«Die Zellen hinterlassen bei den Besuchern ein mulmiges Gefühl», schrieb diese Zeitung im März 2010, als das Gefängnis Limmattal anlässlich seiner Eröffnung der Bevölkerung offenstand. Im Moment hat vielleicht auch Carlos solch ein mulmiges Gefühl. Denn laut «Blick» soll der 17-Jährige im Gefängnis Limmattal untergebracht worden sein.

Bei der Justizdirektion des Kantons Zürich will man diese Information jedoch weder bestätigen noch dementieren. Auch Gefängnisleiter Roland Zurkirchen gibt zum Aufenthaltsort von Carlos keine Auskunft.

Dietikon oder Uitikon möglich

Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass Carlos im Limmattal untergebracht wurde. Als einziges im Kanton Zürich verfügt das Gefängnis Limmattal über eine Jugendabteilung.

Eine mögliche Alternative wäre die geschlossene Wohngruppe des Massnahmenzentrums Uitikon.

Diese ist allerdings auf eine längerfristige Unterbringung ausgerichtet. Von den 72 Plätzen im Gefängnis Limmattal sind derweil zwischen neun und 24 für Jugendliche ab 14 Jahren reserviert. Diese kommen nicht in Kontakt mit den erwachsenen Insassen.

Straffe Strukturen in Dietikon

Das Leben der Insassen im Gefängnis Limmattal ist bis auf das letzte Detail durchstrukturiert. Um Punkt 7.15 Uhr findet der morgendliche Rapport statt, eine halbe Stunde später beginnt die tägliche Spazierstunde in einem der beiden Innenhöfe.

Danach haben die Insassen die Möglichkeit, Geld zu verdienen - jeden Morgen und an zwei Nachmittagen die Woche. Von den täglichen 8 bis 14 Franken Lohn, den sie für das Abpacken von Produkten, das Knüpfen von Bändeln oder leichte Handwerksarbeiten erhalten, können sie einmal pro Woche Kioskwaren kaufen.

Kontakt zur Aussenwelt aufzunehmen, ist schwierig: Wer in Untersuchungshaft sitzt, darf nicht telefonieren, während verurteilten Insassen zweimal monatlich ein zehnminütiges Telefongespräch erlaubt ist. Wer in der Küche arbeitet, hat das Recht auf ein Einzelzimmer und eine tägliche Dusche, alle anderen dürfen nur zweimal wöchentlich die Nasszellen benutzen.

Mit diesem strengen Regime dürfte Carlos seine Mühe haben. Eine ehemalige Betreuerin bezeichnete ihn als «Luxusgeschöpf»: Er bekomme regelmässig Rindfleisch aufgetischt und dürfe sich Armani-Deos kaufen. Wenn er etwas nicht erhalte, dann gehe er auf die Barrikaden. Eine Verhaltensweise, die ihn im Gefängnis Limmattal wohl nicht weiterbringt.

Falls sich Carlos im Dietiker Gefängnis aufhält, besteht für ihn trotzdem die Möglichkeit, mit der Aussenwelt in Kontakt zu treten. Die Zellenfenster sind in Richtung Weiningerstrasse ausgerichtet, wo immer wieder Menschen gesichtet werden, die den Insassen hinter den vergitterten Öffnungen zuwinken.