Am Ende des Rasens an der Dietiker Bodackerstrasse sieht man eine Frau vor einer Zielscheibe. Sie trägt einen Schottenrock und hält eine Axt in der Hand. Auf ihrem T-Shirt steht: «Limmattaler Low Landers». Heidi Vonbank dreht sich von der Zielscheibe ab, atmet durch, dreht sich um und lässt die Axt durch die Luft sausen. Es knirscht, Holzsplitter fliegen zu beiden Seiten, die Axt steckt in der Scheibe fest.

«Das ist einer unserer Fun-Acts», sagt Vonbank. Einmal pro Woche trainiert die angehende medizinische Masseurin auf dem Trainingsgelände der Limmattaler Low Landers. Nebst den Trainings treffen sich die verschiedenen Clans, wie sich die Teams nennen, an den rund achtmal jährlich stattfindenden Turnieren. Dabei duellieren sie sich auch in den sogenannten klassischen Disziplinen der Highland Games: Hammerwurf, Baumstamm, Weitwurf, Hochwurf und Steinstossen.

Highland Game

Highland Game

Eine Highlanderin zeigt wie man  einen Baumstamm wirft. 

Als Nächstes packt Vonbank einen Baumstamm, der mindestens doppelt so gross ist wie sie und wirft ihn möglichst gerade von sich weg, sodass der Stamm sich überschlägt. Liegt der Stamm gerade zum Abwurfpunkt, bekommt die Highlanderin die volle Punktzahl. Was bei der 34-jährigen Dielsdorferin locker aussieht, ist das Resultat eines neunjährigen Trainings. Zuerst spielte sie nicht aktiv mit. «Doch die Gewichte schrien mich förmlich an, sie zu werfen», sagt Vonbank im Rückblick. Seither gehören die Highlander-Games fest zu ihrem Leben.

Eine schweizweite Familie

Doch auch wenn die verschiedenen Clans und Highlander immer wieder gegeneinander antreten: Für die Highlander sind die Games mehr als nur eine Sportart mit Holz und Axt. «Es ist wie eine Familie», sagt Vonbank. Das bedeutet auch, dass die Sportler schweizweit über Facebook vernetzt sind. Wenn man also ein Zimmer in Bern suche, könne man sicher bei einem Berner Highlander Unterschlupf finden. Schottland, der Ursprungsort des Sports, hat Vonbank schon einige Male besucht. «Ein wunderschönes Gebiet», sagt sie. Doch auswandern kam für sie nie infrage. Wohl nicht zuletzt wegen ihren Freunden. Die Verbindung zwischen den Highlanders ist so stark, dass sie sich auch im Winter treffen. Dann finden keine Spiele statt. «Im Winter gehen wir zusammen baden, bowlen und verbringen so gemeinsam Zeit», sagt sie. Das Jahr teilt sich somit in zwei Hälften: Die Winterzeit und die aktive Sommerzeit, in der die Highlanders in ihren Schottenröcken von Wettkampf zu Wettkampf tingeln und trainieren. Highlanders sind allwettertauglich: Alle Trainings und Wettkämpfe finden unter freiem Himmel statt. «An einem meiner Wettkämpfe schneite es sogar», sagt Vonbank.

Sie kämpfte um eine Rangliste

Wie ist der Einstieg in die Sportart generell gewesen? «Schwer», sagt Vonbank. Anfangs hätten die Frauen nicht einmal eine eigene Rangliste gehabt, sie gingen in der Männergruppe unter. «Nur dank der Highlanders, die mich unterstützten, habe ich weitergemacht.» Ihr Kampf hat sich gelohnt: Mittlerweile haben die Frauen eine Rangliste und erhalten an den Wettkämpfen auch eine Siegerehrung. «Alles nicht selbstverständlich», sagt sie. Noch immer sind es rund fünfmal so viele Männer wie Frauen, die diese Sportart betreiben. Bei den Limmattaler Low Landers sind es zur Zeit zwei.

Wer an der Schweizer Meisterschaft auf der Rangliste zuoberst steht, wird sich dieses Wochenende im Fricktal entscheiden. Heidi Vonbank hat es auf alle Fälle unter die ersten acht geschafft und sich somit für die Teilnahme qualifiziert.