Weideschlachtung

Limmattaler Züchter ziehen Schlachthof der Weide vor

Samuel Spahns Rinder vom Biohof Fondli in Dietikon werden für die Schlachtung nach Zürich und in die Ostschweiz gebracht. Für den Bauern ist der Weg vertretbar. gep

Samuel Spahns Rinder vom Biohof Fondli in Dietikon werden für die Schlachtung nach Zürich und in die Ostschweiz gebracht. Für den Bauern ist der Weg vertretbar. gep

Hiesige Züchter wollen keine Weideschlachtung – aus unterschiedlichen Gründen.

Die Weideschlachtung war in der Schweiz für Nutztiere bislang verboten. Nun hat das Veterinäramt Zürich dem Biobauer Nils Müller aus Forch im Kanton Zürich erstmals eine Bewilligung für zehn Schlachtungen erteilt. Er darf seine Tiere jetzt mit einem gezielten Kopfschuss auf der Weide erlegen. Nach der Betäubung muss das Rind innerhalb von 90 Sekunden ausgeblutet werden. Dafür wird es mit einem Frontlader angehoben und anschliessend in einer mobilen Schlachtbox ins Schlachtlokal gebracht und zerlegt.

Samuel Spahn ist Biobauer in Dietikon und hält auf seinem Hof ebenfalls Rinder. Diese direkt auf der Weide zu schlachten, kommt für ihn jedoch nicht infrage. Zwar sei die Methode durchaus eine Überlegung wert gewesen, der damit verbundene Aufwand sei aber doch zu gross, sagt er. Grundsätzlich findet Spahn Weideschlachtungen aber sinnvoll. Den Tieren würden somit lange Transportwege und das Eingesperrtsein auf dem Schlachthof erspart. Der Biobauer glaubt jedoch nicht, dass sich die Weideschlachtung durchsetzen wird. «Der Massenkonsum liesse sich damit gar nicht decken», sagt er. Die Befürchtung von Kritikern der Weideschlachtung, diese sei unhygienisch, kann der Bauer aber nicht nachvollziehen. In der Schweiz seien die Distanzen so kurz, da sei der Transport des toten Tieres vom Hof bis zum Metzger unbedenklich.

Bessere Bedingungen als früher

Spahns Rinder, deren Fleisch er auf seinem Hof verkauft, werden für die Schlachtung nach Zürich gebracht. Der andere Teil der Tiere, die er an die Migros für die Produktion des «Bio-Weide-Beefs» weiterverkauft, wird in die Ostschweiz gefahren. «Diese Wege sind für mich vertretbar», sagt er.

Man könne zudem sagen, dass heute generell viel mehr darauf geachtet werde, den Stressfaktor für die Tiere möglichst gering zu halten. Noch vor 20 Jahren hätten die Bedingungen auf den Schlachthöfen und den Transportwegen ganz anders ausgesehen, so Spahn. Das heisse aber nicht, dass es keine Luft mehr nach oben gebe.

Skeptischer ist hingegen Walter Müller des Neuschwendenhofs in Uitikon. Er hält Galloway-Rinder. Der Bauer ist unschlüssig, ob er die Weideschlachtung befürwortet oder nicht. Ein Vorteil sei sicher, dass den Tieren der letzte Transport und die Warterei im Schlachthof erspart würden, so Müller. Er habe jedoch Bedenken, ob die Betäubung und der Schuss auf der Weide ebenfalls so professionell durchgeführt werden könnten, wie das im Schlachthof der Fall sei. Dort seien die Tiere jeweils gut fixiert und könnten treffgenau geschossen werden. Für ihn persönlich komme die Weidenschlachtung deshalb derzeit nicht infrage.

Video von Bio Aktuell über die Weideschlachtung: «Eine tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode» (Mai 2015)

Video von Bio Aktuell über die Weideschlachtung: «Eine tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode» (Mai 2015)

Notgedrungen habe er aber bereits einmal eine solche durchführen müssen bei einem seiner Rinder. Das sei für ihn ein Horrorerlebnis gewesen. Die Tiere rund um das Rind herum seien ebenfalls alles andere als ruhig geblieben. Natürlich sei es schwierig, zu sagen, ob bei richtiger Vorbereitung die Situation anders ausgesehen hätte.

Müllers Tiere werden zur Schlachtung nach Zürich gebracht. Das Verladen in den Transporter und das Fahren seien sich die Tiere gewohnt, weil sie ab und an von einer Weide zu einer anderen gebracht werden, so der Bauer. Er vermutet, dass der Anfahrtsweg zum Schlachthof deshalb nicht übermässig viel Stress bei seinen Rindern auslöst.

Anderes Gesetz für Wildtiere

Anders als bei Nutztieren ist die Weideschlachtung für Wildtiere in der Schweiz gesetzlich erlaubt. Auch sind die Hygienevorschriften für die Schlachtung von Rindern viel strenger als beispielsweise bei Bisons oder Hirschen.

Fritz Berger aus Hauptikon im Zürcher Säuliamt hält Hirsche, die er direkt im Gehege schiesst. Der Züchter hat aber Bedenken, was die Weideschlachtung von Rindern anbelangt. Gerade im Raum Zürich gebe es nur noch vereinzelt kleine Schlachthäuser, wo man das erlegte Vieh gleich ausnehmen könnte, sagt er. Den Transport zu einem entfernteren Metzger hält er für hygienisch bedenklich. Ein Bauer könne aber auch nicht einfach sein eigenes Schlachthäuschen erstellen. Die Vorschriften seien streng, dass das gar nicht so einfach sei, eines zu betreiben, sagt Berger. Er selbst besitze eines für seine Hirsche und wisse deshalb, wovon er spreche.

Falls sich die Weideschlachtung tatsächlich weiter verbreiten werde, so der Hirschzüchter, müssten Bauern unbedingt Kurse ablegen. «Nicht jeder weiss, wie er mit einer Waffe umgehen muss.»

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