Der Aufruf der Reformierten Landeskirche Zürich erfolgte bereits im Mai: Nach einer Interpellation im Kirchenparlament betreffend «Beitrag der Kirchen zu einer Willkommenskultur für Flüchtlinge» lancierte die reformierte Landeskirche die Aktion «Flucht.Punkt». Damit sollten Kirchgemeinden «in ihrem Engagement für Flüchtlinge in den Bereichen Wohnen, Arbeiten und soziale Integration» unterstützt werden. Dieses Engagement der Kirchen dränge sich auf, heisst es im online verfügbaren Aktions-Leitfaden: Viele Kirchgemeinden verfügten über nicht mehr benötigte Liegenschaften sowie ein lokales Netzwerk zu Hauseigentümern und Gewerblern. Darüber hinaus habe Freiwilligenarbeit eine lange Tradition in der Kirche, und bestehende Angebote der Gemeinden könnten auch Flüchtlingen zugänglich gemacht werden.

Wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete, ist das Stadtzürcher Grossmünster diesem Aufruf der Landeskirche gefolgt: Eine syrische Familie wurde in der Notwohnung des Kirchgemeindehauses Helferei untergebracht. Das Grossmünster steht mit seinem Engagement in der Stadt Zürich ziemlich alleine da. Und auch im Limmattal hat die Aktion «Flucht.Punkt» noch keine Wirkung gezeitigt. «Leider habe ich bis heute keine Anfrage aus der Region erhalten», sagt Gabriela Bregenzer, Migrationsverantwortliche bei der reformierten Landeskirche. Im Diakonie-Newsletter und in anderen kircheninternen Medien sei auf die Aktion aufmerksam gemacht worden.

Coaching bei Wohnungssuche

Der Aufruf scheint — derzeit wohl auch wegen der Sommerferien — bei den reformierten Kirchen im Limmattal nicht recht angekommen zu sein. Auf Nachfrage heisst es bei den meisten, dass die Frage nach Unterbringung von Flüchtlingen in leerstehenden Kirchen-Immobilien nicht diskutiert worden sei. Und dass eine solche Unterbringung gar nicht möglich wäre. «Wir haben keinen Wohnraum zur Verfügung», sagt etwa Hansjörg Gloor, Kirchenpflegepräsident der reformierten Kirche Dietikon. Und in Schlieren verweist Kirchenpflegepräsidentin Ursula Gütlin-Plüer ebenfalls auf den nicht vorhandenen Wohnraum im Besitz der Kirche.

Was für die grösseren Kirchgemeinden in der Region gilt, ist auch bei den kleineren der Fall: «Wir haben keine leerstehenden Wohnungen» heisst es vielerorts. Die zwei Pfarrhäuser und das Zentrum der Kirchgemeinde seien voll, sagt Carl Schnetzer, Pfarrer von Birmensdorf und Aesch. «Und Asylsuchende können ja schlecht in einen Keller gesperrt werden.» Laut Schnetzer versucht die Kirchgemeinde, wenn möglich trotzdem zu helfen. «Wir stehen diesbezüglich in Kontakt mit der politischen Gemeinde.» Aktuell sei die Frage der Unterbringung aber kein drängendes Problem in Birmensdorf.

Auch wenn die reformierten Kirchgemeinden derzeit keinen Platz zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung haben: Sie versuchen, auf andere Art zu helfen. So haben die katholische und die reformierte Kirche im letzten Jahr zusammen mit der Schlieremer Stadtverwaltung das Projekt «Wohnhilfe» ins Leben gerufen. Die Unterstützung bei der Wohnungssuche könne auch von anerkannten oder vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen in Anspruch genommen werden, wie Rahel Fuchs, Leiterin der Fachstelle Wohnhilfe, sagt. «Wir erhalten von der Asylorganisation Zürich (AOZ) Personen zugewiesen, die auf der Suche nach einer Bleibe sind.» Das Coaching, bei dem etwa finanziell schwach gestellten oder kinderreichen Familien geholfen werde, sei gerade für Flüchtlinge sehr wichtig. «Ohne Kenntnisse der Sprache und des Wohnungsmarktes ist es für sie sehr schwierig, etwas zu finden.»

Spenden lindern Flüchtlingsnot

Die katholische Kirche Dietikon-Schlieren engagiert sich neben dem Projekt Wohnhilfe in weiterer Form für Flüchtlinge. Dabei geht es laut der Leiterin des Sozialdienstes neben der Unterstützung bei der Wohnungssuche etwa um Budgetberatung oder um die soziale und berufliche Integration. Bei der Wohnungssuche unterstütze sie derzeit zwei alleinerziehende Frauen aus Eritrea, sagt Hüppi. Und: «Im Moment suche ich Freiwillige, die Flüchtlingen bei der Wohnungssuche behilflich sind.» In Schlieren hat die reformierte Kirche Eritreern zwar keinen Wohnraum, dafür aber die Kirche zum Beten zur Verfügung gestellt. «Bis im Frühling haben sie zweimal im Monat die Kirche für den Gottesdienst gemietet», sagt Kirchenpflegepräsidentin Gütlin. Nun sei die eritreische Gemeinde in einer Kirche in der Stadt Zürich eingemietet.

Helfen tun die meisten Kirchgemeinden beider Konfessionen auch finanziell: Sie spenden grössere Beträge an Hilfsorganisationen und rufen in den Gottesdiensten zu Kollekten auf. «Wir unterstützen unter anderem das Heks», sagt der Birmensdorfer Pfarrer Schnetzer. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz leistet auch Soforthilfe für Kriegsflüchtlinge in Syrien und im Irak.