Kaffeekultur
Limmattaler sehnen sich nach Cafés – doch das Business ist hart

Cafés sind im Limmattal eher eine Seltenheit. Jene, die nicht im Zentrum liegen, haben es schwer. Es fehlt vor allem an Laufkundschaft.

Carolin Teufelberger
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Die Auslage der Bäckerei Frei in Geroldswil bietet allerlei süsse Backwaren. Wer Kaffee und Kuchen sofort geniessen will, bestellt im am Donnerstag eröffneten Café.

Die Auslage der Bäckerei Frei in Geroldswil bietet allerlei süsse Backwaren. Wer Kaffee und Kuchen sofort geniessen will, bestellt im am Donnerstag eröffneten Café.

Carolin teufelberger
Cornelia Schütz ist optimistisch.

Cornelia Schütz ist optimistisch.

Carolin Teufelberger

Sobald man zur Türe hereinkommt, riecht es nach Kaffee. Die Tische sind gut besetzt, überall hört man angeregte Gespräche und zwischendurch ein Kompliment zu dem soeben eröffneten Café. «Wir spürten schon vor der Neueröffnung ein grosses Interesse an einem Café», sagt Cornelia Schütz, Geschäftsführerin der Bäckerei-Konditorei Frei AG in Geroldswil. Sie hätten das Café sogar vor allem auf Kundenwunsch eröffnet. Auch Elisabeth Tschannen, die gemeinsam mit ihrem Mann die Confiserie Tschannen in Schlieren führt, kann nicht über fehlende Kundschaft klagen. «Unser Café läuft sehr gut», sagt sie.

Doch Cafés sind im Limmattal eher eine Seltenheit. So hat Geroldswil seit gestern genau ein «Kafi», nämlich jenes der Bäckerei Frei. Auch in den anderen Gemeinden in der Region kann man die Cafés meist an einer Hand abzählen. Aber wenn es nicht an der fehlenden Nachfrage liegt, woran dann?

Die Cafébetreiber haben ihre Vermutungen. «Ein eigenes Geschäft zu eröffnen, kostet viel Geld. Das schreckt die meisten Leute ab», sagt Tschannen. Dazu kämen noch die Lohnkosten. «Man arbeitet sehr viel und am Ende kommt finanziell kaum etwas dabei heraus», sagt sie. Ausserdem sei, wie bei jedem Laden, der Standort entscheidend. «Man braucht andere Geschäfte in der Nähe und muss im Dorf integriert sein. Die meisten kommen nicht extra zum Kaffeetrinken, sondern weil sie sowieso schon im Zentrum sind», so Monika Bichsel, Filialleiterin der Bäckerei Bode in Birmensdorf. Laut Bichsel ist dies wahrscheinlich auch der Hauptgrund dafür, dass einige Cafés wieder schliessen mussten.

Es braucht Laufkundschaft

Einer, der das Standortproblem gut kennt, ist Domenico Di Cola, Inhaber der Caffè Bar Limmatfeld in Dietikon. «Ich habe meine Caffè Bar am Rapidplatz eröffnet, weil es hiess, das ganze Quartier werde durch neue Geschäfte belebt», sagt er. Davon sei aber noch nichts zu spüren. Sein Café sei oft leer, da keine Passanten vorbeikämen. «Ich hoffe, dass sich das ändert, sobald das Quartier besser erschlossen ist.»

Hinzu kommt, dass Di Cola keine integrierte Bäckerei hat. Das mache die Sache nochmals schwieriger, sagt Bichsel. «Es hilft, eine Bäckerei zu haben, die das Café mitträgt. Cafés laden zum Verweilen ein, was an sich schön ist, aber mit einem Kaffee für vier Franken innert zwei Stunden, macht man nicht genug Umsatz.»

Umfrage: Wie viele Tassen Kaffee trinken Sie pro Tag?

Predrag Dimitrijevic (20), Dietikon «Ich trinke etwa jeden zweiten Tag eine Tasse. Vielleicht steigert sich mein Konsum mit der Zeit, ich trinke nämlich erst seit dem Studium Kaffee. Jetzt habe ich Energy Drinks noch lieber.»
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Alfons Lenger (70), Geroldswil «Ich trinke fünf bis sechs Tassen Kaffee pro Tag. Am liebsten habe ich Cappuccino, ausser morgens, dann trinke ich drei Tassen Espresso. Das brauche ich, um wach zu bleiben.»
Ergyn Shabani (25), Urdorf «Mein Konsum liegt bei etwa fünf bis sechs Tassen pro Tag. Ich trinke Kaffee über den ganzen Tag verteilt, am meisten aber morgens. Am liebsten mag ich ihn schwarz.»
Pietro Iellamo (52), Dietikon

Predrag Dimitrijevic (20), Dietikon «Ich trinke etwa jeden zweiten Tag eine Tasse. Vielleicht steigert sich mein Konsum mit der Zeit, ich trinke nämlich erst seit dem Studium Kaffee. Jetzt habe ich Energy Drinks noch lieber.»

Carolin Teufelberger

Nicht nur ältere Kunden

Die Bäckerei Frei will seine Kunden daher mit einem breiten Angebot ins Café locken. «Wir verkaufen Kaffee und Kuchen, aber auch Wein und salzige Snacks», sagt Schütz. Am Mittag gebe es auch täglich ein anderes Menü. So könnten die Kunden zu jeder Tageszeit das Passende finden. Ausserdem haben Bäckerei und Café neu sieben Tage die Woche geöffnet und verkaufen frische Backwaren und Kaffee.

Schütz macht sich keine Sorgen, dass das Café nicht gut laufen könnte. «Das Kafi war der ausdrückliche Wunsch unserer Stammkunden. Ausserdem ist es schon das vierte, das die Familie Frei eröffnet.» Die Inhaber können auf viel Erfahrung zurückgreifen, da auch die anderen Cafés gut laufen, wie Bichsel sagt.

Es sei übrigens nur ein Gerücht, dass sich vor allem die ältere Generation in Cafés trifft. «Wir haben Kunden aller Altersklassen. Morgens sind es eher berufstätige Frauen und Männer, am Nachmittag vor allem Mütter mit ihren Kindern und ältere Personen und am Abend auch vermehrt junge Leute, die nach der Arbeit vorbeikommen», so Schütz.