«Ich gehe jetzt, damit du über mich fluchen kannst», sagt Trainer Goran Ivelj. Luca Dimita lacht herzlich dabei und schäkert mit Ivelj wie mit einem grossen Bruder. Familie - dieses Gefühl ist es, wonach der 30-jährige Dimita gesucht hat, nach fast vier Jahren bei YF Juventus in der 1. Liga. «Am liebsten hätte ich meine Karriere dort beendet», sagt er offen. Doch nachdem er zuletzt nur noch Ergänzungsspieler war und ihn Trainer Salvi Andracchio als Captain absetzen wollte, brannten ihm die Sicherungen durch. «Wir hatten eine laute Auseinandersetzung», sagt er,
Andracchio bestätigt das und führt aus, dass Dimita ihn «packen» wollte.

Danach war die Harmonie endgültig dahin. Andracchio schreibt in einer E-Mail über die Gründe für Dimitas Situation während der Vorrunde: «Eine Mannschaft, die einen Aufwand wie YF Juventus betreibt, muss sich mit den Spielern stets weiterentwickeln. (...) In dieser Entwicklung konnte Luca (...) die Ansprüche nicht mehr umsetzen. (...) Seine Torausbeute wurde, gegenüber seinen hundertprozentigen Chancen, immer schwächer.»

Spensen erstattet - mehr nicht

Ein Wechsel lag also nah. Nicht aber das Ziel Dietikon. Mit YF Juventus war er der Challenge League respektive der 1. Liga Promotion näher als der 2. Liga interregional, wohin es ihn nun verschlagen hat. Und erst noch in die unteren Gefilde der Tabelle. In der Region hat das für Aufsehen gesorgt. Wie so oft im Zusammenhang mit dem Limmattaler Krösus wird über Geld spekuliert. Doch Dimita winkt ab. «Ich wollte einfach meine Spesen erstattet haben, mehr nicht. Wenn ich aufs Geld geschaut hätte, hätte ich eines der vielen Angebote aus der 1. Liga angenommen - aber für mich zählt etwas Anderes. Abgesehen davon habe ich einen guten Lohn in meinem Beruf», sagt der Gipser, der - natürlich - mit Vater und Schwester im Familienbetrieb arbeitet. Gegenwärtig ist er an der Weiterbildung zum Meister.

Man errät im Gespräch mit ihm bald, was für Dimita den Ausschlag gegeben hat, ins Limmattal zu wechseln: das Familienbild, die Harmonie. Etwas, wonach der Torjäger strebt, der wie viele dieser Spieler-Spezies äusserst feinfühlig ist. Das bestätigt auch Ex-Trainer Andracchio: «Ich lernte Luca als einen netten, zuvorkommenden und sensiblen Menschen kennen. Auf dem Platz auch mal impulsiv, aber ein Teamplayer.» «Wenn das Umfeld nicht stimmt, bringe ich nichts», bestätigt Dimita, der sich auch für den FCD entschieden habe, weil sein Freund Romeo Rifino dahin gewechselt hat. Zweimal in seiner Fussballerlaufbahn habe er diesen familiären Zusammenhalt bislang erlebt: in Wil und mit Ausnahme der letzten Monate bei YF Juventus. In Dietikon habe er sich auf Anhieb wohlgefühlt.

Verletzung versaute die Karriere

Dimitas Verständnis von einem guten Verhältnis ist eng an die Tatsache geknüpft, ob er spielt oder nicht. In der Ostschweiz blühte der vormalige Red-Star-Spieler in der Challenge-League-Saison 2006/07 auf, erzielte 6 Tore und lieferte zahlreiche Vorlagen in 23 Partien. «Ich hatte ein gutes Gespräch mit Trainer Uli Forte, der auf mich setzte. Dann folgte die Verletzung, «die mir die Karriere versaute», ist Dimita überzeugt. Er laboriert an einer hartnäckigen Bänderverletzung, in der darauffolgenden Saison erreichte er die Klasse von einst nicht mehr. Nach 11 Teileinsätzen und insgesamt nur 182 Spielminuten in der Vorrunde 2007/08 wechselte er nach Locarno. Unter Palmen erlebte er seinen Albtraum. «Ich merkte sofort, dass ich nicht gern gesehen war. Im Tessin hast du als Deutschschweizer einen schweren Stand», sagt Dimita, der trotz seiner schweizerisch-italienischen Doppelbürgerschaft nicht gut Italienisch gesprochen habe. «Ich wollte es eigentlich in der Zeit in Locarno lernen», sagt der Stürmer.

Als ihm der neue Trainer Paul Schönwetter dann mitteilte, dass er nicht mehr auf ihn setze, brach der Bülacher seine Zelte nach wenigen Monaten wieder ab. Zunächst schien es, als ob das seine letzte Station im bezahlten Fussball gewesen wäre. Dann ging er nochmals in die Ostschweiz, diesmal nach Gossau. Nach sechs Teileinsätzen war die Akte Profifussball dann endgültig geschlossen. Ist Dimita zu weich für das Geschäft? «Es hat einfach nicht gereicht, ausserdem fehlte mir manchmal das nötige Glück.» Dieses Glück habe er nun in seinem gelernten Beruf gefunden. Fussballerisch hofft er, dasselbe über seine Zeit in Dietikon sagen zu können. Er wisse nicht, ob er für die Rückrunde oder darüber hinaus unterschrieben habe. «Das interessiert mich auch nicht. Solange es mit den Leuten hier stimmt, bleibe ich.»

Sein Wechsel ist ein Experiment für ihn selbst wie auch für den FCD. Aufgrund von Dimitas Leistungen in der Rückrunde können vielleicht Rückschlüsse gezogen werden, wie es wirklich um das Krisenmanagement im Dietiker Fanionteam steht. Denn während Sportchef Pietro Iellamo und Trainer Ivelj gern das Bild der Familienidylle vermitteln, sprechen abgewanderte Spieler von erheblichen zwischenmenschlichen Mängeln.

Luca Dimita will sich nicht mit solchen Gerüchten aufhalten. «Ich muss den Kopf freihaben, um Tore zu schiessen», sagt er. Mit Toren kann er einen grossen Teil dazu beitragen, dass Harmonie in Dietikon herrscht.