Automobil
Limmattaler VW-Garagen kriegen zum Abgasskandal einen Maulkorb verpasst

Autohändler-Vertretungen dürfen sich nicht zur Situation am Standort äussern. Im Internet kann jedoch geprüft werden, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist.

Raphael Biermayr (text und Foto)
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Die Amag in Schlieren und das Autocenter Limmattal in Geroldswil (im Bild) sind besonders vom VW-Betrug betroffen.

Die Amag in Schlieren und das Autocenter Limmattal in Geroldswil (im Bild) sind besonders vom VW-Betrug betroffen.

Die Amag-Gruppe ist der Riese im Schweizer Automobilmarkt. Seit zwei Wochen ist der Gigant allerdings kleinlaut. Der Abgas-Skandal (siehe Box) hat den Hauptimporteur von Volkswagen-Fahrzeugen erschüttert: Mit VW, Audi und Skoda finden sich die Nummern 1, 3 und 4 der beliebtesten respektive meisterverkauften Marken des Jahres 2014 im Angebot der Amag, darüber hinaus gehört auch Seat dazu. Wer heute die Homepage der Gruppe aufruft, wird nicht wie üblich von auf Hochglanz polierten Autos oder strahlenden Menschen begrüsst, sondern von einem hellblauen Hintergrund. Auf dem werden die Kunden in weisser Schrift darauf hingewiesen, wo sie online überprüfen können, ob ihr Wagen vom Skandal betroffen ist.

Auf der Website der Amag-Niederlassung in Schlieren lächelt einem allerdings noch eine Frau entgegen. «Wir freuen uns auf Sie», heisst es da. Der letzte Eintrag unter «News» liegt rund einen Monat zurück. Nichts deutet darauf hin, dass auch der Limmattaler Ableger betroffen ist. Doch das täuscht. An der Brandstrasse 34 herrscht dieser Tage Hochbetrieb in der Führungsetage. Geschäftsleiter Otto Baumann weilt allerdings in den Ferien. Der Markenverantwortliche für VW-Personenwagen, Bruno Meier, ist derweil stets an Besprechungen oder am Telefon. Dennoch findet er die Zeit für einen Rückruf – darf sich aber nicht zur Situation am Standort Schlieren äussern.

Er verweist an Livio Piatti, den PR-Verantwortlichen für VW innerhalb der Amag-Gruppe. Der erklärt, dass es aktuell nicht möglich sei, einen Überblick über die Situation in einzelnen Zweigstellen zu erhalten. Das gilt auch für die zweite VW-Vertretung der Region, das Autocenter Limmattal in Geroldswil. Wer sich über die Auswirkungen der Vorkommnisse auf die tägliche Arbeit informieren will, beisst auf Granit. Kundendienstleiter Pascal Landolt verweist ebenfalls an Sprecher Piatti.

Während bei den VW-Vertretungen die Stimmung angespannt erscheint, herrscht bei Remo Baleri Gelassenheit vor. Der Geschäftsführer des Schlieremer Autogrosshändlers auto züri west erklärt: «Als freier Händler haben wir den Vorteil, unser Angebot anpassen zu können.» Mit anderen Worten: Es werden in naher Zukunft wohl weniger Autos der VW-Gruppe zu finden sein unter den täglich 800 Angeboten.

Um zu überprüfen, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist, klicken Sie auf Ihre entsprechende Automarke, falls Sie einen Volkswagen, Audi, Skoda oder Seat besitzen.

Die betroffenen Fahrzeuge werden ab Januar 2016 zurückgerufen

Volkswagen hat in einige Dieselmotoren der neueren Generation eine Manipulationssoftware installiert. Diese sorgt dafür, dass bei Tests ein tieferer Schadstoffwert ausgewiesen wird. Damit erfüllen die Motoren die vorgeschriebenen Umweltnormen. Diese Motoren wurden in Personenwagen und Nutzfahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat eingebaut. Gemäss VW sind weltweit 11 Millionen Fahrzeuge betroffen, 8 Millionen davon in Europa. Nach Angaben der Amag beläuft sich die Zahl der betroffenen Fahrzeuge in der Schweiz auf 128 802. Das Bundesamt für Strassen hat ein Verkaufsverbot für die Fahrzeug-Typen mit den manipulierten Motoren verhängt – das gilt auch für Occasionsangebote von Privaten. VW hat bekanntgegeben, dass die Autos ab Januar 2016 zurückgerufen werden, um mittels Update die betrügerische Software zu deaktivieren. Sämtliche Halter betroffener Fahrzeuge werden schriftlich über die zu unternehmenden Schritte informiert, lässt Amag-Sprecher Livio Piatti ausrichten. Der Konzern betont, dass die Fahrzeuge technisch sicher und fahrbereit seien, sie also bedenkenlos gefahren werden können.