Vor gut drei Wochen ging in Geroldswil die siebte Ausgabe der Limmattaler Kulturparty über die Bühne. An vier Konzertabenden und einer Sonntagsmatinee fanden sich einige hundert Menschen auf dem Dorfplatz ein – das Fest stiess auf Anklang. «Es wäre schade, wenn dieser Anlass künftig nicht mehr durchgeführt werden könnte», sagt Liegenschaftsvorstand Peter Christen (FDP) und ergänzt, dass die Kulturparty in der Gemeinde zu einer Institution geworden sei. Er ist Delegierter der Exekutive im Vorstand des organisierenden Kulturvereins «Spektrum», den die Gemeinde jährlich mit bis zu 50 000 Franken unterstützt.

Doch besteht durchaus die Möglichkeit, dass dies die letzte Kulturparty war. Im vergangenen März gab der sechsköpfige Spektrum-Vorstand bekannt, dass er geschlossen zurücktreten werde. Lasse sich bis im kommenden September kein neuer Vorstand finden, werde der Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins beantragt. So könnte die über 40-jährige Geschichte des Kulturvereins enden. Dabei steht nicht nur die Kulturparty auf dem Spiel. Der Verein organisiert vom Neujahresapéro über verschiedene Vorträge auch den Weihnachtsmarkt und das Seniorenzmittag.

Ein Interessent hat sich gemeldet

Noch habe sich niemand definitiv für ein Amt im Vorstand finden lassen, sagt Vereinspräsidentin und ehemalige Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter (FDP) auf Anfrage. «Nach der Bekanntgabe der drohenden Vereinsauflösung hat eine Person via E-Mail Interesse gezeigt. Genaueres zu deren Einsatz steht jedoch noch nicht fest», so Hofstetter. «Einerseits braucht es mindestens fünf Leute, die sich zur Verfügung stellen und andererseits ist mir nicht bekannt, wie ernst es diesem Interessenten überhaupt ist.» Hofstetter präsidiert mit einem Unterbruch von vier Jahren den Verein seit drei Dekaden. Nach der Jahrtausendwende fand Hofstetter in Max Kunz einen Nachfolger, nach dessen Tod übernahm sie das Präsidium jedoch wieder, da sich aus dem bestehenden Vorstand niemand zur Verfügung stellte.

«Es hat sich seit längerem abgezeichnet, dass der gesamte Vorstand müde ist. Die Veranstaltungen werden zwar noch immer rege besucht, doch ist der Enthusiasmus von uns Organisatoren über die Jahre geschwunden», sagt sie. Damit dürfte sich der Verein in einer ähnlichen Lage befinden, wie vor der Ära Hofstetter. Auch 1985 stand er kurz vor der Auflösung, bevor Hofstetter von der damaligen Gemeinderätin Edith Jucker angeworben wurde. Im selben Jahr liess ein Auftritt des Cabaret Rotstift die Mitgliederzahlen in die Höhe schnellen. Mitgliedern war nämlich das Vorgriffsrecht auf Tickets für den Auftritt der Schlieremer Kabarettisten auf sicher. Bis zu 500 Personen waren Ende der 1980er Jahre im Verein, heute sind es noch knapp 320.

Exekutive thematisiert Szenarien

Auch die Exekutive habe sich laut Peter Christen bereits in ihrer letzten Klausur mit dem möglichen Ende des Vereins Spektrum auseinandergesetzt. «Wir haben uns zwar über Szenarien ausgetauscht, wollen aber erst Stellung beziehen, wenn definitiv klar ist, wie es weitergeht», so Christen weiter. Er deutet jedoch an, dass sich Geroldswil die Grundsatzfrage stellen müsse, ob es noch Kulturveranstaltungen durchführen wolle. «Mit dem vielfältigen Programm in Zürich und der geringen Bereitschaft der Geroldswiler Bevölkerung, aktiv mitzuhelfen, wird es schwierig», so Christen. Angesprochen auf die Möglichkeit etwa eine Kulturkommission, wie sie in anderen Gemeinden existiert, ins Leben zu rufen, reagiert Christen nur wenig optimistisch. «Diese wäre wie auch der aktuelle Verein ‹Spektrum› auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen. Und genau da liegt ja das Problem», sagt er.

Zwar habe der Verein wie auch die Gemeinde in der Vergangenheit aktiv zur Mitwirkung im Vorstand aufgerufen. Damit ist nun jedoch Schluss: «Bis zur Mitgliederversammlung sind keine Aktivitäten zur Rekrutierung mehr geplant», so Hofstetter. Jedoch bleibe die Hoffnung , dass sich an der Versammlung von Ende September Personen spontan melden, die ein Mandat übernehmen wollen.