Fleischkäse, Züri-Gschnätzlets oder Vegi-Thaicurry: Das Restaurant Linde in Weiningen ergänzt bewährte Menüs mit modernen. Am Mittag sind die meisten Plätze besetzt, von Beizensterben keine Spur.Doch die Gerüchteküche brodelt: Als die Betreiberin Maya Grossmann kürzlich die Vorhänge entfernte, um mehr Licht durch die Fenster zu lassen, verbreitete sich das um sieben Ecken. Im Dorfgeschwätz hiess es, dass eine Schliessung des Betriebs an der Badenerstrasse bevorstehe.

Auch ein Brief an einen Zulieferer befeuert die Gerüchte: «Der Liquiditätsengpass konnte nicht gelöst werden. Wir müssen es nun ihnen überlassen, den ihnen zustehenden Betrag auf dem Rechtsweg einzufordern», heisst es im Schreiben vom 1. Juli, das der Limmattaler Zeitung vorliegt. Im Brief geht es also um eine angeblich ausstehende Zahlung des Restaurants Linde. Absender ist der vormalige Betreiber der «Linde», kurioserweise der Vater von Grossmann. Via E-Mail erhielt ein zweiter Zulieferer ein ähnliches Schreiben. «Diese Briefe sind absurd», sagt Maya Grossmann.

Aus der Zeit ihres Vorgängers

Denn die Zahlungsausstände beziehen sich auf die Zeit, bevor sie den Betrieb übernahm. Mitte Dezember gründete sie die Restaurant Linde GmbH. Ihr Vorgänger und Vater führte das Restaurant als Einzelunternehmen.

«Die nicht bezahlten Rechnungen stammen noch aus der Zeit des Vorgängers», sagt Grossmann. Nichtsdestotrotz erhielt sie auch kürzlich noch Betreibungen. «Statt der alten Anschrift wurde darauf einfach die neue eingetragen», so Grossmann. Die Betreibungen würden sie nicht betreffen und seien mittlerweile gelöscht. Nach einigen Gesprächen verstanden auch die Zulieferer, dass die neue GmbH nicht betrieben werden kann – schliesslich handelt es sich bei den nicht bezahlten Rechnungen um Bezüge der vorherigen Firma.

Dennoch fehlte das Vertrauen in die neue Betreiberin: «In den ersten Monaten musste ich die meisten Lieferungen bar bezahlen. Das war hart», erzählt Grossmann.

Trotz der Querelen sagt sie: «Ich bin stolz auf meinen Vater, der das Restaurant 40 Jahre lang auf hohem Niveau führte.» Im Dezember hätten die beiden beschlossen, dass beide ihre eigenen Wege gehen sollten. Während Grossmann das Restaurant als solches übernahm, gründete ihr Vater Andreas Rüedi im Oktober 2013 die RC Linde Catering GmbH. Diese Firma betreibt unter anderem das Tribünenrestaurant an der Pferderennbahn in Dielsdorf. Vater und Tochter haben auch geschäftlich noch miteinander zu tun: «Wenn ich einen Auftrag für ein Catering ausserhalb von Weiningen erhalte, leite ich diesen nach Dielsdorf weiter», erklärt Grossmann.

Vor allem Stammgäste

Nun hoffen Maya Grossmann und ihre zehn Angestellten, dass sich die Gerüchte rund um eine Schliessung wieder verflüchtigen. 1946 holte Grossmanns Grossvater die «Linde» in den Besitz der Familie, sie selbst ist in diesem Haus aufgewachsen.

An der Fassade des Restaurants klettern derweil die Reben empor. Zwischen den Blättern sind kleine Jungtrauben zu sehen. Bald werden sie so gross sein wie jene, die ins Holz der Innenausstattung geschnitzt sind. Das gemütlich-rustikale Interieur gefällt den Stammgästen: Sie machen rund 80 Prozent der Kundschaft aus.