Prozess
Luxusautos weiterverkauft – die Besitzer wussten nichts davon

Ein Autounternehmer aus dem Limmattal hat einen «Aston Martin» verkauft – ohne Wissen des Besitzers. Doch an viele Details kann er sich ohnehin nicht mehr erinnern.

Attila Szenogrady
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Ein Aston Martin wechselte für 377 000 Franken die Hand - der Besitzer wusste von nichts.

Ein Aston Martin wechselte für 377 000 Franken die Hand - der Besitzer wusste von nichts.

Keystone

Bei einem Verkauf eines Luxusautos hat ein langjähriger Autounternehmer aus dem Bezirk Dietikon einen Arzt um rund 377 000 Franken geprellt. Der nicht geständige Limmattaler kassierte jetzt dafür eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Was kann geschehen, wenn ein mutmasslicher Straftäter vor einer Gerichtsverhandlung einen Gehirnschlag erleidet? Auf diese Frage gab ein kürzlich erfolgter Strafprozess am Bezirksgericht Zürich Antwort. Der Beschuldigte aus dem Bezirk Dietikon hatte sich zwar nach einem schweren Hirnschlag relativ gut erholt, konnte sich aber kaum mehr an die letzten Jahre erinnern. «Ich habe früher sechs Sprachen fliessend beherrscht», führte der Kaufmann aus. Damit sei es heute leider vorbei. «Ich weiss es nicht mehr», lauteten dann auch die häufigsten Entgegnungen auf die diversen richterlichen Fragen. Dabei verwies er auf sein heute selektives Erinnerungsvermögen.

Millionenschaden angerichtet

Die Vorwürfe gegen den Limmattaler Autounternehmer setzten bereits im Mai 2006 ein. Damals soll der Beschuldigte einen geleasten Personenwagen der Marke Mercedes im Wert von über 108 000 Franken illegal weiterverkauft haben.

Laut Anklage setzte der Beschuldigte bis Ende 2012 sein Treiben fort und richtete einen gesamten Schaden von bis zu einer Million Franken an. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauteten auf Betrug, betrügerischen Konkurs, mehrfache Veruntreuung, Misswirtschaft, Urkundenfälschung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung. Den höchsten Deliktbetrag soll der Beschuldigte im Juni 2009 erzielt haben. Damals veruntreute er ein Luxusfahrzeug der Marke «Aston Martin» und verkaufte die Edelkarosse für über 377 000 Franken an eine Bank weiter. Ohne Wissen und Zustimmung des wahren Besitzers, eines Arztes aus dem Bezirk Meilen. Vor Gericht wies der Beschuldigte sämtliche Vorwürfe zurück. «Ich habe niemanden Geld gestohlen», zeigte er sich überzeugt.

In seinem nun eröffneten Urteil hat das Bezirksgericht den Beschuldigten mangels Beweisen von mehreren Vorwürfen freigesprochen. Vor allem sah es mangels Arglist in keinem einzigen Fall einen Betrug als erwiesen an. Trotzdem ist in dem schriftlich begründeten Entscheid von einer «hohen kriminellen Energie» des Limmattalers die Rede. So sahen die Richter die schwerste Veruntreuung zulasten des geprellten Chirurgen als klar erstellt an. Der sehr hohe Deliktbetrag von 377 400 Franken soll dem Arzt zurückbezahlt werden. Weitere 8500 Franken soll der Beschuldigte einer Bank zurückerstatten. Er hat dem Institut einen alten Personenwagen der Marke Mercedes zu einem viel zu hohen Preis von 110 000 Franken angedreht.

Ein Jahr bedingt

Das Gericht verurteilte nun den Autounternehmer und Anwärter auf eine IV-Rente wegen mehrfacher Veruntreuung und setzte für den Ersttäter eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie eine Busse von 2500 Franken fest. Zudem soll der Beschuldigte drei Viertel der Gerichtskosten, rund 5000 Franken, tragen und der Rechtsvertretung des Arztes eine Entschädigung von 4500 Franken entrichten. Das Gericht hielt zum Schluss dem Limmattaler seine stark angeschlagene Gesundheit zugute. Allerdings hat es trotz Teilfreisprüchen den Antrag der Staatsanwaltschaft auf elf Monate bedingt und 1000 Franken Busse deutlich überschritten.