Letzte Woche, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, wurde es nochmals eisig kalt in der Schweiz. Die Temperaturen fielen in den Minusbereich, was in den Limmattaler Weinreben seine Spuren hinterlassen hat. «Es handelte sich um einen klassischen Kälteeinbruch», sagt Winzer Hans-Heinrich Haug aus Weiningen. Die Folge: bevorstehende Ernteausfälle.
Um wie viel es sich dabei genau handelt, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht abschliessend feststellen. Doch Hans-Heinrich Haug spricht schätzungsweise von bis zu zwei Dritteln verlorener Ernte.

Je tiefer die Lage, desto kälter

Die Kälte hat nicht überall gleich grossen Schaden angerichtet. Hans-Heinrich Haug betont, dass seine höher gelegenen Reben nur minimen Schaden erlitten, weil es dort bis zu vier Grad wärmer war. Weiter unten hingegen sei es zu sehr grossen Schäden gekommen. Dort bildeten sich sogenannte Kälteseen. Hinzu komme, dass es in dieser frostigen Nacht windstill war, was den Schaden noch verschlimmerte.

Auch die Trauben des Weininger Gemeindepräsidenten und Weinbauern Hanspeter Haug wurden nicht verschont – wie hoch der Schaden ausfällt, kann er aber noch nicht beziffern. Zwar gebe es verschiedene Möglichkeiten, die Ernte gegen die Kälte zu schützen, sagt er. Eine davon wäre etwa eine Frostkerze. Und manchmal würden sogar Helikopter eingesetzt, die die kalten und warmen Luftströme vermischen. Hanspeter Haug hat in dieser Nacht jedoch keine besonderen Massnahmen getroffen. Weil es sich um eine eher trockene Nacht handelte, bei der er davon ausging, dass die Temperaturen nicht tiefer als ein bis zwei Grad unter Null fallen, erwartete er keine grossen Schäden. Hans-Heinrich Haug meint ausserdem: «Schutzmassnahmen ergreift man ohnehin mehr für das gute Gewissen. Ob sie dann auch wirklich etwas nützen, weiss man nie genau.»

Auch reagieren nicht alle Weinsorten gleich auf die Kälte. Einige Sorten entwickeln sich schneller als andere. Und: «Die Sorten, die in der Vegetation schon weiter entwickelt sind, ertragen viel weniger und sind anfälliger für Frostschäden», erklärt Hanspeter Haug.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Auch den Reben von Roland Steinmann, dem Kellermeister des Klosters Fahr, hat der Kälteeinbruch zugesetzt. Er wagt noch keine Prognose, wie stark die Schäden zu Buche schlagen werden. Er hofft darauf, dass diese sich später im Jahr noch kompensieren lassen: «In guten Jahren kann es auch vorkommen, dass zu viele Trauben wachsen. Dann kommt es zu einem Ernteüberschuss, der Ausfälle ausgleichen könnte.»