Katholische Kirche
Limmattaler wollen ein Bistum Zürich

Die Pfarreien im Bezirk begrüssen die Geste Churs, warnen aber vor zu viel Euphorie.

Flurina Dünki
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Bald nur noch ein Katzensprung vom Bischofssitz entfernt? Die St.-Agatha-Kirche in Dietikon.

Bald nur noch ein Katzensprung vom Bischofssitz entfernt? Die St.-Agatha-Kirche in Dietikon.

Sandra Ardizzone

«Wir befürworten klar und eindeutig die Schaffung eines Bistums Zürich.» So kommentiert der Dietiker Kirchenpflegepräsident Karl Geiger die vom Bistum Chur initiierte Umfrage über die Haltung der Zürcher Katholiken zu einem separaten Bistum.

Vitus Huonder hat eine interne Umfrage gestartet, um die Stimmung für ein eigenes Bistum Zürich auszuloten (Archivbild).

Vitus Huonder hat eine interne Umfrage gestartet, um die Stimmung für ein eigenes Bistum Zürich auszuloten (Archivbild).

Keystone/GAETAN BALLY

Am Montag wurden sämtliche Pfarreien des Kantons von Bischof Huonder eingeladen, an einer Umfrage hinsichtlich der Errichtung eines Bistums Zürich teilzunehmen.

Laut Geiger spricht einiges für ein neues Bistum. Einerseits sei mehr als die Hälfte der Katholiken des Bistums im Kanton Zürich wohnhaft. Weiter habe sich die Verteilung von Katholiken und Reformierten im Kanton seit der Anbindung an das Bistum Chur im Jahr 1821 grundlegend geändert. Ein Bischofssitz in der Stadt Zürich hätte für den Dietiker Kirchenpflegepräsidenten eine «gewisse Bedeutung».

Nachteile sähen er und die Kirchenpflege keine. Ein allfälliger finanzieller Mehraufwand dürfe kein Grund sein, an dem das Bistum Zürich scheitere.

Bistum Zürich - ein alter Traum

Der Churer Bischof Vitus Huonder lotet die Stimmung für ein Bistum Zürich aus. Am Montag hat das Bistum Chur eine breit angelegte Umfrage lanciert, um sich ein Bild über die Haltung der Zürcher Katholiken zu einem Bistum Zürich machen zu können.

In der Umfrage geht es lediglich um die Gründung eines Bistums für das Kantonsgebiet Zürich.

Damit reagiert Bischof Vitus Huonder auf ein Gesuch der römisch-katholischen Zürcher Kantonalkirche von 2012, worin es um die Schaffung eines Bistums Zürich geht. Zuvor wurde das gleiche Gesuch bereits 1990 eingereicht.

Von den 685 000 Katholiken des Bistums Chur leben 390 000 im Kanton Zürich. Zürich ist seit 1821 als provisorisches Administrationsgebiet dem Bistum Chur unterstellt. Seit Beginn war dies jedoch als vorübergehende Lösung gedacht.
Die Öffentlichkeit soll Ende April über die Ergebnisse der Umfrage informiert werden. (FDU)

Das Verhältnis der Zürcher Katholiken zu ihren Bischöfen der letzten Jahre war von Spannungen geprägt. Der streng konservative Kurs eckt bei den Zürcher Katholiken an, deren Verständnis liberal geprägt ist.

Ein näherer Bischof

Mit Freude begrüsst auch die Schlieremer Kirchenpflege die jüngste Geste Churs Richtung Bistum Zürich. «Die Diskussion wiederzubeleben ist genau das, was wir wollten», sagt Hubert Zenklusen, Präsident der Kirchenpflege der katholischen Kirche Schlieren. Das Churer Bistum sei schlicht zu gross, was die Administration zu aufwendig mache. Zudem hätten die Zürcher Gläubigen eine einzigartige kulturelle Zusammensetzung, die sich von den anderen Regionen im Bistum stark unterscheide.

Einen Bischof, der näher bei den Leuten wäre, sähe der Urdorfer Kirchenpflegepräsident Christian Tomasi als grösste Errungenschaft eines selbstständigen Zürcher Bistums. «So könnten sich die Zürcher Kirchgemeinden bei Anliegen auch mal direkt an den Bischof wenden. Momentan läuft dies alles über den Bischofsvikar.»

Auch Patric Brühlmann, Vizepräsident der katholischen Kirchenpflege Aesch-Birmensdorf-Uitikon, freut sich über das Interesse Churs an der Meinung der Zürcher Katholiken.

Die Nähe zu einem Bischof, der in Zürich seinen Sitz hätte, wäre für die Gläubigen angenehmer. «Je nachdem, was der Bischof in Chur sagt, verzeichnen wir leider Kirchenaustritte», so Brühlmann.

Bei aller Euphorie über ein eigenes Bistum sind bei den Limmattaler Katholiken bereits Bedenken spürbar. Erneut könnte ein nicht willkommener Bischof vom Vatikan eingesetzt werden. In verschiedenen Schweizer Bistümern existieren Mitspracherechte der kantonalen Kirchen bei der Bischofswahl, das sogenannte Bischofswahlrecht. Diese Sonderregelung, die von Rom nicht unbedingt begrüsst wird, würde einem neuen Bistum laut Karl Geiger nicht zwingend eingeräumt. «Uns ist bewusst, dass ein Bistum Zürich möglicherweise ohne das Bischofswahlrecht auskommen muss.»

Letztes Wort hat Rom

Dass die Zürcher genau den Bischof eingesetzt bekämen, den sie am liebsten hätten, bliebe wohl Wunschdenken, gibt auch Christian Tomasi aus Urdorf zu bedenken. Das Risiko, einen Bischof zu bekommen, der den Gläubigen nicht beliebt, existiere auch mit einem eigenen Bistum. Viele seien auf die Person des Bischofs bezogen, meint Patric Brühlmann. «Dabei unterschätzen sie aber, dass der Personalentscheid ganz woanders getroffen wird, und dort wird nicht demokratisch entschieden.»

Ein Bischof mit streng konservativem Gedankengut würde es im Bistum Zürich äusserst schwer haben. Konkret nennt ein Limmattaler Kirchenvertreter den aktuellen Generalvikar des Bistums Chur, Martin Grichting, dessen Einsetzung seiner Meinung nach einen Aufstand der Zürcher zur Folge hätte.