Mit einem Jahresgehalt von 228'500 Franken belegt der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) den 27. Platz – im Kanton Zürich gar den vierten Platz  – der am besten entlöhnten Präsidenten von Städten mit über 10'000 Einwohnern. Auf Anfrage präzisiert Müller, dass jährlich zum Lohn von 225'000 Franken noch zwischen 3000 und 4000 Franken an Sitzungsgeldern hinzukommen. Darüber hinaus erhält er 10'000 Franken für seine Mandate im Verwaltungsrat der Limmattalbahn AG und der Zürcher Planungsgruppe Limmattal. Dieses Geld fliesse jedoch in die Stadtkasse.

Auf der von der «SonntagsZeitung» am Wochenende publizierten Liste der Gehälter von 133 Stadt- und Gemeindepräsidenten suchte man vergeblich nach Angaben zu Müllers Salär. Dietikon wird als eine der 13 Gemeinden aufgeführt, die nicht an der Umfrage teilgenommen oder unvollständige Angaben gemacht hätten, heisst es im Artikel. «Dem ist nicht so», sagt die Dietiker Stadtschreiberin Karin Hauser auf Anfrage. Man habe sämtliche Informationen geliefert. Warum diese nicht im Artikel aufgenommen wurden, kann sie sich nicht erklären.

Lohn als Zankapfel

Bereits im 2013 wurde Kritik vonseiten des damaligen SP-Gemeinderates Peter Wettler laut, der den Lohn Müllers als zu hoch empfand. In einem damaligen Lohnvergleich unter den Stadtpräsidenten zeigte sich, dass Müller mehr verdient als sein Amtskollege aus Zug – obwohl Zug finanziell solider aufgestellt ist und in etwa gleichviele Einwohner aufweist.

Müller betonte damals, solche Vergleiche seien wenig aussagekräftig – und wiederholte seine Aussage gestern nochmals. «Den Lohn eines Stadtpräsidenten kann man nicht ins Verhältnis zur Einwohnerzahl einer Gemeinde stellen», sagte er. Es komme auf die Verantwortlichkeiten an, die man habe. «In Dietikon ist der Stadtpräsident sowohl für die operative Leitung der Verwaltung zuständig als auch Präsident der Exekutive», so Müller. Einen Geschäftsführer wie in Schlieren gebe es in Dietikon nicht. Zwar würde sein Pensum nicht stundenweise erfasst. Mit Aktenstudium, repräsentativen Aufgaben und Wochenendeinsätzen komme er wöchentlich aber mindestens auf 70 Stunden, schätzt er.

Auch den Lohn des Stadtpräsidenten der finanziellen Lage der Gemeinde anzupassen, hält Müller für wenig sinnvoll. Denn es ist kein Geheimnis, dass Dietikon finanziell in Bedrängnis ist. Wegen der hohen Sozial- und Bildungskosten erhöht die Stadt ihren Steuerfuss dieses Jahr auf 129 Prozent, um Gelder des individuellen Sonderlastenausgleichs des Kantons zu erhalten. Ein Steuerfuss in dieser Höhe ist Bedingung für die Auszahlung der Finanzspritze. Müller betont, dass der Gemeindehaushalt einer gewissen Fluktuation unterzogen sei: «Die Gehälter variieren zu lassen, wäre nicht zielführend», sagt er. So sei sein Lohn seit seinem Amtsantritt im Jahr 2006 derselbe und beispielsweise nicht teuerungsbedingt angepasst worden. Auch wäre eine Lohnsenkung bei Stadt- und Gemeinderat lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein.

Chancenlose Lohnsenkung?

Bereits in einer Diskussion vor der Budgetdebatte vom vergangenen Dezember wurden die Gehälter von Stadt- und Gemeinderat zum Thema. Gemeinderat Martin Romer (FDP) kündigte im Vorfeld an, dort den Rotstift ansetzten zu wollen: «Wer beim Verwaltungspersonal sparen möchte, muss mit gutem Beispiel vorangehen», sagte er damals. Diese Kürzung hätte mittels eines freiwilligen Verzichts die Lohnangaben in der Personalverordnung nach unten angepasst. Chancenlos sei dieser Antrag im Rat gewesen, erinnert sich Müller.