Gesamtschau

Limmattaler Steuerfüsse nähern sich an

(Symbolbild)

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Sechs Limmattaler Gemeinden verändern per 2019 ihre Steuerfüsse – vor allem nach oben. Ausnahmen sind Uitikon und Dietikon.

In der Silvesternacht knallt über dem Geroldswiler Zentrum das traditionelle Feuerwerk. Gleichzeitig mit den Raketen steigt auch der Geroldswiler Gesamtsteuerfuss. Zum zweiten Mal in Folge geht er 7 Prozentpunkte nach oben. War es aufs Jahr 2018 hin noch die Primarschulgemeinde Oetwil-Geroldswil, die ihren Steuerfuss um 7 Prozent auf 44 Prozent erhöhte, ist die jetzige Erhöhung zweigeteilt. Während die Oberstufenschulgemeinde Weiningen ihren Steuerfuss von 16 auf 18 Prozent anhebt, steigt jener der Politischen Gemeinde von 44 auf 49 Prozent. Zusammen mit dem Steuerfuss der Primarschulgemeinde ergibt sich so ein Gesamtsteuerfuss von neu 111 Prozent. 2017 betrug der Geroldswiler Gesamtsteuerfuss noch 97 Prozent. Die neuerliche Erhöhung verbessert das Haushaltsgleichgewicht, bis das neue Zentrum mit Wohnungen und Verkaufsflächen auf dem Baufeld Ost Anfang der 2020er-Jahre fertiggestellt ist und Einnahmen beschert. Die Zeit bis dahin gilt als Durststrecke. Und so traf die Steuererhöhung um 5 Prozentpunkte an der Gemeindeversammlung zwar auf Widerstand, wurde aber mit 52 zu 36 Stimmen klar bewilligt.

Davon können andere Gemeinderäte nur träumen. Erwähnt sei hier die Birmensdorfer Budget-Gemeindeversammlung. Im Gemeindezentrum Brüelmatt erschienen über 500 Stimmberechtigte. Die grosse Mehrheit kam, um die geplante Steuererhöhung von 5 Prozentpunkten abzulehnen. Mit Erfolg, der Birmensdorfer Steuerfuss bleibt bei 110 Prozent. Ähnliches spielte sich letztes Jahr in Oetwil ab, als die beantragte Steuererhöhung um 5 Prozentpunkte in der rappelvollen Gemeindescheune Schiffbruch erlitt. Angesichts dessen beantragte der Gemeinderat Oetwil dieses Jahr keine Änderung des Steuerfusses. Der Gesamtsteuerfuss steigt trotzdem: um 2 Prozent auf neu 103 Prozent, dies wegen der diskussionslosen Steuererhöhung der Oberstufenschulgemeinde Weiningen. Dieselbe Erhöhung gilt auch für Weiningen, wo der neue Gesamtsteuerfuss bei 103 Prozent liegt, und Unterengstringen, wo er per 2019 auf 102 Prozent steigt.

Die Gesamtsteuerfüsse dieser vier Gemeinden nähern sich damit jenen ihrer Nachbarn an. So liegt Oberengstringen mit seinen unveränderten 112 Prozent neu nur noch 1 Prozentpunkt über Geroldswil.

Spannweite sinkt stark

Hinzu kommt, dass der Steuerfuss von Dietikon zum zweiten Mal in Folge um 3 Prozentpunkte sinkt, auf neu 123 Prozent. Der Unterschied zwischen diesem höchsten Steuerfuss im Bezirk und dem tiefsten – neu sind es in Uitikon 82 statt 83 Prozent – liegt jetzt bei 41 Prozentpunkten. 2018 waren es noch 43 Prozentpunkte Unterschied und 2017 sogar noch 46. Lässt man die beiden Tiefsteuergemeinden Uitikon und Aesch beiseite, zeigt sich diese Entwicklung noch deutlicher. 2017 lag hier der grösste Unterschied zwischen Oetwil mit 94 Prozent und Dietikon mit 129 Prozent. Jetzt liegt er zwischen Unterengstringen mit 102 Prozent und Dietikon mit 123 Prozent. Das entspricht einer Abnahme des Steuerfussunterschieds von 35 auf 21 Prozentpunkte.

Die Steuerfüsse des Bezirks Dietikon im Überblick.

Die Steuerfüsse des Bezirks Dietikon im Überblick.

Der Inbegriff der Stabilität ist nach wie vor der Urdorfer Gesamtsteuerfuss. Er verharrt seit 2008 auf 118 Prozent. Ähnlich stabil, allerdings auf anderem Niveau, ist der Steuerfuss von Aesch, der seit 2011 bei 87 Prozent liegt. In Schlieren ist der Steuerfuss nun schon seit 2014 stabil. Auch nächstes Jahr sind es wieder 114 Prozent. Stadt- und Gemeinderat begegnen den steigenden Aufwänden mit Entlastungsmassnahmen und Budget-Kürzungen.

Ganz anders ist die Situation in Uitikon. Das Dorf mit dem tiefsten Gesamtsteuerfuss im Bezirk senkt diesen per 2019 um nochmals ein Prozent. Es war ein knapper Entscheid. Mit 44 zu 41 Stimmen setzte sich der Antrag der Rechnungsprüfungskommission durch, den Steuerfuss der Politischen Gemeinde um 3 statt nur 2 Prozent zu senken, nachdem jener der Schulgemeinde um 2 Prozent erhöht wurde.

Der Steuerfuss in Bergdietikon beträgt weiterhin 87 Prozent. Sorgen bereitet hier eher der kantonale Steuerfuss. Nachdem dieser per 2018 von 109 auf 112 Prozent gestiegen ist, scheiterte heuer im Aargauer Grossen Rat der Antrag der SVP, diesen Steuerfuss wieder zu senken.

Der Zürcher Kantonsrat beschäftigte sich nicht mit dem kantonalen Steuerfuss. Er wird nur alle zwei Jahre festgesetzt. Ende 2019 ist es wieder soweit. Der Regierungsrat hat bereits eine mögliche Senkung von 100 auf 98 Prozent per 2020 in Aussicht gestellt. Linke sehen das kritisch, Bürgerliche freuts.

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