Schlieren

Lucas Arnet: «Politik wird oft als verstaubter Altherrenklub wahrgenommen»

Der Schlieremer FDP-Gemeinderat Lucas Arnet tritt auf Anfang März aus dem Schlieremer Gemeinderat zurück. Er war sieben Jahre lang dabei und war im 2013 der jüngste Parlamentspräsident, den die Stadt jemals hatte.

Arnet tritt von der Politbühne ab

Der Schlieremer FDP-Gemeinderat Lucas Arnet tritt auf Anfang März aus dem Schlieremer Gemeinderat zurück. Er war sieben Jahre lang dabei und war im 2013 der jüngste Parlamentspräsident, den die Stadt jemals hatte.

Gemeinderat Lucas Arnet (FDP) kehrt der Schlieremer Politik den Rücken und widmet die freie Zeit seiner Familie – eine Rückkehr lässt sich aber nicht ganz ausschliessen.

Herr Arnet, Sie treten per Anfang März aus dem Schlieremer Parlament zurück und sagen, dass dieser Schritt nicht überraschend kam.

Lucas Arnet: Genau. Ich wurde im vergangenen Jahr Vater eines Sohnes. Nach der Geburt von Elias richtet sich die Gestaltung meiner Freizeit mehr nach ihm. Die sieben Jahre im Parlament waren lehrreich und spannend, aber nun ist die Zeit für einen Rücktritt gekommen.

Bleibt jungen Vätern neben Beruf und Ämtern zu wenig Zeit für die Familie?

Das ist eine Frage der Prioritätensetzung, die jeder für sich selber beantworten muss. Für meinen Lebensentwurf habe ich entschieden, dass ich neben meinen beruflichen Verpflichtungen, die mich sehr beanspruchen, Elias nicht nur sehen will, wenn er bereits schläft.

Sie stammen aus einer sehr politischen Familie. Dass dieser Rücktritt das Ende Ihrer politischen Laufbahn ist, darf bezweifelt werden.

Eine Glaskugel, mit der ich in die Zukunft blicken kann, besitze ich leider nicht. Mich interessiert das politische Geschehen weiterhin. Dass ich wieder für ein Engagement zur Verfügung stehen werde, lässt sich in der Tat nicht ausschliessen.

Im 2010 wurden Sie gewählt. Welches Schlieren fanden Sie vor, welches hinterlassen Sie?

Die Stadt, Politik wie auch Verwaltung, haben Grosses geleistet. Allen war klar, dass Schlieren vor Veränderungen steht und man ist diese auch bewusst angegangen. Heute sind die Autobrachen weg, bald wird ein neues Schulhaus eröffnet und das Pro-Kopf-Steuereinkommen ist gestiegen. Schlieren hat es geschafft, sein negatives Image von früher schrittweise abzulegen. Nun geht es darum, die Neuzuzüger auch hierzubehalten und dafür zu schauen, dass sie Wurzeln schlagen.

Genau dies war Thema in einem Ihrer Vorstösse im vergangenen Jahr.

Diese Einbindung erachte ich als wichtig. Heute ist die Anzahl engagierter Personen in Anbetracht dessen, dass Schlieren inzwischen eine 18 000-Einwohner-Stadt ist, ziemlich überschaubar. Denn nur ein kleiner Kreis von Einwohnern gestaltet mit; sei es politisch im Gemeindeparlament oder im öffentlichen Leben wie etwa beim Schlierefäscht. Es wäre schön, wenn sich auch Neuzuzüger vermehrt einbringen würden.

Vor fünf Jahren, als Sie 29 waren, wurden Sie zum jüngsten Parlamentspräsidenten gewählt, den die Stadt je hatte. Damit wurden Sie wohl auch zum Hoffnungsträger der Partei, der junge Wähler motivieren sollte.

Ich glaube, es war wichtig zu zeigen, dass man auch als junge Person durchaus Möglichkeiten zur Mitgestaltung hat. Von Jungen wird die Politik oft als verstaubter Altherrenklub wahrgenommen, der Neue und Junge ausschliesst. Alles andere war bei mir jedoch der Fall: Ich wurde von allen Seiten herzlich willkommen geheissen und man hat mir Vertrauen geschenkt. Diesbezüglich ist die SP vorbildlich, da sie immer mit mehreren jungen Gemeinderäten im Parlament vertreten ist.

Bedürfnisse der Jugend sind seit mehreren Jahren ein heiss diskutiertes Thema im Parlament. Unter anderem auch wegen des Skatepark-Debakels. Ist Schlieren unattraktiv für junge Einwohner?

Das müsste man am besten die Jungen fragen. Ich denke aber nicht, dass Schlieren per se unattraktiv ist. Mit einem sehr breiten Vereinsangebot, dem Schwimmbad Mösli, der Freestyle-Anlage Zürich in der Nähe und den beiden Naherholungsgebieten im Norden und Süden – um nur ein paar Beispiele zu nennen –, gibt es viel zu tun. Was neue Investitionen betrifft: Es kann nicht Aufgabe der Stadt sein, Orte zu schaffen, an denen Jugendliche ‹herumhängen›. Gesunde Aktivitäten sollten jedoch gefördert werden.

Auch Sie förderten diese, indem Sie es schafften, eine Politik-Fussballmannschaft an das Plauschturnier des FC Schlieren zu schicken. Wo fallen die Entscheide wirklich? Auf dem Fussballplatz und in der Beiz oder im Parlament?

Entscheidungen werden natürlich im Parlament getroffen. Doch werden im Anschluss an Sitzungen regelmässig Beizen aufgesucht – auch in fraktionsübergreifenden Gruppen. Dieser Austausch im informellen Rahmen ist wichtig, da man ein wenig weiter gehen kann mit Fragen oder Aussagen, als dies an Parlamentssitzungen möglich ist, da dort ja auch die Presse und somit die Öffentlichkeit anwesend ist.

Wie würden Sie die Streitkultur im Parlament beschreiben?

Ich schätze sehr, dass Kritik niemals persönlich wird. Auf sachlicher Ebene kann man sich gern auf den Deckel geben – und das soll man sogar. Driftet ein Streit ins Persönliche ab, muss der Parlamentspräsident eingreifen, was bislang jedoch sehr selten notwendig war.

Was werden Sie am Schlieremer Ratsbetrieb vermissen?

Ich werde es vermissen, die Mitgestaltungsmöglichkeiten in politischen Themen nicht mehr zu haben, die für die Schlieremer Bevölkerung von Bedeutung sind. Diese fand ich stets spannend und sie lagen mir am Herzen.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihren Nachfolger Thierry Spaniol?

Man sollte sich von Beginn weg voll engagieren. Nach der Angewöhnungs- und Lernphase darf er sich nicht zurückhalten. Wer eine gute Idee hat, sollte diese einbringen, auch wenn er noch keine jahrelange Parlamentserfahrung aufweisen kann.

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