Coronavirus
Limmattaler Wirte verstehen Bundesrat nicht mehr: «Dass wir so abgeschoben werden, tut mir im Herzen weh»

Der Bundesrat will die Coronamassnahmen verlängern. Das kommt bei den Gastronomen im Limmattal schlecht an.

Carmen Frei
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Die Restaurants müssen allem Anschein nach noch bis Ende Februar geschlossen bleiben. (Themenbild)

Die Restaurants müssen allem Anschein nach noch bis Ende Februar geschlossen bleiben. (Themenbild)

Patrick Huerlimann

Beschlossen hat der Bundesrat am gestrigen Mittwochnachmittag nur wenig, aber einiges angekündigt. So auch, dass Gas­tronomiebetriebe voraussichtlich noch bis Ende Februar geschlossen bleiben. Für verschiedene Restaurantbetreiber im Limmattal kommt dies zwar nicht unerwartet, sorgt aber für Kritik.

Etwa bei Martina Meier, Wirtin des Restaurants Heimat in Dietikon. «Das ist ein riesiges Affentheater», findet sie. Der Bundesrat habe es verpasst, sich auf die zweite Welle vorzubereiten. «Ich habe schon im Frühling gesagt, das Theater haben wir erst im Winter», meint Meier. Der Bundesrat entscheide auch nicht wirklich. Für Meier ist klar, dass nun Hilfe nötig ist. «Die fixen Kosten müssen doch übernommen werden», findet sie. Die Gastronomie sei ein Macher-Gewerbe, alle, die dort arbeiteten, würden das gerne tun. «Dass wir so abgeschoben werden, tut im Herzen weh», sagt Meier. Es träfe genau die schwächsten Gewerbe.

Mit einer Öffnung hat niemand gerechnet

Überrascht ist Marco Lazri, Geschäftsführer der Pizzeria Corona in Schlieren, von den angekündigten Massnahmen nicht. «Wenn man auf unsere Nachbarländer schaut, war das zu erwarten», meint er. Er hoffe nur, dass wie im Ausland die entsprechenden Hilfspakete folgen. «Dass wir auf die Hilfe angewiesen sind, weiss ja die ganze Schweiz.» Er sehe auch bei vielen Kolleginnen und Kollegen, dass sie Schwierigkeiten hätten. «Wenn man nur für wenige Monate offen haben kann, in denen es noch dazu schlecht läuft, rentiert das nicht», sagt er. Er wolle nicht an der Stelle der Bundesräte sein, die über die Massnahmen entscheiden müssen. Den Bundesratsbeschluss, dass keine Ausnahmeregelungen mehr für einzelne Kantone bei tiefem R-Wert gelten, der bereits ab Samstag gültig ist, findet er gut. So könne Gastro-Tourismus zwischen den Kantonen vermieden werden. Allzu optimistisch ist er aber nicht. Lazri meint:

«Eine Rückkehr zur Normalität in der Gastronomie vor dem 1. April sehe ich nicht.»

«Es ist sehr anstrengend, weil wir keine klaren Informationen haben», findet auch Maya Grossmann, Inhaberin der «Linde» Weiningen. Wie wohl viele sei sie davon ausgegangen, dass an der Medienkonferenz bereits weitere Massnahmen bekanntgegeben würden. «Was ich vermisse, ist eine klare Information zur finanziellen Entschädigung», meint sie. Es brauche jetzt schnell konkrete Hilfe. Dass gerade die Gastronomie so stark eingeschränkt werde, verstehe sie nicht. Die Zahlen der Branche seien ja bekannt. «Wir haben extrem viel investiert in die Schutzmassnahmen und hatten auch nie einen Fall», erklärt sie. Sie hätte darum trotz allem gehofft, dass Ende Januar wieder geöffnet werden könne. Vorbereitet sei sie auf jeden Fall. «Wir stehen in den Startlöchern. Wenn es wieder losgeht, sind wir bereit.»

Der Optimismus geht trotz allem nicht verloren

Auch Artan Berisha, Wirt des Restaurants Rössli in Aesch, ist trotz allem optimistisch geblieben. «Wir schwimmen jetzt mit. Solange wir über Wasser bleiben und nicht untergehen, ist alles gut», sagt Berisha. Er rechnet damit, dass die Massnahmen am nächsten Mittwoch beschlossen werden, auch aufgrund der Entwicklung in den Nachbarländern. «Für uns ist das definitiv, alle Gastronomen, die ich kenne, sehen das so», meint er. Wirtschaftlich sei das für sie eine Katastrophe, sagt er. Immerhin erhielten sie inzwischen Kurzarbeit, das Personal sei somit versorgt. «Irgendwann wird es weitergehen, und ich bin zuversichtlich, dass es weitergeht. Wir müssen bis dahin ­gesund bleiben, das ist das Wichtigste.»

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