Limmitt stellt eine grosse Sanduhr neben sich auf den Tisch. Die blauen Körner rieseln lautlos in die andere Hälfte des gläsernen Gefässes. Genau 30 Minuten bleiben dem Musiker jetzt, um einen neuen Beat zu kreieren. «Limmitt setzt sich sein Limit eben selbst», sagt der 22-Jährige. Unter Zeitdruck arbeite er am effektivsten. Hier in seinem kleinen eigens eingerichteten Studio in Urdorf entstehen alle seine Songs.

Nadir Amir, wie er eigentlich heisst, schliesst sich in seinem Zimmer jeweils stundenlang ein, spielt auf seinem Keyboard Melodien und mischt diese am Computer mit einem Rhythmus zusammen. «Mein Studio ist mein ganzer Stolz», sagt er. Die Boxen könne er so laut aufdrehen, dass die Scheiben wackeln.

Ein erstes Album von Limmitt und seinem Kollegen Raffaele de Pasquale alias Ruff aus Uster haben beide bereits herausgegeben. Das zweite gemeinsame ist zurzeit in Arbeit und soll diesen Herbst erscheinen. Dass die beiden Rapper nun auch den Beat für die Musik selber produzieren, ist neu.

Limmitt hat das Handwerk von seinem Produzenten beigebracht bekommen. «Sinfonien wie Mozart bringe ich zwar keine zustande, aber für Hip-Hop ist mein Können perfekt», sagt er. Wenn er einen Beat für ein Lied selber erstelle, sei das fertige Lied viel emotionaler und persönlicher. Schon während des Arbeitens an Rhythmus und Melodie komme ihm der passende Text in den Sinn. «Vor meinem geistigen Auge sehe ich sogar gleich den passenden Video-Clip dazu.»

Schimpfwörter gehören dazu

Limmitts Songs handeln von tiefgründigen Themen und sind dementsprechend melancholisch. Aggressiver Hip-Hop liege ihm nicht und er wolle sich auch nicht verstellen», so der Urdorfer. Er wolle auch kein «krasser Gangster» sein. Klar seien Wörter wie «Scheisse» oder «Fuck» auch in seinen Liedern zu finden. «Das gehört einfach zum Hip-Hop dazu.» So besingt Limmitt beispielsweise falsche Freunde, ehemalige Lehrer und die gottlose Jugend, die immer mehr in Satans Hände gerate.

Mittlerweile hat sich Limmitt in der Schweizer Rap-Szene einen Namen gemacht. Dass er fast täglich neue Beats produziert, hat sich herumgesprochen. Deshalb arbeitet der talentierte Rapper nun auch für andere Musiker. «Ich liebe es, zu experimentieren.» Für einen befreundeten Kampfsportler feile er an einem Titelsong, der bei Besteigen des Ringes den Gegner einschüchtern soll. Dafür habe er Elemente des progressiven Rocks einfliessen lassen, da dieser düster klinge. «Mit dieser Musik bin ich quasi gross geworden, da meine Mutter sie täglich hörte», sagt Limmitt und schmunzelt. Mit House-Musik hat es Limmitt ebenfalls schon versucht und hofft, die Melodien bald einem interessierten DJ anbieten zu können.

An die Einsamkeit gewohnt

Limmitts Traum ist es, nur noch 60 Prozent auf seinem erlernten Beruf zu arbeiten und die restliche Zeit im Tonstudio in Oerlikon zu verbringen. «Dann könnte ich gleich dort übernachten und mich nur auf die Musik konzentrieren.» Er geniesse es, seine Freiheiten zu haben. «Ich war in meiner Kindheit so oft alleine, dass ich mich daran gewöhnt habe.» Als Ausgleich zu den vielen Stunden im Kämmerchen trifft sich Limmitt mit seinen Freunden aus Urdorf. Mit zwei von ihnen wohnt er in einer Wohngemeinschaft. Sie hätten Verständnis für seine Musik und würden ihn auch nicht verurteilen, wenn er sich wieder einmal stundenlang der Musik widme. «Wir sind wie eine grosse Familie.»

(Quelle: Youtube/TelliProductions)

Ruff feat. Limmitt89 - Scheiss uf früehner (Official Video)