Der Limmattaler Wahlkampf geht in die heisse Phase. Und das sorgt zuweilen für heisse Köpfe. Beispiel Dietikon: Hier geben einmal mehr die Plakate von Roger Bachmann zu reden. Der SVPler, der als Stadtpräsident kandidiert und im ersten Wahlgang am meisten Stimmen holte, setzt auch im zweiten Wahlgang mitunter auf Plakate, auf denen das Logo seiner Partei nicht zu sehen ist.

Doch jetzt wurde das Sünneli nachträglich auf diverse Plakate geklebt. Das wirft Fragen auf: Hat das überparteiliche Komitee, das diese Bachmann-Plakate verantwortet, seine Strategie geändert? Und zeigt nun ihren Kandidaten doch lieber mit Parteilogo? Schliesslich gab es schon Kritik für die logolosen Plakate.

Rochus Burtscher, Präsident der Dietiker SVP, winkt aber ab. Man habe die Strategie nicht geändert. «Die Kleber sind nicht von der SVP. Aber wir finden es toll, dass unsere politischen Gegner die SVP damit unterstützen», sagt er. Er sei nur vereinzelt auf die Kleber angesprochen worden.

Weiter verweist er auf das Problem der Wahlplakat-Zerstörung, das auch jetzt vor dem zweiten Wahlgang ums Dietiker Stadtpräsidium wieder um sich greift. «Wir ergreifen jetzt weitere Massnahmen, um solche Zerstörungen zu verhindern», sagt Burtscher, ohne genauer darauf einzugehen. Er sagt nur: «Meistens sind es die Plakate an der Schön-eggstrasse, die zerstört werden – dort sind nur unsere betroffen.» Wer keine Argumente mehr habe, der mache den Wahlkampf schmutzig, führt Burtscher weiter aus.

Schmutz entfernt hat die SP: An verschiedenen Stellen in der Stadt ist jetzt wiederum das Konterfei ihres Kandidaten Anton Kiwic (SP) auf Böden und Mauern zu sehen. Diesmal wurde es aber nicht mit Kreide aufgetragen, sondern sozusagen reingeputzt. Der geputzte Teil hebt sich farblich vom nicht geputzten Teil ab, was dann wie eine Sprayerei aussieht, aber keine ist.

Der Vorteil: Der Regen kann das Konterfei nicht abwaschen. «Wir wurden ja letztes Mal angeschossen, als wir es mit Kreide gemacht haben. Wenn wir also keine Kreide verwenden dürfen, dachten wir, wir putzen es lieber rein», sagt Kiwic, der bei der Verwirklichung dieses Guerilla-Marketings persönlich dabei war.

«Das hat richtig Spass gemacht. Wir haben aber schnell gemerkt, dass Dietikon schon sehr sauber ist. Die Differenz zwischen dem nicht geputzten und dem geputzten Teil ist oft klein», führt Kiwic aus, der im ersten Wahlgang am zweitmeisten Stimmen holte. Auch SP-Plakate werden zuweilen zerstört. So wurde vom Gartenzaun von Ernst Joss (AL) erneut das Kiwic-Plakat entfernt und zerstört, wie auf Facebook zu sehen war.

Der dritte Kandidat, Heinz Illi (EVP), sagt: «Ich habe nichts Negatives erlebt zuletzt, sondern erlebe den Wahlkampf als sehr positiv.» Er fügt an: «Der Wind hat mir kürzlich ein Plakat umgeworfen, aber gegen die Natur lehne ich mich nicht auf.» Plakate seien ihm nur vor dem ersten Wahlgang zerstört worden. Weiter sagt Illi: «Jeder macht seinen Wahlkampf auf seine Art. Was die anderen machen, ist mir egal. Das habe ich schon immer so gehalten.»

«Fair» versus «unschweizerisch»

In Unterengstringen machte zuletzt ein anonymes Flugblatt die Runde, das für den Gemeindepräsidiumskandidaten Marcel Balmer (SVP) wirbt, gezeichnet von den «Unterengstringer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern». Diese Anonymität missfällt der FDP, die das Gemeindepräsidium mit Simon Wirth besetzen will.

Wer hinter dem anonymen Flugblatt steckt, ist unklar. Marcel Balmer sagt dazu: «Ich bin der Meinung, dass man, wenn man etwas mitteilt, das mit Namen kundtun kann. Aber es gibt auch Personen, die sich nicht gerne in der Öffentlichkeit positionieren, das verstehe ich.» Das kursierende Flugblatt sei sachlich, sagt er. «Es geht jetzt richtig Endspurt und da ist man etwas angespannter, das ist einfach Wahlkampf. Ich empfinde ihn als fair», fügt er an.

In Unterengstringen gebe es zudem kaum Probleme mit zerstörten Plakaten, sagt Balmer. «Es ist vor allem der Wind und die Nässe, die den Plakaten zusetzt. Von Menschenhand abgerissen wurde bisher nur eines, das ist nicht der Rede wert.»

Ähnlich sieht es bei der FDP aus: Simon Wirth hat noch kein zerstörtes Plakat festgestellt, verweist aber auch aufs Wetter. «Als wir unsere Plakate aufstellen gingen, haben wir auch SVP-Plakate wieder aufgestellt, die gleich daneben vom Wind umgefallen sind. So viel Fairness muss sein», erzählt Wirth.

Seine Kritik am anonymen Flugblatt hält er aufrecht. «Die SVP wirbt mit ‹Einstehen für Unterengstringen›. Aber manche Anhänger stehen nicht mal für ihre eigenen Aussagen ein. Das finde ich grundsätzlich feige und unschweizerisch», sagt er. Es habe mit Geradlinigkeit und Ehrlichkeit zu tun, zu den eigenen Aussagen zu stehen.