Schlieren
Lösung für Schlieremer Amtsbeistandschaft steht in den Sternen

Weil es zu teuer sei, wollte das Schlieremer Parlament die Verwaltung seiner Amtsbeistandschaften nicht ins Mandatszentrum in Dietikon auszulagern. Die Kosten für eine alternative Lösung kostet die Stadt bereits 250000 Franken.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Schlieren muss nach einer Lösung für seine Amtsbeistandschaft suchen – derzeit verbleibt sie in Dietikon. az

Schlieren muss nach einer Lösung für seine Amtsbeistandschaft suchen – derzeit verbleibt sie in Dietikon. az

Ein Sparentscheid des Schlieremer Parlaments verursacht Mehrkosten von 30 000 Franken. Am 24. Juni lehnte es den Anschluss an das Dietiker Mandatszentrum klar ab. Der Stadtrat wollte die Vormundschaftsbehörde ab 1. Juli für weitere zwei Jahre probehalber in das zentralisierte Mandatszentrum auslagern. Dafür hätte Schlieren rund 580 000 Franken bezahlt. Das Parlament argumentierte dagegen, der Anschluss koste zu viel (Ausgabe vom 25. Juni).

Die Exekutive muss nun nach einer definitiven Lösung für Schlierens Beistandschaft suchen. Für entsprechende Abklärungen sprach der Stadtrat 30 000 Franken, wie dieser mitteilt. Weil die Schlieremer Verwaltung derzeit nicht in der Lage ist, die auf Anfang 2013 ausgelagerte Mandatsführung unverzüglich wieder zu reintegrieren, muss die Stadt trotz des Parlamentsentscheids bis Ende März 2014 im Mandatszentrum in Dietikon verbleiben. Dafür bezahlt sie der dortigen Vormundschaftsbehörde 220 000 Franken. Insgesamt belaufen sich die Kosten während der Zeit der Suche nach einer Alternative, also auf rund 250 000 Franken.

Lösung ist noch keine in Sicht

Wie genau die Lösung für die Schlieremer Amtsbeistandschaft aussehen könnte, steht derzeit noch in den Sternen: «Wir müssen nun klären, was überhaupt möglich ist», sagt Sozialvorstand Robert Welti (EVP). Zur Debatte stehe sowohl die Reintegration der Beistandschaft in die Schlieremer Verwaltung als auch eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden der Region. «Wir müssen dabei auch berücksichtigen, was eine solche Behörde kosten würde und welche Folgen die Führung einer eigenen Behörde für die Bebeiständung hätte», erklärt er. Bis 1. April 2014 werde aber eine Lösung auf dem Tisch sein.

Nur ein professioneller Beistand

Gegen den Wiederaufbau in Schlieren spricht laut Welti, dass angesichts der kleinen Zahl an Schlieremer Amtsmandaten die Beistandschaft als Einpersonenbetrieb geführt werden müsste. «Dann kann man sich aber keine Ausfälle leisten, weder krankheitshalber noch ferienhalber», sagt Welti. Eine zweite Person anzustellen, wäre unverhältnismässig und würde die Kosten in die Höhe treiben. «Ich habe immer gesagt, dass eine eigene Lösung nicht billiger ist, als der Anschluss», sagt der Sozialvorstand. Es sei der erste Parlamentsentscheid seit 20 Jahren, den er schlicht nicht nachvollziehen könne.

Für das Mandatszentrum Dietikon wird der Schlieremer Entscheid nicht zwingend personelle Konsequenzen haben, wie Sozialvorstand Johannes Felber (CVP) sagt: «Der Ausstieg Schlierens könnte zwar zu einer Reduktion der Beistandschaftsfälle führen, aber er muss nicht.» Da die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) ihre Arbeit Anfang 2013 mit rund 30 Prozent mehr Fällen begann, als erwartet, könne dies auch zu einem höheren Bedarf an Amtsbeistandschaften führen, erklärt er. «Dann würde Schlieren als Faktor weniger stark ins Gewicht fallen.»

Das Mandatszentrum nehme sich bis Ende Jahr Zeit, um alle Einflussfaktoren zu beurteilen und dann über mögliche personelle Konsequenzen zu entscheiden, so Felber.Dass Schlieren als Alternative mit einer anderen Gemeinde der Region zusammenarbeiten könnte, schliesst auch Felber nicht aus: «Die Möglichkeit besteht, zumal nicht alle Limmattaler Gemeinden am Mandatszentrum angeschlossen sind.»

Regionalisierung bringt Know-how

Eine eigene Amtsbeistandschaftsbehörde aufzubauen, sei längerfristig die weniger gute Lösung, sagt Felber: «Es wird immer schwieriger, Know-how professioneller Beistände lokal zu binden.» In einem grösseren Team werde ein grösserer Erfahrungsschatz gebündelt und der Austausch unter den Beiständen sei leichter, als in einer Amtsbeistandschaftsbehörde, die aus einer Person bestehe, so Felber.