Andreas Geistlich, Co-Präsident der Wirtschaftskammer Schlieren, Dietrich Pestalozzi, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon sowie Fredi Pahr, Präsident des Industrievereins Spreitenbach, wählen deutliche Worte: «Wir sind Herrn Minder dankbar, dass er die unsäglichen Entschädigungsexzesse zahlreicher Wirtschaftsführer angeprangert hat, und dass in dieser Sache nun gehandelt wird. Seine Abzocker-Initiative schüttet jedoch das Kind mit dem Bade aus.» Sie lehnen Minders Abzockerinitiative, über die am 3. März abgestimmt wird, deshalb ab. Bei Ablehnung der Abzocker-Initiative würde automatisch der Gegenvorschlag des Parlaments in Kraft treten, der von den drei Limmattaler Wirtschaftsverbänden «ganz klar bevorzugt» wird, wie diese gemeinsam mitteilen.

Den Aktionsradius bewahren

Der Gegenvorschlag setze auf Transparenz statt auf sture Vorgaben. Gemäss Initiative sollen beispielsweise Beraterverträge von Organmitgliedern mit anderen Firmen innerhalb des Konzerns verboten werden. Das schiesse völlig über das Ziel hinaus, so die Wirtschaftsverbände. Angenommen, in einer Firma sitze ein Jurist im Verwaltungsrat, der auch die Tochtergesellschaften juristisch berate, gilt dies nun bereits als Abzockerei? Der Gegenvorschlag ebne den Weg zum Kompromiss, indem er solche Mandate weiterhin ermögliche, aber verlange, dass diese offengelegt würden.

Der Gegenvorschlag ermögliche also «pragmatische Lösungen statt blinder Verbote», so die Wirtschaftsverbände. Gemäss der Initiative dürften zum Beispiel für Firmenkäufe oder -verkäufe an Organmitglieder keine Prämien mehr ausbezahlt werden. Dies könne zu einer Demotivation von Schlüsselpersonen bei strategischen Geschäften führen und somit die Weiterentwicklung der Gesellschaft behindern. Das sei aber nicht im Sinne der Aktionäre. Der Gegenvorschlag sehe hier eine praktikable und nach Meinung von Geistlich, Pestalozzi und Pahr auch sinnvolle Lösung vor, indem die Generalversammlung über solche Prämien befinden könne. Ähnlich verhalte es sich bei Abgangsentschädigungen und Antrittsprämien für Organmitglieder. Statt diese einfach zu verbieten, wolle der Gegenvorschlag ein fallbezogenes Mitbestimmungsrecht für die Generalversammlung aufrecht halten.

Die Initiative geht den Wirtschaftsverbänden auch mit der geforderten Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren bei Widerhandlungen gegen die neuen Bestimmungen zu weit. So wage kaum mehr jemand, Verantwortung zu übernehmen und Neues zu wagen. In vielen weiteren Punkten stimmen Initiative und Gegenvorschlag jedoch überein, so Geistlich, Pestalozzi und Pahr.

Der indirekte Gegenvorschlag ist gemäss Schlieremer Wirtschaftskammer, Dietiker Industrie- und Handelsvereins, sowie Spreitenbacher Industrievereins also zu bevorzugen. Er setze auf mündige Aktionäre und bewahre den unternehmerischen Aktionsradius der Firmen. Trotzdem setze er das Anliegen von Minder um.(jk)