Über die Hälfte der bedürftigen älteren Menschen werden gemäss einer Studie von «Swiss Age Care» im privaten Umfeld betreut. Diese Aufgabe wird für viele Familien zu einer starken Belastung. Nicht selten führt die zeitintensive Betreuung bei den Angehörigen zur Überlastung. Seit Anfang März besteht für die Region Limmattal ein Angebot der Non-Profit-Organisation «Entlastungsdienst Kanton Zürich», die Familien bedürftiger Senioren unterstützt (siehe Kontext).

Doch: Das Angebot läuft in der Region zögerlich an, wie Ingrid Matthews, zuständige Vermittlerin beim Entlastungsdienst der Regionen Limmattal und Zürcher Unterland, auf Anfrage erklärt: «Wir hatten zwar seit März bereits einige Anfragen. Bisher kam es aber erst mit einer Familie zu einer Betreuungsvereinbarung.» Woran liegt das? Die Gründe für den noch harzigen Start des Angebots seien nicht klar eruierbar und wohl vielfältig, sagt Matthews: «Für viele Menschen ist es schwierig, fremde Hilfe anzunehmen.»

Sie habe beispielsweise auch schon mit Familien Kontakt gehabt, die das Angebot gerne in Anspruch genommen hätten, deren bedürftige Angehörige sich aber dagegen gesträubt hätten. «Wir versuchen deshalb den älteren Menschen immer wieder aufzuzeigen, dass es ein Ausdruck von Stärke ist, Hilfe anzunehmen», so Matthews.

Sie hält es ausserdem für möglich, dass in Agglomerationsgemeinden auch der Nachbarschaftshilfe eine gewisse Entlastungsfunktion bei der Betreuung von betagten Menschen zukommt. Denn: In der Stadt Zürich stösst das Angebot auf grosses Interesse, wie Matthews sagt.

38 bis 43 Franken pro Stunde

Und schliesslich vermutet sie einen weiteren Grund für die Zurückhaltung der Bedürftigen gegenüber dem Entlastungsdienst in der Angst vor den Kosten. Die Einsätze der Betreuerinnen und Betreuer kosten unter der Woche 38 Franken pro Stunde und an Wochenenden 43 Franken pro Stunde. Die minimale Einsatzzeit beträgt 2 Stunden. Dazu kommt eine Wegpauschale von 15 Franken pro Einsatz.

Familien, die den Entlastungsdienst in Anspruch nehmen, können allerdings von verschiedenen Seiten finanzielle Unterstützung erwarten, wie Matthews sagt. Neben entsprechenden Zusatzversicherungen bei den Krankenkassen und Ergänzungsleistungen der AHV bestehe eine Möglichkeit auch darin, beim Sozialamt der Wohngemeinde vorstellig zu werden. «Allerdings haben viele Senioren Hemmungen, sich Hilfe beim Sozialamt zu holen. Und dies, obwohl die Sicherstellung von Betreuungsangeboten für Senioren ganz klar eine Aufgabe der kommunalen Behörden ist», so Matthews.

Der Entlastungsdienst betreut im Limmattal und im Zürcher Unterland derzeit 40 Haushalte, in denen Menschen mit Behinderung leben. Die Geschäftsleitung hat sich zum Ziel gesetzt, auch im Bereich Seniorenbetreuung in dieselbe Grössenordnung zu wachsen.

Man habe als Reaktion auf die ersten Erfahrungen in der Region deshalb begonnen, die Familien von bedürftigen Senioren vermehrt auf das Angebot aufmerksam zu machen, sagt Matthews: «Wir haben dazu die Altersbeauftragten in den einzelnen Gemeinden und die Hausärzte in der Region kontaktiert. Wir hoffen, dass wir auf diesem Weg zu mehr Anfragen von Senioren und deren Angehörigen kommen.»