Prozess in Dietikon

Lokführer vor Gericht: War er für den Unfall mit dem Traktor verantwortlich?

Im Oktober 2013 kam es in Dietikon zur Kollision zwischen einem Zug der Bremgarten-Dietikon-Bahn und einem Traktor. (Symbolbild)

Im Oktober 2013 kam es in Dietikon zur Kollision zwischen einem Zug der Bremgarten-Dietikon-Bahn und einem Traktor. (Symbolbild)

Im Oktober 2013 soll ein Lokführer der Bremgarten-Dietikon-Bahn gemäss Anklage so unaufmerksam gewesen sein, dass es zu einer Kollision mit einem Traktor kam.

Laut Anklage hat ein Lokführer der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD) wegen mangelnder Aufmerksamkeit an einem Volksfest einen Unfall mit einem Traktor mitverursacht. Das sei nicht zu beweisen, befand nun das Bezirksgericht Dietikon.

Es war im Oktober 2013, als in Dietikon ein Fest stattfand. Am Nachmittag wurde das Volksfest plötzlich von einem nicht alltäglichen Unfall überschattet. So stiess ein Zug der Bremgarten-Dietikon-Bahn bei der Kreuzung Bremgartenstrasse/Schöneggstrasse seitlich mit einem Traktor und dessen Anhänger zusammen. Die heftige Kollision forderte eine verletzte Person. Zudem entstand an beiden Fahrzeugen erheblicher Sachschaden.

Zuerst beide Parteien verurteilt

Das Statthalteramt des Bezirks Dietikon leitete ein Strafverfahren gegen beide Unfallbeteiligten ein. Dabei wurde der Traktorfahrer wegen Verletzung von Verkehrsregeln mit 500 Franken gebüsst. So war er widerrechtlich in Richtung der BD-Bahn über das Gleis gefahren und hatte damit die Weiterfahrt für die Strassenbahn versperrt.

Der Statthalter stufte aber auch den Lokführer als mitschuldig ein. So habe er infolge fahrlässig mangelnder Aufmerksamkeit und Vorsicht zu spät eine Vollbremsung ausgeführt, schrieb der zuständige Ankläger und verurteilte den heute 59-jährigen Lokführer per Strafbefehl zu einer Busse von 250 Franken. Weitere 250 Franken betrugen die ihm auferlegten Gerichtskosten.

Während der fehlbare Traktorfahrer die Busse akzeptierte, legte der Lokführer Einsprache gegen den Strafbefehl und liess seinen Rechtsanwalt am letzten Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dietikon auf einen vollen Freispruch plädieren. Dem Beschuldigten sei keine Sorgfaltspflichtverletzung nachzuweisen, erklärte die Verteidigung.

Aus Mangel an Beweisen

Dem folgte auch der Einzelrichter, der den Lokführer der BD vollumfänglich entlastete und ihm infolge des Freispruchs eine Entschädigung von 2500 Franken zusprach. Das Gericht kam aus mehreren Gründen zur gegenteiligen Auffassung als das Statthalteramt. Einerseits würden zu wenige Beweise gegen den Lokführer vorliegen. So fehle zum Beispiel ein unfalldynamisches Gutachten, womit unklar sei, wann und wo genau der Beschuldigte die Vollbremsung eingeleitet habe. Jedenfalls habe er sich wegen des Festes nur im Schritttempo fortbewegt. Was entlastend einen besonderen Umstand darstelle, erklärte der Präsident. Es liege somit ein Freispruch nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten vor.

Die Kosten des Strafbefehls wurden auf die Staatskasse genommen.

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