Ferien

Limmattaler Reisebüros nennen die Sommertrends – nicht nur Griechenland profitiert vom Coronavirus

Griechenland-Ferien sind bei Schweizern weiterhin hoch im Kurs.

Griechenland-Ferien sind bei Schweizern weiterhin hoch im Kurs.

Mit der Grenzöffnung darf die Tourismusbranche auf Besserung hoffen. Die Pandemie verändert jedoch das Reiseverhalten der Schweizer. Limmattaler Reisebüros wissen, wo die Leute im Sommer Ferien machen. Weit weg geht es nicht immer.

Reisen ist in Europa seit dem 15.Juni mit Einschränkungen wieder möglich. Die Schweiz öffnete am Montag die Grenzen zu den EU- und Efta-Staaten sowie Grossbritannien. Die Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums wurden aufgehoben. Das lässt die Tourismusbranche aufatmen. Drei Monate lang musste sie ohne Einnahmen auskommen. Der Lockdown bescherte Reisebüros dennoch viel Arbeit. Annullierungen prägten den Alltag.

«Wir sind erfreut, dass es wieder losgeht», sagt Bianca Schmidt, Mediensprecherin des Touristikkonzerns Tui. Die Stimmung hebe sich, weil sich das Geschäft in den Reisebüros nicht mehr nur um Annullierungen, sondern auch um Um- und Neubuchungen drehe. Tui ist das grösste Reiseunternehmen Europas und zählt 62 Reisebüros in der Schweiz, zwei davon liegen im Limmattal. Die Filialen in Dietikon und Schlieren sind seit drei Wochen telefonisch und per E-Mail wieder erreichbar. Trotz grosser Umsatzeinbussen sei ein Stellenabbau in der Schweiz noch nicht absehbar. «Da wir Teil eines Konzerns sind, gibt uns das finanzielle Sicherheit. Zudem erhalten wir für viele Mitarbeiter Kurzarbeitsentschädigung», so Schmidt.

Sommerferien in Schweizer Ferienhäusern sind beliebt

Die Pandemie beeinflusst die Reisetrends dieses Sommers. «Der Mittelmeerraum ist nach wie vor beliebt. Vor der Krise reiste man nach Mallorca, Kreta oder in die Südtürkei. Jetzt ist man vor allem an griechischen Inseln wie Kreta sowie Zypern und Kroatien interessiert», sagt Schmidt. Das liege wohl daran, dass diese Region vom Virus weniger stark betroffen war als etwa Spanien oder Italien. «Griechenland ist aktuell der Profiteur dieser Krise.» Tui verzeichnet zudem bei Inlandreisen eine Zunahme, jedoch auf sehr tiefem Niveau. «Das Tessin, Graubünden oder das Berner Oberland sind gefragt.

Es gibt Kunden, die ihre Ferien statt auf Mallorca in der Schweiz planen – dank unserer Umbuchungskulanz ist das für alle Reisen bis Ende August kein Problem.» Einige Kunden würden die Sommerferien im Ausland auf 2021 verschieben. Schmidt ist überzeugt, dass die Krise die Vorzüge von Ferien mit Reisebüros und -veranstaltern hervorhebt. «Vielen war vor der Pandemie nicht klar, dass wir uns bei einer Pauschalreise um alles kümmern. So ist es laut Pauschalreisegesetz etwa unsere Pflicht, Kunden in Krisen die Reise zu annullieren und ihnen das Geld zurückzuerstatten.»

Auch das zur Migros gehörende Reiseunternehmen Hotelplan rappelt sich wieder auf. Seit dem 11.Mai stehen das Reisebüro in Dietikon und die 97 anderen Filialen mit reduzierten Öffnungszeiten den Kunden wieder zur Verfügung. Trotz starker Einbussen sei die Liquidität mit der Migros im Rücken für die Hotelplan Group sichergestellt, sagt Mediensprecherin Bianca Gähweiler. Auch der Reisekonzern stellt eine Zunahme von Buchungen für Schweizer Ferienwohnungen sowie von Badeferien in Griechenland und Zypern fest.

Nicht nur die Reiseziele, sondern auch der Aufenthalt verändere sich. «In vielen Hotels wird es bediente Buffets geben und am Strand und Pool hat es mehr Platz, weil die Liegestühle weiter auseinanderstehen. Das ist für die Gäste vielleicht nicht mal eine schlechte Entwicklung.»

Mit Covid-19 zu kämpfen haben auch Linda und Anouk von Euw. Die Schwestern betreiben das Reisebüro «NaTour» in Bergdietikon und setzen auf Ayurveda- und Kurferien, vornehmlich in Sri Lanka und Indien. «Für uns ist die Lage noch immer schwierig, weil Reisen nach Asien derzeit nicht möglich sind», sagt Anouk von Euw. Man konzentriere sich nun auf Ayurveda-Ferien in Europa. Die Buchungen seit der Grenzöffnung können beide an einer Hand abzählen. Zu schaffen macht ihnen überdies, dass Firmeninhaber seit Ende Mai keine Kurzarbeitsentschädigung mehr erhalten. «Wir haben zum Glück gut auf unsere Zahlen geschaut und können uns über Wasser halten. Ein schönes Gefühl ist es trotzdem nicht.»

Anders geht des dem Reisebüro «Eurotrek» in Dietikon, das sich auf Velo- und Wanderferien in der Schweiz und Europa spezialisiert hat. «In den letzten Wochen haben wir einen so grossen Ansturm erlebt, dass wir die Kurzarbeit einstellen und mehr Personal engagieren konnten», sagt Geschäftsführer Günther Lämmerer.

Deutschschweizer ziehe es ins Welschland oder ins Tessin. Welsche reisen ins Bündnerland und in die Ostschweiz. «Auch wenn sie in der Schweiz bleiben, haben sie so zumindest ein sprachliches Urlaubsgefühl.» Eingebrochen seien die Buchungen für Italien. Zaghaft zeige sich Interesse an Ferien in Frankreich, Deutschland und Österreich. «2020 ist für uns eine Achterbahnfahrt», so Lämmerer. Er sei froh um das Schweizer Geschäft. «Das Inlandangebot lässt uns trotz Einbruch der Europa-Reise-Buchungen hoffen, dass dieses Jahr ein positives Ende findet.»

Autor

Sibylle Egloff

Meistgesehen

Artboard 1