Nadir Amir, wie sein eigentlicher Name lautet, steht an diesem Mittwochabend mit Ruff alias Raffaele de Pasquale aus Uster auf der Bühne, um seine neusten Songs zu performen. «Alle die Hände in die Höhe», animiert Limmitt das Publikum und bewegt seine eigenen im Beat zur lautstarken Musik mit.

Der ägyptisch-schweizerische Rapper spricht mit seinen Liedern Themen wie Toleranz gegenüber anderen Nationen und Drogenmissbrauch an oder übt Kritik an der schweizerischen Politik. Immer wieder streckt er seinen Mittelfinger in die Luft, wenn er sich über Christoph Blocher echauffiert, oder zum Ausdruck bringen will, wie wütend ihn Rassismus macht. «Nicht jeder Albaner ist kriminell und jeder Italiener ein Mafioso», rappt er auf Schweizerdeutsch. Für seine Texte erntet Limmitt immer wieder spontanen Beifall. Auf den Stühlen sitzt niemand mehr – alle stehen sie vor Limmitt versammelt und nicken im Takt mit. Wer den Text kennt, rappt ebenfalls.

Die Musik im Blut

Im Publikum steht auch Lilly Amir, Limmitts Mutter. Sie hat selbst eine Bühnenkarriere hinter sich und war vor 20 Jahren mit Michael von der Heide auf Tournee. Die Sängerin und Pianisten hat das Showbusiness damals für ihre beiden Kinder aufgegeben. «Umso mehr macht es mich Stolz, dass mein Sohn nun in meine Fussstapfen tritt», sagt Amir. Es sei schön zu sehen, dass er so kreativ sei und für die Bühne lebe.

Auch Limmitt ist überwältigt von seinem Auftritt. «Dieser Abend bedeutet mir viel. Noch nie bin ich vor so vielen Leuten aufgetreten, die mir wichtig sind», sagt er. Es sei schön, einmal ohne Bewertungsdruck rappen zu können. «Meine Freunde und meine Familie kennen die Musik und stehen voll und ganz hinter mir.»

Belebung des Limmatfelds

Dass es überhaupt zu einem Auftritt in Dietikon gekommen ist, hat Limmitt Andreas Babic zu verdanken. Er ist Organisator der Veranstaltung und sorgt mit dem Projekt «Kreis 13» für die Belebung im Limmatfeld. Die Quartierkonzerte finden seit Dezember 2013 jeden zweiten Mittwoch im Monat statt. «Von Italo-Pop über Jazz und Rap – für jeden Geschmack ist etwas dabei», sagt er. Zürich biete kulturell enorm viel, da müsse man stark dagegen halten, dass die Leute nach Dietikon kämen. Ziel der Konzerte ist es, dass sich Leute aus dem Limmatfeld begegnen und sich nach und nach mit dem neuen Stadtteil identifizieren können. «Heute ist es für viele immer noch ein Ort, an dem sie zwar wohnen, aber doch nur zum Schlafen da sind.»

Auch wenn der Profit für die auftretenden Bands und Musiker gering ausfällt, kommen viele von ihnen wieder in das Caffè Bar Limmatfeld. Von den 15 Franken Eintritt, die ein Getränk beinhalten, fliessen 60 Prozent an den Künstler. Die weiteren 40 Prozent verteilen sich auf die Bar und das Projekt «Kreis 13». Man mache keinen Profit mit den Auftritten, sondern setze den erworbenen Betrag wieder für die Werbung des nächsten Konzertes ein, sagt Babic.

Nach Limmitt und Ruff haben noch zwei weitere junge Rap-Talente einen Auftritt. Shapo und Alexa – mit vollem Namen Diego Maggi und Alexa Carina Künzi - stehen zusammen auf der Bühne. Auch sie werden kräftig von den Hip-Hop-Fans gefeiert.