In Schlieren konnten auf dieses Schuljahr drei Kindergärtner-Stellen nicht besetzt werden, in der Schulgemeinde Oetwil-Geroldswil eine. Für Beatrice Krebs, Schlieremer Schulvorsteherin (FDP), ist dies vorerst jedoch kein Grund zur Besorgnis: «An einem Standort haben die bisherigen Kindergärtnerinnen ihre Pensen erhöht, an den anderen beiden wurden Personen ohne Ausbildung zur Kindergärtnerin eingestellt.» Bei Letzteren sei dies vertretbar, da es sich um Posten im Rahmen des Programms «Fokus starke Lernbeziehungen» handle. Dort würden die Klassen von zwei Lehrpersonen betreut, eine davon sei stets ausgebildete Kindergärtnerin. «Trotzdem sind die drei Stellen weiterhin ausgeschrieben», so Krebs. Nach den Gründen für diesen Engpass gefragt, verweist die Stadträtin darauf, dass bereits seit mehreren Jahren ein Mangel an Kindergartenfachpersonal herrsche. Daniela Aerne, Schulpräsidentin Oetwil-Geroldswil, konnte den Engpass ebenfalls mit Pensumsaufstockungen von Mitarbeiterinnen beheben. «Dies ist aber nur eine temporäre Lösung, wir sind weiterhin auf der Suche nach Personal.»

Ein Blick auf andere Kindergärten im Bezirk zeigt, dass es nicht einfach war, alle Stellen zu besetzten. Der Dietiker Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP) sagt, dass man sich früh genug um Kindergärtnerinnen habe bemühen müssen. Derzeit seien daher alle Stellen besetzt. So auch in Bergdietikon. Nirgends wurden Ausschreibungen aber mit einer grossen Anzahl Bewerbungen belohnt.

Männer unter Generalverdacht

Die Gründe für diesen Mangel dürften vielfältig sein. Laut der gestrigen Ausgabe des «Tages Anzeigers» ist die geringe Männerquote einer davon. In den Hörsälen der Pädagogischen Hochschule Zürich kommt auf 50 angehende Kindergärtnerinnen nur gerade ein Kindergärtner. Dass der Beruf für Männer so unattraktiv ist, wird nebst geringen Karrierechancen darauf zurückgeführt, dass Kindergärtner unter einem Pädophilie-Generalverdacht stünden.

Auch in der Region sind männliche Kindergärtner Mangelware — in Schlieren, Dietikon, Geroldswil, Oetwil und Bergdietikon ist derzeit kein einziger angestellt. Der Dietiker Schulvorstand Balbiani verweist darauf, dass die Bewerbung eines Mannes generell die gleichen Chancen hätte, wie diejenige einer Frau. «Dass männliche Kindergärtner in der Gesellschaft unter einem Generalverdacht stehen, nehme ich zwar wahr. Diese Angst halte ich aber für unbegründet», so Balbiani. Auch Beatrice Krebs hätte keine Probleme mit einem Kindergärtner männlichen Geschlechts. «Bei uns war bereits ein Kindergärtner angestellt und wir hatten keinerlei Beanstandungen», sagt sie. Dass die Eltern teils sensibel darauf reagieren, bestätigt sie jedoch. Sie weitet den Kreis der mit Skepsis betrachteten Kinderbetreuer sogar aus: «Manche Eltern haben gegenüber homosexuellem Lehrpersonal Vorbehalte.» Sie betont jedoch, dass dies weder ihrer eigenen Meinung, noch derjenigen des Stadtrates entspreche.

Die Bergdietiker Schulpräsidentin Regula Weidemann würde sich sogar mehr männliches Kindergartenpersonal wünschen: «Für Kinder sind die männlichen und weiblichen Einflüsse in der Entwicklung sehr wichtig», sagt sie.