Spital Limmattal
Limmi-Verbandspräsident: «Die Wahl dürfte Kritiker beruhigen»

Der frisch gewählte Verbandspräsident des Spitals Limmattal über den Neuanfang und politische Gräben. Für Markus Bärtschiger war von Beginn an klar, dass er nicht umbestritten ist.

Jürg Krebs
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Spitalpräsident Markus Bärtschiger diagnostiziert fehlendes Vertrauen unter den verschiedenen Partnern. jk

Spitalpräsident Markus Bärtschiger diagnostiziert fehlendes Vertrauen unter den verschiedenen Partnern. jk

Limmattaler Zeitung

Herr Bärtschiger, gegen Ihre Wahl zum Spitalpräsidenten gab es an der Delegiertenversammlung plötzlich Opposition. Seltsam ist, dass Ihre Kandidatur ein halbes Jahr lang bekannt war und kein Gegenkandidat aufgestellt worden war erst am Wahltermin wurden Sie seitens dreier Gemeinden infrage gestellt.

Markus Bärtschiger: Für mich war von Beginn an klar, dass ich nicht unbestritten bin. Insofern hat mich die Opposition – die allerdings am Schluss von kleiner Seite kam – nicht überrascht.

Was macht Sie umstritten; dass Sie im letzten Jahr gegen die Teilprivatisierung des Spitals waren?

Sicher, aber teilweise auch Dinge wie meine Herkunft von Schlieren und meine Parteizugehörigkeit zur SP.

Das Wahlergebnis war schliesslich deutlich, auch die Skeptiker wählten Sie, was eine Versöhnung wohl überflüssig macht.

Ich mache genug lange Politik, um zu wissen, dass nicht jede Kritik auf die Person gerichtet ist. Wenn gewisse Delegierte einen anderen Präsidenten wünschten, dann ist dies legitim. Eine Versöhnung ist nicht nötig. Das Ergebnis steht, es gilt vorwärts zu schauen.

Die Übergangszeit, die mit dem Rücktritt von Präsident Thomas Hächler im letzten Herbst begonnen hatte, ist mit der Wahl des neuen Verwaltungsrats vorbei. Der proklamierte Neustart ist aber kein einfacher, denn die Verwaltungsräte kennen sich zum Teil gar nicht, was das Arbeiten schwierig machen dürfte.

Die Situation präsentiert sich derzeit in mehrfacher Hinsicht als schwierig. Es fehlt das Vertrauen in den Verwaltungsrat, der sich aus bisherigen und neuen Mitgliedern zusammensetzt. Der letztjährige Streit um die Auslagerungsstrategie hat viel zerstört. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Führung gilt es zurück zu gewinnen. Diese Bemühungen werden den Neustart prägen. Es ist richtig bemerkt, dass sich der Verwaltungsrat selbst erst finden muss. Wir kennen uns noch nicht, kommen aus verschiedenen Berufsgruppen. Trotzdem muss der Verwaltungsrat schnell ein Team werden, denn der Businessplan für das Spitalneubau-Projekt verträgt keinen Aufschub.

An der Versammlung war zu spüren: Gegenüber dem Verwaltungsrat in bisheriger Zusammensetzung besteht ein grosses Misstrauen seitens der Delegierten.

Zu behaupten, es brodele in der Delegiertenversammlung, deren Präsident ich neu auch noch bin, ist falsch. Die dreieinhalbstündige Diskussionszeit am Mittwochabend zeigt aber, dass das Vertrauen tatsächlich fehlt, also nicht nur seitens der Öffentlichkeit, sondern auch verbandsintern. Da könnten vertrauensbildende Massnahmen helfen.

Ein weiterer Graben besteht zwischen den Städten Dietikon und Schlieren und den kleineren Gemeinden im Verband der 17 Trägergemeinden. Das wurde an der Versammlung ebenfalls deutlich.

Ich möchte dies nicht so hochstilisieren, wie es der scheidende Präsident Maximilian Walter in seiner Einleitung gemacht hat. Ich würde nicht von einem grossen Graben sprechen, sondern von einem «Gräbli».

Warum so positiv?

Ich habe in meinem Jahr als Stadtrat von Schlieren gelernt, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen den Städten und den Gemeinden gibt. Das hängt mit dem politischen System zusammen. Die Stadträte spüren ein Parlament im Nacken und verhalten sich entsprechend kritischer den Partner gegenüber. Das ist aber nicht weiter problematisch.

Sie haben es erwähnt: Vertrauensbildung ist also das Thema beim Start Ihrer Präsidentschaft?

Ja, aber nicht nur. Der Neubau und die Einführung der neuen Finanzierung über die Fallkostenpauschale sind weitere Prioritäten.

Alle sprechen vom Neustart. Ist die Aufarbeitung der Geschichte um die Teilprivatisierung und die damit beauftragte Managementfirma HServices wirklich abgeschlossen? Die Emotionen im Vorfeld der Versammlung und das Votum von Maximilian Walter, der von einer «Hexenjagd» sprach, lassen zweifeln.

Spitalintern ist die Geschichte seit längerem abgeschlossen, ja. Das Problem ist, dass die Kritiker der Strategie das nicht geglaubt haben.

Mit Ihnen ist nun gerade ein Gegner der alten Strategie Präsident geworden. Beruhigt das die Kritiker?

Ich stand der Auslagerung von Beginn an kritisch gegenüber. Das ist bekannt und das dürfte die Kritiker beruhigen.

Nach sieben Jahren Unterbruch stellt wieder die Standortgemeinde Schlieren den Spitalpräsidenten, so wie das bis 2004 immer war. Wie wichtig ist dies für die Stadt?

Es ist nicht so wichtig, dass Schlieren den Präsidenten stellt, das haben wir immer gesagt. Natürlich ist der Einfluss etwas grösser. Aber: Uns ist wichtig, dass das Spital der gesamten Bevölkerung der Regionen Limmattal und Furttal erhalten bleibt.