Am Samstagmittag hatte der 32-jährige Schweizer mit seinen Schiessübungen in Feldmeilen noch ein Quartier aufgeschreckt. Kurz darauf wurde er von der Stadtpolizei an der Zürcher Langstrasse verhaftet und offenbar noch gleichentags in die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) eingewiesen.

Am Sonntag publizierte der Mann ab 14.30 Uhr diverse Beiträge auf seiner Facebook-Seite, die öffentlich zugänglich ist. Der Reigen beginnt mit einer ersten Mitteilung, er sei in der PUK eingesperrt. Es folgen diverse Innenaufnahmen der PUK. Sie zeigen leere Räume und Gänge.

Um 16.50 Uhr veröffentlicht der 32-Jährige einen ersten Film: Er zeigt seine Zelle auf der geschlossenen Abteilung und sagt: «Ich bin hier eingesperrt gegen meinen Willen. Teilt dieses Video.» Eine weitere Serie von Bildern zeigt eine Person von hinten. Der Kommentar: «Dieser Mann ist ein Lügner, und er arbeitet in der PUK in Zürich.» Ausserdem ist der Wohnort des PUK-Mitarbeiters angegeben.

In einem längeren Filmbeitrag fasst der Mann die Ereignisse aus seiner Sicht zusammen. Von falschen Kollegen ist die Rede und davon, dass er mit der Waffe auf niemanden gezielt habe. Ein Idiot aus dem Quartier habe ihn angezeigt. Der 32-Jährige will alle Leute verzeigen, «welche Scheisse über mich erzählen». Gleichzeitig droht er mit brachialen Methoden: «Die Faust in die Fresse oder eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht». Der Psychiater, der ihn eingewiesen habe, solle ihm besser nicht auf der Strasse begegnen. Gleichzeitig bezeichnet sich der Mann als «friedliebend».

Spione, Stasi und Bushido

Weitere Bilder zeigen zwei Personen an einem Gartentischchen. Der Kommentar: «Er ist ein Spion.» Unklar ist, ob es sich um Patienten, Mitarbeiter oder beides handelt. In der Nacht auf Montag taucht eine Bildserie auf mit einer weiblichen Person und dem Vermerk: «Achtung die Stasi kommt». Später veröffentlichte Bilder zeigen Tafeln, auf denen die Namen der Früh-, Spät- und Nachtdienste vermerkt sind. Zuletzt folgen um 01.17 und 01.21 Uhr zwei Dateien mit Stücken des deutschen Rappers Bushido. Dann ist Schluss.

Auf der geschlossenen Station der PUK sind Handys grundsätzlich erlaubt. Laut Marc Stutz, dem Leiter Kommunikation der PUK, hat der Mann aber gegen Weisungen verstossen, weil er das Bildmaterial auf Facebook veröffentlicht hat. Deshalb habe man ihm sein Handy abgenommen. «Nun leiten wir rechtliche Schritte ein, damit das Bildmaterial von der Facebook-Plattform gelöscht wird», sagt Stutz.

Dabei gehe es der PUK um den Schutz der Persönlichkeit – und zwar von Patienten und Angestellten. Einen solchen Fall habe er allerdings noch nie erlebt. Die PUK will nun die Prozesse überprüfen und allenfalls anpassen. Wie das konkret aussehen könnte, erläutert Stutz nicht.

Im Fokus der Klinik ist das Bildmaterial, auf dem man Personen erkennen könnte, Es gehe weniger um die Beschimpfungen, welche der 32-jährige Patient zusätzlich von sich gibt. «Das ist zwar auch nicht an der Tagesordnung, aber damit müssen wir umgehen können», sagt Stutz.

Auf die Rolle kommt es an

Für den kantonalen Datenschutzbeauftragten Bruno Baeriswyl ist der Fall klar. Entscheidend sei, in welcher Rolle die handelnde Person stecke. Eine Privatperson könne auf Facebook publizieren, was sie wolle. Sobald Menschen auf Bilddokumenten erkennbar seien, müssten diese allerdings ihr Einverständnis geben. Anders verhalte es sich, wenn jemand Patient sei. «Die PUK darf den Patienten Vorschriften machen», sagt Baeriswyl.

Als erste Sanktion habe die Klinik dem Patienten das Handy abgenommen. «Dafür besteht vermutlich eine ausreichende Bestimmung in einem Betriebsreglement», sagt Baeriswyl. Auf rechtlichem Weg könne die PUK nun die Persönlichkeitsverletzung feststellen lassen und verlangen, dass die Daten auf Facebook gelöscht würden. Auch dem Datenschützer ist ein ähnlicher Fall bisher noch nicht untergekommen.