So hatte er bereits vor acht Jahren an der Fussball-EM 2008 als Angestellter einer Finanzfirma diverse gefälschte EM-Tickets an gutgläubige Arbeitskollegen verkauft und diese insgesamt um über 5000 Franken geprellt.

Der Hochstapler wurde dafür vom Bezirksgericht Zürich zu einer unbedingten Geldstrafe von 2700 Franken verurteilt.

Ende Dezember 2012 tauchte der Beschuldigte im Bezirk Dietikon auf, wo er ein eigenes Reisebüro eröffnete und günstige Ferien in der Türkei anbot.

Das Geschäft lief für den Beschuldigten zunächst gut an. So waren es vor allem türkische und kosovarische Kunden, welche die Pauschalreisen in Anspruch nahmen.

Allerdings geriet der Beschuldigte laut Anklage schon bald wieder auf kriminelle Abwege. «Ich hatte ein Chaos um die Ohren», entschuldigte sich der inzwischen gescheiterte Reiseunternehmer kürzlich vor dem Zürcher Obergericht.

Er beteuerte dabei seine Unschuld, da er sich weder bereichert noch vorsätzlich gehandelt habe. Auch sein Verteidiger verlangte Freisprüche, da sein Klient aufgrund einer explosionsartigen Zunahme von Kunden schlicht überfordert gewesen sei.

Der Beschuldigte habe es verpasst, einen Mitarbeiter anzustellen, und habe unter Depressionen gelitten.

Böse Überraschungen

Fest steht, dass der Beschuldigte für den Albtraum einer jeden reisenden Person verantwortlich war.

So freuten sich im Sommer 2013 über ein Dutzend Familien auf ihre gebuchten Ferien und erlebten böse Überraschungen.

Einige von ihnen erfuhren erst am Flughafen Kloten, dass ihre Flüge gar nicht gebucht oder bezahlt waren. Sie mussten zu Hause bleiben.

Noch schlimmer erging es jenen Opfern, die beispielsweise im türkischen Antalya angekommen waren und erst im Hotel bemerkten, dass gar keine Zimmer reserviert oder bezahlt waren.

Der Dreh des Beschuldigten war einfach: So kassierte er für die angeblichen Buchungen im Voraus ein und steckte die Gelder danach für sich ein.

Er operierte dabei auch mit gefälschten Zahlungsüberweisungen, um seine illegalen Bezüge zu vertuschen. Die Anklageschrift ging von einem gesamten Deliktsbetrag von über 40 000 Franken aus.

Schon in Dietikon verurteilt

Nach mehreren Strafanzeigen nahm die Polizei den Reiseunternehmer Ende August 2013 fest.

Er verbrachte danach 15 Tage in Untersuchungshaft und musste sich zunächst Ende 2014 wegen Betrugs, Veruntreuung sowie Urkundenfälschung am Bezirksgericht Dietikon verantworten.

Dort wurde er zu einer hohen, teilbedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 80 Franken verurteilt. Die Hälfte davon sollte der einschlägig vorbestrafte Betrüger bezahlen.

Vor Obergericht führte der Verteidiger aus, dass sich der Beschuldigte zivilrechtlich, aber nicht strafrechtlich Verfehlungen geleistet habe.

So seien ihm die Vermögenswerte als Vermittler gar nicht anvertraut gewesen. In einigen Fällen ging der Anwalt auch von einer Opfermitverantwortung aus.

Für die Tatsache, dass die Kunden bereits gezahlte Reisen nicht mehr antreten konnten, machte der Anwalt auch äussere Umstände und Missverständnisse verantwortlich.

Zum Teil mit Erfolg. So haben die Oberrichter den Beschuldigten in einigen Punkten mangels Beweisen entlastet und freigesprochen.

Allerdings ging auch das Obergericht in diversen Fällen weiterhin von Betrug, mehrfacher Veruntreuung sowie Urkundenfälschungen aus.

Die Oberrichter legten neu eine teilbedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 80 Franken fest. Die Hälfte davon, also 10 800 Franken, soll der Mann bezahlen.

Abzüglich 15 Tagen Haft. Die Geschädigten müssen ihre finanziellen Forderungen bei einem Zivilgericht geltend machen.

Zwei Drittel der Gerichtskosten wurden dem Beschuldigten auferlegt.