Steuererklärung
Limmattaler Steuerämter mahnen 8000 Bürger

Eine Recherche zeigt erstmals, wie viele Personen im Bezirk Dietikon ihre Steuererklärung nicht einreichen. Zwischen den Gemeinden gibt es sehr grosse Unterschiede. Mancherorts wird fast jeder Fünfte gemahnt

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Nicht alle Steuerzahler sind gleich diszipliniert hinsichtlich der Steuererklärung (Symbol).

Nicht alle Steuerzahler sind gleich diszipliniert hinsichtlich der Steuererklärung (Symbol).

Keystone

Auf dem Spiel stehen 203,2 Millionen Franken: So viele Steuergelder haben die elf Gemeinden des Bezirks Dietikon im Jahr 2015 eingenommen. Und es dann wieder ausgegeben, zum Beispiel für Bildung, Sozialhilfe oder Strassen.

Um diese Gelder einzutreiben, ist viel Arbeit nötig. Einen grossen Zusatzaufwand verursachen Bürger, die ihre Steuererklärung nicht fristgerecht abgeben. Eine Umfrage der Limmattaler Zeitung zeigt nun erstmals das Ausmass dieses Problems auf, basierend auf der Auskunft von zehn Steuerämtern im Bezirk, ein Amt musste ferienhalber passen. Die Zahlen stammen je nachdem aus den Jahren 2014, 2015 und 2016. Dennoch sind sie aussagekräftig, da sie gemäss Auskunft der Steuerämter keinen grossen Schwankungen unterliegen.

So haben zum Beispiel die zwölf Angestellten des Steueramts Dietikon ganze 4350 Steuererklärungen noch innerhalb der Frist, also vor dem 31. März erhalten. Das ist gut ein Drittel aller steuerpflichtigen Personen. Etwa gleich viele Personen haben sich die Abgabefrist verlängern lassen. Zudem reichten 2500 Steuerpflichtige, respektive ein Fünftel, ihre Steuererklärung zwar zu spät ein, aber noch bevor das Steueramt die Mahnungen verschickt hatte.

Vorbildlich sind die Uitiker

So weit, so gut. Doch rund 2000 bis 2300 Steuerpflichtigen musste das Steueramt Dietikon eine Mahnung schicken, sagt auf Anfrage die Amtsleiterin, Chin-Sien Yang. Das entspricht 14 bis 16 Prozent aller Steuerpflichtigen der Stadt Dietikon. Einzig Schlieren muss anteilsmässig noch mehr Steuerpflichtige mahnen, dort beträgt dieser Anteil 18 Prozent (siehe Grafik). In Uitikon sind es hingegen nur ein Prozent, die an ihre Pflicht zur Steuererklärung erinnert werden müssen. Warum das?

«Bei uns haben viele Einwohner offizielle Steuervertreter, die auch auf der Steuererklärung angegeben sind und über die die Korrespondenz läuft. Dabei handelt es sich oftmals um ausgebildete Steuerfachleute», sagt der Leiter des Uitiker Steueramts, Ricco Graf. Darunter sind zum Beispiel Treuhänder oder Rechtsanwälte. Die meisten Steuerexperten verlangen einen Stundenansatz von mindestens 150 Franken.

«Diesen Profis ist natürlich klar, wie man eine Steuererklärung ausfüllt», sagt Graf weiter. Ein weiterer Faktor sei der hohe Anteil älterer Einwohner in Uitikon. «Diese Generation ist einfach pflichtbewusster», sagt Graf. Der Umkehrschluss daraus: In den anderen Gemeinden ist der höhere Anteil einkommensschwacher und junger Personen der Grund dafür, dass mehr Bürger gemahnt und eingeschätzt werden müssen. Für die Behörden ist es aber tabu, das laut zu sagen.

Auch in der Handhabung der gut 8000 Mahnungen, die im Bezirk Dietikon jedes Jahr verschickt werden müssen, gibt es grosse Unterschiede. Während Oetwil, Weiningen und Birmensdorf ihre Mahnungen Mitte April versenden, werden in Dietikon, Schlieren und Urdorf die letzten Mahnungen bis Mitte Mai verschickt. Abhängig ist das oft vom Anbieter, der die eingereichten Steuererklärungen registriert. Aus diesen Daten wird jeweils klar, wer die Steuererklärung nicht eingereicht hat. Unabhängig vom Mahnungsdatum gilt: Auf der sicheren Seite ist man nur, wenn man sich die Abgabefrist verlängern lässt – auf den Gemeindewebsites braucht das nur wenige Klicks.

Viel Zeit lassen sich offenbar die Urdorfer. Dort landen nur 15 Prozent der Steuererklärungen bis Ende März auf dem Amt. Knapp die Hälfte aller Urdorfer, nämlich 48 Prozent, lässt sich die Frist erstrecken. Einzig in Unterengstringen, mit 50 Prozent, ist diese Zahl noch höher. Das Gegenteil ist Schlieren, das mit 66 Millionen Franken am meisten Steuergelder aller Limmattaler Gemeinden einnimmt. Dort lassen sich nur 27 Prozent der Steuerpflichtigen die Abgabefrist erstrecken.

Die besonders detaillierten Zahlen aus Schlieren zeigen, dass die vielen Mahnungen etwas nützen: Bei 1425 Personen trudelte im Mai eine erste Mahnung ein, im Juni folgte bei 635 Personen eine zweite Mahnung. Danach sind weiterhin 389 Steuererklärungen ausgeblieben, weshalb das städtische Steueramt die Einkommens- und Vermögenssituation dieser Personen einschätzen musste. Dafür stützen sich die Behörden zum Beispiel auf frühere Steuererklärungen oder Betreibungen. Doch manchmal fehlen solche Daten.

Dazu kommt eine Dunkelziffer

Tatsächlich ist die Anzahl nicht abgegebener Steuererklärungen sogar noch höher: Denn einen Teil der Einschätzungen nimmt der Kanton vor, ihre Anzahl je Gemeinde ist nicht bekannt. Von den Gemeinden nehmen Urdorf und Dietikon am meisten Einschätzungen vor. Für eingeschätzte Personen gibt es ein letztes Schlupfloch: Gegen die Einschätzung können sie jeweils innert 30 Tagen Einsprache erheben.

Mehrere Gemeinden machen zur Anzahl Einschätzungen keine Angaben. Denn hier beginnt der heikle Bereich: Wer zum wiederholten Mal eingeschätzt wird, wird gebüsst. Durchschnittlich beträgt diese Strafe 375 Franken. Die Maximalbusse beläuft sich auf 10 000 Franken. Als der Kanton 2012 zum letzten Mal eine Statistik zu den Bussen erstellte, zeigte sich, dass er pro Jahr mit diesen Bussen sechs Millionen Franken einnimmt. Da der Kanton die Bussen ausspricht, wissen die Gemeinden nicht, wie viele ihrer Bürger gebüsst werden. Auch die kantonalen Behörden wissen es nicht genau: «Wir haben keine Statistik, die auf die Gemeinden heruntergebrochen ist.

Ich räume aber ein, dass das eine interessante Information wäre», sagt der Sprecher der kantonalen Finanzdirektion, Roger Keller. Eine kleine Überschlagsrechnung anhand der Anzahl eingeschätzten Personen und der durchschnittlichen Bussenhöhe zeigt aber: Alleine in Dietikon nimmt der Kanton wohl jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag dank solcher Bussengelder ein – obwohl die Gemeinden die Vorarbeit dafür leisten. Dafür gibt es einen Grund: Die Ermessenseinschätzung ist zwar eine kantonale Aufgabe, doch der Kanton Zürich hat sie zu einem grossen Teil an die Gemeinden ausgelagert. Den Aufwand für jede Einschätzung dürfen die Gemeinden darum dem Kanton in Rechnung stellen. Am Schluss ist es aber der Steuerzahler, der für diese Kosten aufkommt.