Unihockey
Gegen den Serienmeister: Der Limmattaler Kapitän Tim Mock hat in den Playoffs grosses vor

Die Playoffs der NLA-Unihockeyaner im Modus Best-of-Seven sind gestartet. Seit vergangenem Mittwoch geht es für die besten Unihockeyaner des Landes um alles oder nichts. Die Dietiker Brüder Tim und Moritz Mock stehen aus unterschiedlichen Gründen im Fokus.

Ruedi Burkart
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Der Dietiker Zug-Captain Tim Mock (blaues Dress) im Spiel gegen seinen ex-Verein GC.

Der Dietiker Zug-Captain Tim Mock (blaues Dress) im Spiel gegen seinen ex-Verein GC.

zvg/Michael Peter

Seit vergangenem Mittwoch geht es für die besten Unihockeyaner des Landes um alles oder nichts. Nach einer wegen der Coronapandemie verkürzten Qualifikation läuft nun der Playoff-Viertelfinal im Modus Best-of-Seven. Dieses Wochenende geht es mit einer Doppelrunde und dem ersten TV-Spiel der diesjährigen Meisterschaft weiter.

Die Hiobsbotschaft kam wenige Stunden vor dem Playoff-Start. Moritz Mock, der 20-jährige GC-Verteidiger aus Dietikon, musste nach einer Untersuchung beim Arzt Forfait erklären. Der U23-Internationale verletzte sich im letzten Qualifikationsspiel gegen Rychenberg Winterthur und fällt mit zwei angerissenen Fussbändern aus. «Das ist schon sehr mühsam», sagt der ehemalige Junior von UH Limmattal. Mühsam vor allem deswegen, weil er erst hoffte, nach drei Wochen wieder auf dem Platz stehen zu können. Doch ein zweiter Untersuch beim Doc zeigte, dass Mock mindestens sechs Wochen out sein wird. Mit anderen Worten: Passiert nicht noch ein sportmedizinisches Wunder, ist die Saison für den jüngeren der beiden Mock-Brüder bereits vorbei.

GC-Verteidiger Moritz Mock aus Dietikon muss die Saison abbrechen.

GC-Verteidiger Moritz Mock aus Dietikon muss die Saison abbrechen.

zvg/Tobias Wagen

Sein Verein, die Grasshoppers, startete aus der Poleposition in die entscheidende Meisterschaftsphase. Weil die Stadtzürcher die Master-Round auf dem ersten Rang abgeschlossen haben, durften sie ihren Viertelfinalgegner aus den Teams auf den Rängen fünf bis acht auswählen. Sie entschieden sich wie vor einem Jahr für das achtplatzierte Waldkirch-St.Gallen. Damals lagen die Stadtzürcher mit 3:0 in Führung, als die Saison wegen der Coronapandemie abgebrochen werden musste. Umso erstaunlicher, dass GC am vergangenen Mittwoch die erste von maximal sieben Playoff-Partien sensationell in der eigenen Halle mit 7:9 verlor.

Tim Mock mit Zug gegen den Rekordmeister in Rücklage

Resultatmässig einigermassen durchwachsen verlief die bisherige Saison für Moritz’ drei Jahre älteren Bruder Tim und dessen Verein Zug United. Trotz ihres explosiven schwedischen Offensivduos André Andersson/Alexander Hallén kamen die Zentralschweizer in der Qualifikation nicht über den fünften Rang hinaus. In den Playoffs duellieren sich die Zuger nun mit dem zwölffachen Schweizer Meister Wiler-Ersigen. Die Berner – im ersten Jahr nach dem Rücktritt ihrer Lichtgestalt Matthias Hofbauer – hatten in den vergangenen Wochen zwar gewisse Probleme. Sie sind als amtierender Meister mit ihren drei finnischen Weltmeistern Joonas Pylsy, Tatu Väänänen und Krister Savonen sowie dem 22-jährigen slowakischen Topskorer Michal Dudovic aber trotzdem die «Equipe à battre» im helvetischen Unihockey. Und so legten sie in Spiel 1 am vergangenen Mittwoch gleich mal vor und gewannen eine ausgeglichene Partie mit 2:1 nach Verlängerung.

«Wiler ist trotzdem kein schlechtes Los für uns», gibt sich Tim Mock unbeirrt.

«Wir haben gute Chancen auf ein Weiterkommen, weil wir uns während der Saison spielerisch und in Bezug auf den Teamspirit gesteigert haben.»

Es wäre das erste Mal überhaupt in der 16-jährigen Vereinsgeschichte, dass die Zentralschweizer eine K.-o.-Runde überstehen würden. Und dies mit einem Teamcaptain aus dem Limmattal? Warum nicht? Ob Tim Mock mit seinen Kollegen die Serie auszugleichen vermag, können die Fans am Samstagabend im Schweizer Fernsehen mitverfolgen. Die Partie Zug United – Wiler-Ersigen ist das erste TV-Spiel der diesjährigen Männer-Playoffs und wird ab 16.50 Uhr aus der Winterthurer AXA-Arena live übertragen.

Das Fernziel heisst WM 2022 in der Schweiz

Aus bekannten Gründen sind auch weiterhin keine Zuschauer in der Halle zugelassen. Eine interessante Meinung zum Spielen ohne Fans im Rücken hat Tim Mock: «Da ich persönlich die Fans auf dem Feld sowieso kaum wahrnehme, macht es für mich keinen Unterschied in Bezug auf die spielerische Leistung. Aber klar, auf der Bank und rund um das ganze Spiel vermisse ich die super Stimmung.» Auch der für ihn wichtige Austausch mit den Fans und das ganze Ambiente rund um einen Unihockey-Event würden ihm schon sehr stark fehlen. «Die Vorfreude auf volle Hallen ist bei mir und auch bei allen anderen Spielern gross», wagt der Dietiker einen optimistischen Blick Richtung Saison 2021/22. Apropos Zukunft.

Apropos Zukunft. Der Dietiker verlängerte jüngst trotz Angebote von anderen Vereinen seinen Vertrag am Zugersee um zwei weitere Jahre. Warum kehrt der Zürcher, der in Dietikon wohnt und in Zürich studiert, nicht zu den Grasshoppers zurück?

«Für meine persönliche Entwicklung erachte ich es als ein wichtiger nächster Schritt, mehr Einfluss auf das Spiel nehmen zu können. Der Reiz, bei GC neben sieben Nationalspielern spielen zu können, wäre natürlich auch gross, würde diesen Schritt, den ich anstrebe, aber wahrscheinlich behindern.»

Denn Tim Mock verfolgt – genau wie sein momentan wegen einer Verletzung ausgebremste Bruder Moritz – ein grosses sportliches Ziel: Mit der Schweizer Nationalmannschaft die Heim-WM 2022 bestreiten zu können. «Zug United bietet mir eine Führungsposition, ein optimales Trainingsumfeld und volle Unterstützung, um auf die angestrebte Teilnahme an der Weltmeisterschaft hin zu trainieren.»


Spielt Tim Mock bald wieder im Limmattal?

Wie sein Bruder Moritz lernte auch Tim Mock bei Unihockey Limmattal in Urdorf das Unihockey-ABC. Zu seinem Stammverein hält der Dietiker in Zuger Diensten immer noch Kontakt. «Ich bin mit einigen von den Spielern sehr gut befreundet», sagt Mock. LiZ-Leserinnen und LiZ-Leser erinnern sich: Als Tim Mock am 22. Februar 2020 mit Zug in Bern den Cupfinal gewann, stach unter den 3200 Zuschauern in der Halle – richtig gelesen, damals waren noch Fans zugelassen – eine Hand voll junger Männer heraus, die mit Masken mit dem Konterfei von Mock angereist waren. Die Truppe machte auf den ausverkauften Rängen Stimmung und liess ihren Tim mit selbst gebastelten Transparenten hochleben.

«Einige meiner Kumpels werden übrigens nicht müde, mich immer wieder von einer Doppellizenz überzeugen zu wollen»,

sagt Mock schmunzelnd. Der Plan: So könnte Mock für Zug in der NLA und Limmattal in der 1. Liga spielen. Ähnlich wie Steven Fiechter, der mit Zug Cupsieger wurde und im vergangenen Frühling eine Doppellizenz mit GC und den Limmattalern löste. Realistisch ist das Vorhaben bei Tim Mock indes in keiner Art und Weise. Aber eben, träumen ist ja nicht verboten.