Dietikon

Löwenzentrum: Kunden ärgern sich über die WC-Schranke

Weil es vermehrt zu Vandalismus kam, verlangt die Migros Geld für die Toilette. Die Reaktionen von Kundenseite sind gemischt – primär fallen sie jedoch ablehnend aus.

Wer nach einem Besuch im Migros-Restaurant in Dietikon im Einkaufszentrum auf die Toilette will, muss dafür neuerdings einen Franken bezahlen. Ein Automat vor den Türen zum einzigen WC im Löwenzentrum lässt die Gäste erst durch die Drehtür passieren, wenn er mit Kleingeld gefüttert wurde.

Mit dem gelösten Ticket spuckt der Kasten gleichzeitig einen Konsumationsgutschein über einen Franken aus, der beim nächsten Einkehren im Restaurant zur Zahlung verwendet werden kann. Der Bon ist zeitlich uneingeschränkt und kann jederzeit eingelöst werden.

Gäste klettern über Schranke

Diese Regelung stösst bei einigen Kunden dennoch auf Unverständnis. Sie sind nicht bereit, etwas zu bezahlen. Bei einem Augenschein vor Ort klettern mehrere Personen gar unter oder über der Abschrankung durch.

Gast Marius Huber wirft zwar ordnungsgemäss einen Franken in den Münzschlitz, kann sich aber einen Kommentar nicht verkneifen: «Ich habe soeben im Restaurant gegessen und getrunken. Dass ich nun für den Gang zur Toilette nochmals etwas zahlen muss, finde ich eine absolute Frechheit», sagt er.

Mühsam ist die Drehtür zudem für Mütter mit kleinen Kindern. Sie werden per Zettel auf dem Automaten darauf hingewiesen, an der Migros-Kasse einen Schlüssel zu verlangen. Anders können sie die Schleuse samt Wagen gar nicht passieren.

Anita Grafs Sohn Leon ist zwei Jahre alt. Wenn der Kleine aufs Klo müsse, dann müsse er sofort und nicht erst in fünf Minuten. «Ich habe nun den Wagen alleine draussen stehen lassen und darauf vertrauen müssen, dass mir nichts geklaut wird», sagt die Besucherin. Grundsätzlich sei sie aber gerne bereit, für ein sauberes WC auch etwas zu zahlen, zumal man sowieso einen Bon erhalte.

Kunden beschweren sich

Dass sich Kunden und Gäste über die kostenpflichtige Toilette beschweren, ist auch der Migros schon zu Ohren gekommen. «Es gab einige wenige Rückmeldungen», sagt Francesco Laratta, Mediensprecher der Migros Zürich, auf Anfrage.

Der Automat im Dietiker Löwenzentrum sei bereits im Sommer 2014 montiert worden. «Leider ist es bei den WC-Anlagen regelmässig zu Verunreinigungen und Vandalismus gekommen.» Die Migros habe sich gezwungen gesehen, Massnahmen zu ergreifen, «um die Hygiene und die Sicherheit für die Kundschaft zu verbessern».

Die WC-Anlage werde nun den ganzen Tag betreut und durch die Reinigungskraft vorzu gereinigt. Es sei eine anspruchsvolle Aufgabe, die Toiletten instand zu halten. «Wir legen grossen Wert darauf, dass die Kundschaft die WC-Anlagen in tadellosem Zustand vorfindet», so Laratta.

Im Kanton sei Dietikon erst der zweite Standort, der über einen Automaten vor dem WC verfüge. Bei der Migros City am Löwenplatz in Zürich sei ebenfalls eine Drehtür installiert worden, nachdem es zu Vandalismus kam, so Laratta.

Sabine Billeter, Leiterin Geschäftsstelle der Vereinigung Zentrum Dietikon, kann gut nachvollziehen, dass die Migros diesen Schritt gegangen ist und eine Drehtür installiert hat. Die Situation auf dem WC im Löwenzentrum sei «wirklich sehr unangenehm» gewesen, sagt sie.

Obdachlose und Randständige hätten regelmässig die Toiletten verschmutzt und dort ihren Abfall deponiert. Die ganze Anlage habe permanent gestunken und sei regelmässig «total verdreckt» gewesen. Das Putzpersonal der Migros sei gar nicht mehr mit der Reinigung nachgekommen.

Migros hat lange zugewartet

Man habe sehr lange zugewartet und immer wieder versucht, die Situation anderweitig zu verbessern, so Billeter. Die Einführung der Drehtür sei aber die einzige Lösung gewesen, die Wirkung zeigte. Dass durch die Bezahlschranke nun weniger Gäste ins Löwenzentrum kommen, glaubt Billeter nicht.

Im Gegenteil: Die Gewährleistung von Sauberkeit und Hygiene sei gerade aus Rücksicht auf die Besucher wichtig. Diejenigen Personen, die das WC verschmutzt hätten, seien sowieso keine Gäste des Zentrums gewesen.

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