Oberengstringen

Lukas Hartmann stellt sein neues Buch vor: Geschichte endet mit neuen Anfängen

Dem Autor Lukas Hartmann ist es wichtig, sich nach dem Schreiben wieder von seinen Figuren abzugrenzen und in sein eigenes Leben zurückzukehren.

Es ist ganz ruhig im kleinen Saal der Gemeindebibliothek in Oberengstringen. Gespannt lauschen die Besucher dem erfolgreichen Schweizer Autors Lukas Hartmann, der sie eineinhalb Stunden lang in die Welt seines neusten Romans entführt. Die Geschichte mit dem Titel «Ein passender Mieter» handelt von den fiktiven Mitgliedern der Familie Sandmaier, deren neuen Mieter, wie sich bald herausstellt, als Straftäter sein Unwesen im Quartier treibt. Das Leben der Familie im sonst ruhigen Quartier gerät damit aus den Fugen, aber Hartmann verrät, ohne zu viel zu verraten: Das Buch endet mit Hoffnungen und ganz neuen Anfängen.

Zwischen den einzelnen vorgelesenen Passagen erzählt er die Geschichte weiter. Es sind die Stellen, die Besucherin Angelika Naske aus Oberengstringen besonders gefallen: «Er kann erzählen, als sei er mitten im Geschehen dabei gewesen und habe es wirklich erlebt», sagt sie. Sie habe sich das Buch absichtlich noch nicht gekauft und auf den Anlass gewartet: «Ich wollte ihn zuerst hören, wie er daraus erzählt und jetzt habe ich das Buch in der Tasche», sagt sie und freut sich sichtlich. Es sei ein sehr persönlicher Abend gewesen. Besonders die kleine Diskussion am Schluss habe ihr gefallen.

Erstmals in Oberengstringen

Mili Conti, die in der Fahrweid wohnt und die Bibliothek in Geroldswil leitet, hat Lukas Hartmann zum ersten Mal gehört: «Es war, als würde man einem Hörbuch folgen, er hat eine sehr beruhigende Stimme», sagt sie. Früher ebenfalls als Bibliothekarin tätig war Dorothee Naef, die einst die Bibliothek Oberengstringen leitete. Sie ist gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans Naef zur Lesung gekommen. «Ich bin ein grosser Hartmann-Fan», sagt sie. «Ich mag seine Bücher und auch diese neue spannende Geschichte sehr.» Da ist sie nicht die Einzige: Im Anschluss an die Lesung entsteht am grosszügigen Buffet ein reger Austausch über das Buch.

Das Publikum ist mehrheitlich weiblich. Das fällt auch dem Autor selber auf: Er sei zwar nicht gerne der «Hahn im Korb» an solchen Anlässen, aber er sei es sich gewohnt, dass mehrheitlich Frauen zu seinen Lesungen erscheinen, sagt Hartmann, dessen richtiger Name Hans-Rudolf Lehmann ist. Der ehemalige Gymnasiallehrer lebt als freier Schriftsteller in Bern, zusammen mit seiner Ehefrau, der Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Seine Werke gehören zu den meistgelesenen Büchern der Schweiz. Mittlerweile tritt Hartmann noch an rund 30 Lesungen pro Jahr auf. Dabei sieht er viel von der Schweiz. «Ich war auch schon öfters hier im Limmattal unterwegs, aber das erste Mal in Oberengstringen», sagt er.

Man solle seiner eigenen Kreativität vertrauen, sagt Hartmann zum Schluss. Das Spannende für ihn sei, aus verschiedenen Perspektiven zu schreiben und somit jeweils nur eine Sichtweise einzunehmen. Er sei beim Schreiben ganz nahe an den Figuren: «Doch ich grenze mich bewusst ab und kehre nach dem Schreiben zurück in mein Leben», erzählt er.

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