Kirschessigfliegen
Limmattaler Kirschen müssen kistenweise entsorgt werden

Die Populationen der Kirschessigfliegen sind heuer so gross wie noch nie und zerstören die Ernte der Obstbauern. Kurt Bräm spricht von einer «regelrechten Invasion».

Anina Gepp
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Die Brombeersträucher von Kurt Bräm sind durch ein Netz gut geschützt.

Die Brombeersträucher von Kurt Bräm sind durch ein Netz gut geschützt.

Anina Gepp

600 Kilogramm Kirschen des Bauernhofs der Familie Bräm in Dietikon landeten letzte Woche in der Biogasanlage. Die reifen Früchte der Hochbaustämme mussten allesamt entsorgt werden, sie waren von Kirschessigfliegen befallen. Kurt Bräm spricht von einer «regelrechten Invasion». Innert wenigen Stunden seien alle Kirschen weich und übersät von Einstichen des Insekts gewesen, sagt Bräm. Die japanische Kirschessigfliege, die vor drei Jahren in die Schweiz gelangt ist, legt ihre Eier jeweils in reifes Obst, wo sich Larven entwickeln. Diese fressen dann das Fruchtfleisch. Danach saftet die Frucht und stinkt nach Essig.

So schlimm wie dieses Jahr sei der Befall noch nie gewesen, sagt Bräm. Der Bauer hat das Glück, dass er nur noch wenige Hoch- und Halbhochstammbäume hat, die nicht eingenetzt werden können. Der Ertrag der von diesen Bäumen stamme, mache nur etwa einen Sechstel der Ernte aus, so Bräm. Alle weiteren Obstbäume seien mittlerweile von einem Netz umgeben. Denn nicht nur Kirschen können von der Fliege befallen werden. Alle Obstsorten, ausser dem Kernobst, sind gefährdet. Bräm, der ebenfalls Himbeeren, Brombeeren und Zwetschgen verkauft, will kein Risiko eingehen und hat vorgesorgt.

Kostspielige Investition

«Die Konstruktion und die Netze sind eine kostspielige Angelegenheit aber die einzige Lösung», sagt er. Etwa 100 000 Franken habe alles gekostet. Wichtig sei vor allem, dass die Kirschessigfliegen nicht über den Boden zu den Bäumen gelangen könnten. Jedes Mal, wenn er den «Käfig» betrete, müsse er aufpassen, dass keine der Insekten mitkommen. «Sie kleben ausserhalb der Netze und warten nur darauf den Weg zu finden», so Bräm.

Etwa eine Tonne Kirschen musste auch Bauer Urs Stierli aus Urdorf entsorgen. «Es ist jedes Jahr eine Lotterie, weil man im Voraus nie weiss, wie schlimm der Befall sein wird», sagt er. Da er lediglich Hochstammbäume besitze sei es aufgrund der Höhe der Bäume nicht möglich, diese mit Netzen zu schützen. «Wäre ich alleine von der Kirschernte abhängig, hätte ich ein Problem», sagt er. Stierli konzentriert sich deshalb nun auf die Ernte der Zwetschgen. Dort könne er die reifen Früchte jeweils alle zwei Tage ernten. Dadurch werde verhindert, dass die Kirschessigfliegen die reifen Früchte befallen.

Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbands, bestätigt, dass die Populationen von Kirschessigfliegen dieses Jahr grösser ist wie in den Vorjahren. Er empfiehlt neben Netzen auch vorbeugende hygienische Massnahmen oder Köder, die die Insekten anlocken und fangen. Es sei wichtig, reife Früchte sauber abzuernten und keine verfaulten Früchte am Boden liegen zu lassen, sondern diese fachgerecht entsorgen. Der letzte Ausweg sei das Spritzen von zugelassenen Mitteln. «Es ist aber immer ein Mix aus verschiedenen Vorkehrungen, der letztendlich zielführend ist», sagt er.

Auch der Strickhof, das Kompetenzzentrum für Bildung und Dienstleistungen in Land- und Ernährungswissenschaft des Kantons Zürich, bestätigt die Invasion der Kirschessigfliegen auf ihrer Webseite. Bis zum Monatsende und ab dann in einem Rhythmus von drei bis vier Woche sei mit einem weiteren Anstieg des Befallsdrucks zu rechnen, ausser es werde anhaltend trocken und heiss.

Trotz Mehraufwand nicht gefällt

Auch Bräm hofft nun auf heisse und trockene Tage. Vor allem für andere Bauern in der Schweiz, die keine Netze hätten. Denn feucht-warmes Wetter begünstige die Lebensbedingungen der Kirschessigfliege. Die befallenen Bäume ausserhalb der Netze will Bräm aber trotz des Mehraufwands und dem Verlust der diesjährigen Ernte nicht umtun. «Das sind alte Kirschsorten, die von vielen Leuten geschätzt werden», sagt er. Die Früchte eigneten sich hervorragend für die Herstellung von Marmelade. Wichtig sei jedoch, jeweils jede einzelne befallene Kirsche zu entfernen. Auch solche, die bereits am Boden liegen. «Ansonsten vermehren sich die Kirschessigfliegen im Nu.»