Wenn man den 28-jährigen Wirtschaftsinformatiker auf der Strasse antrifft, könnte man meinen, er sei ein ganz normaler Mann. Dass er jedoch unglaubliche Distanzen in den Beinen hat, verraten nur die unter der dicken Winterbekleidung versteckten Muskeln. Schon vor 23 Jahren hat die Sportlerkarriere von Fabian Dutli begonnen.

Der ambitionierte Triathlet nahm bereits mit fünf Jahren am Züri Triathlon teil und rannte später in einem Leichtathletik-Club mit. «Den Wettkampf habe ich natürlich nur zum Spass gemacht. Wir hatten immer schon Freude an der Bewegung und gingen sonntags oft mit unserem Vater an die frische Luft etwas Sport treiben», sagt der Geroldswiler. Die Dutlis seien eine richtige Sportler-Familie, so sei auch er da irgendwie reingerutscht.

Aus dem Spass wurde über die Jahre eine richtige Passion, bei der auch die Resultate an Wichtigkeit gewannen. «Vor zwölf Jahren habe ich wieder mit den Wettkämpfen angefangen. Je schneller ich wurde, desto grösser wurde auch mein Ehrgeiz», so Dutli.

Seit 2018 mischt er nun bei den Profis mit und trainiert momentan wöchentlich 20 bis 25 Stunden. «Bis jetzt habe ich meine Trainings selber geplant, aber bei den Profis kommt man ohne persönlichen Coach nicht weit», sagt der Sportler.

Seit fünf Wochen wird sein Trainingsplan von einem Trainer zusammengestellt. Dabei sieht jede Woche ganz anders aus, auf dem Programm stehen aber immer ungefähr fünf Schwimm-, sechs Rad-, vier Lauf- und drei Krafttrainings. «Gestern war ich beispielsweise zweimal auf dem Fahrrad und einmal im Wasser», so Dutli.

An Motivation für die zeitaufwendigen und auch körperlich anstrengenden Trainings fehle es ihm nie. «Es macht mir ja Spass. Das Gefühl nach einem geschafften Training oder Wettkampf ist einfach unbeschreiblich.»

Ein körperschonender Sport

Beim Triathlon sind Allrounder gefragt. Schwimmen, Radfahren und Laufen sind die drei Disziplinen, die in genau dieser Reihenfolge bewältigt werden müssen. Diese Vielfältigkeit gefällt Dutli an seinem Sport besonders. «Als Triathlet kann man seinen Körper nie so ausreizen wie ein reiner Läufer», meint er.

Die abwechslungsreiche Sportart sei demnach besonders angenehm für den menschlichen Körper. «Wenn man in einer Disziplin Probleme hat oder durch eine kleinere Verletzung am Training gehindert wird, kann man einfach auf eine andere Disziplin ausweichen. Damit kann die Belastung auf den Körper, vor allem auf die Knochen und die Gelenke, reduziert werden», erklärt Dutli.

Auch wenn er deshalb kein Alternativtraining bräuchte, geht der Ausdauersportler im Winter dennoch gerne langlaufen und sitzt zu jeder Jahreszeit auf dem Mountainbike.

Nicht zu unterschätzen sei im Triathlon ausserdem die sogenannte vierte Disziplin: der Wechsel. «Schnell schwimmen, fahren und laufen allein nützt nichts, wenn man zu viel Zeit in der Wechselzone verbringt», meint Dutli. Die Profis benötigen vom Wasser aufs Rennrad nur ungefähr eine Minute. Die Schuhe sind dabei schon am Rad fixiert und unter dem Neoprenanzug, der nach dem Schwimmen ausgezogen wird, tragen sie bereits den Triathlonanzug, in dem das restliche Rennen bestritten wird.

Man müsse aber auch mit genügend Energie in die zweite und dritte Disziplin starten können. «Wenn wir eine Disziplin geschafft haben, wird nicht wie in anderen Sportarten die Zeit gestoppt, sondern es geht gleich weiter mit der nächsten.» Das Ziel sei es demnach, ökonomisch zu schwimmen und zu fahren. «Natürlich will man möglichst schnell sein in den einzelnen Disziplinen, aber man muss auch noch genügend Energie für die nächsten übrig lassen.»

Bei den Profis spielt da auch sehr viel Taktik mit. «Mein Ziel für 2018 war es, einmal zu schauen, wie das bei den Profis so läuft und wo ich stehe, wenn ich so weiter mache wie bisher», sagt Dutli. Sein Potenzial habe er dieses Jahr jedoch nicht wirklich ausschöpfen können. «Das Laufen ist mein Schwachpunkt. Ich war meistens fünf bis sechs Minuten langsamer, als ich eigentlich in der Lage wäre, zu laufen.»

Für die letzte Disziplin müsse nämlich alles zusammenpassen. «Die Verpflegung vorher im Wettkampf muss gestimmt haben, die Verpflegung während des Laufens muss passen und natürlich sollte noch genügend Energie vorhanden sein.»

Mit rotem Schuh ins Ziel

Obwohl an den meisten Wettkämpen etwas nicht optimal verlief, konnte der junge Sportler viel Positives aus der vergangenen Saison mitnehmen. «Ich habe vor allem wertvolle Erfahrungen gesammelt und gesehen, dass ich mich immer motivieren kann. Auch wenn ich beispielsweise beim Schwimmen Zeit verloren hatte, konnte ich mich für den Rest des Wettkampfes wieder aufrütteln und mit neuer Energie in die nächste Disziplin starten», sagt Dutli.

Einen Lauf abbrechen musste er noch nie. «Stürze während des Wettkampfes sind nicht selten, mir selbst ist dies jedoch erst einmal passiert. Zweimal habe ich mir aber noch vor dem Start den Fuss aufgeschnitten», erinnert er sich. Dennoch biss er sich bis ans Ende durch. «Ich bin bis jetzt immer ins Ziel gekommen, auch wenn der Schuh mal rot war.»

Wenn man ihn nach dem Highlight seiner bisherigen Sportlerkarriere fragt, muss Dutli nicht lange überlegen. Am Halb-Ironman in Lanzarote 2017 war er der schnellste Amateur und hätte auch bei den Profis vorne mithalten können. «Mit diesem Wettkampf habe ich die Kriterien für die Profi-Lizenz 2018 von Swiss Triathlon erfüllt. Endlich diese Limite zu durchbrechen, war sicher ein wichtiger Schritt für meine Karriere.» Sein Schweizer Hochschulmeister-Titel 2016 und der dritte Platz an der Schweizer Meisterschaft 2017 sind für ihn im Vergleich dazu weniger bedeutend. «Es war mein Ziel, die Profi-Lizenz zu erlangen. An einem Wettkampf dieses Ziel zu erreichen, ist einfach ein tolles Gefühl.»

Laufwettkämpfe als Training

In der Winterpause bestreitet Dutli regelmässig Laufwettkämpfe. Diese dienen vor allem als Vorbereitung für die neue Triathlon-Saison. «Ein Wettkampf ist immer etwas härter als ein hartes Training, man kann noch näher an seine persönlichen Grenzen gehen. Und durch die Läufe behalte ich auch im Winter das Wettkampfgefühl bei», erklärt er. Auch wenn er den Neujahrsmarathon in Schlieren nur als Training sah, waren die Erwartungen vor dem Lauf dennoch hoch: «Das Ziel ist natürlich schon ein Podestplatz, aber ich bereite mich auf den Wettkampf nicht wie auf einen Halb-Ironman vor.» Normalerweise fahre er schon Wochen vor einem Triathlon die Trainings runter. Letzten Montag startete er aber sozusagen aus dem Training in den Laufwettkampf – und holte dennoch den Sieg über die Viertelmarathonstrecke nach Hause.

Schwimmwettkämpfe bestreitet Dutli jedoch nie, und obwohl das Radfahren seine stärkste Disziplin ist, nimmt er nur selten an Radrennen teil. «Dort darf man auch im Windschatten fahren, was beim Triathlon verboten ist.» Ausserdem könne er nicht so einen starken Schlusssprint hinlegen wie ein Radrennfahrer. «Diese explosive Kraft braucht es beim Triathlon gar nicht. Da ist es eher das Ziel, möglichst konstant zu fahren. Man wird höchstens mal schneller, wenn man eine Gruppe aufholen möchte.»

Was ihm das neue Jahr bringen wird, kann der junge Profi noch nicht genau sagen. «Ein Rang in den Top Fünf wäre natürlich schön, aber ob das auch möglich sein wird, sehe ich erst am Anfang der neuen Saison», so Dutli. Seit er mit seinem neuen Trainer zusammenarbeitet, hat er das Trainingsvolumen extrem hochgeschraubt. Ob er sein neues Leistungspotenzial aber auch im Wettkampf abrufen kann, wird sich im Laufe des Jahres noch zeigen.