Wenn eine Person beispielsweise einen Suchtentzug hinter sich hat und nun als Nachbehandlung zur Maltherapie geht, sei das Ziel nicht, sich auf das Rauchen selbst zu konzentrieren, sondern auf das Nicht-Rauchen. «Man könnte die Lunge so malen, wie sie wird, wenn man nicht mehr raucht oder so wie sie wird, wenn man weitere zehn Jahre rauchen würde», sagt Maiullari. Jedes Problem könne auf verschiedene Arten erforscht und dann eine Lösung dafür erarbeitet werden.

«Man soll Ideen weglassen»

Bei der Maltherapie versuche man, Belastendes aufzuarbeiten, erklärt die Oberengstringer Maltherapeutin Lilo Fässler. Das seien nicht nur seelische Belastungen, sondern auch körperliche Probleme. Rückenschmerzen, deren Ursache nicht identifiziert wurde, könnten durch die Maltherapie behandelt werden. Es gehe darum, sich intensiv damit zu beschäftigen und die Ursache für die Belastung zu finden. Es könnten dabei Dinge gefunden werden, von denen man nichts wusste.

Man komme ins Atelier und müsse kein Thema im Kopf haben. Man solle den Alltag weglassen, eine Farbe wählen und einfach beginnen. «Man soll Ideen weglassen und einfach das Bild durch die Hände und Bewegungen natürlich entstehen lassen», sagt Fässler. Es sei zu Beginn alles abstrakt. Nach kurzer Zeit entstehe das Thema von alleine. Wichtig sei dabei, dass die Malerin oder der Maler das Thema selbst in seinem Werk sieht und nicht dass der Maltherapeut es interpretiert oder bestimmt, was es ist. Man könnte falsch liegen. Manchmal sehe man ein Thema oder eine Form nicht sofort. «Dies könne daran liegen, dass man seelisch vielleicht noch nicht bereit ist», sagt Fässler.

Das Malen sei eine Konfrontation mit dem Selbst. Es können Emotionen wie Wut, Frust oder Trauer aufkommen lassen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und Erlebnissen könne emotional anstrengend sein. Deshalb male man dann als Ablenkung etwas anderes, um sich zu entspannen. Man arbeite am Bild, bis es einem gefällt. Dann geschehe der Abschluss. Das Bild oder Porträt könne übermalt oder ins Wasser gestellt werden. Darüber male man dann ein Zukunftsbild. «Die Malerinnen und Maler müssen sagen können: ‹Es ist vorbei›», sagt Fässler.

Malen ist für Mutige

Nach einem traumatischen Erlebnis wie etwa einem Verkehrsunfall könnten Angstzustände durch gezielte Maltherapie beendet werden, sagt die Maltherapeutin Irene Zuberbühler, die ihr Atelier in Schlieren hat. Man versuche dann, die Bilder und Erinnerungen an den Unfall in eine richtige Reihenfolge zu bringen bis zum rettenden Moment. «Man merkt dann, dass die Angst und das Trauma abgelegt werden können», sagt Zuberbühler.

Wenn man Schmerz oder andere Gefühle verarbeiten möchte, könne Maltherapie ebenfalls helfen. «Das Gefühl wird im Bild als Metapher gemalt», sagt Zuberbühler. Beispielsweise könne man bei Flugangst eine Karotte malen. Man könne einfache und klare Bilder malen, damit diese wirken. Es gehe hauptsächlich darum, mehr Lebensqualität zu ermöglichen, Zugang zu den eigenen Gefühlen zu finden, diese zu verarbeiten und und dadurch in eine innere Ruhe einzukehren. «Natürlich braucht man Mut und Offenheit, um einfach zu malen», sagt Zuberbühler. Die Aufgabe des Maltherapeuten sei es, den roten Faden zu behalten und den Malenden zu begleiten bis dieser das persönliche Ziel erreicht.

Gemalt werde bei der Maltherapie hauptsächlich mit den Händen. Dies liege daran, dass man dann näher an den Gefühlen ist. Zusätzlich werde bei ihr mit der ungeübten Hand gemalt, weil man dann weniger Ansprüche an sich stelle und weniger mit dem Kopf male. Stattdessen komme man mit Themen in Kontakt, die auf einer unbewussten Ebene wirken.

Der therapeutische und heilende Teil liege bei der Maltherapie im Malen selbst, sind sich alle drei Maltherapeutinnen einig.