Weiningen
Limmattaler Jungtalent dreht neuen Kurzfilm nur mit Smartphone

Der Maturand Peter Balicki nimmt an einem Wettbewerb für Smartphone-Kurzfilme teil, wenige Monate nachdem er innerhalb kürzester Zeit zwei Filmwettbewerbe gewonnen hat. Für «Scheinwelten» konnte er zwei professionelle Schauspieler engagieren.

Sandro Zimmerli
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Gabriel Da Silvia und Lea Oxly werden von Peter Balicki mit seiner Handvorrichtung in Szene gesetzt.

Gabriel Da Silvia und Lea Oxly werden von Peter Balicki mit seiner Handvorrichtung in Szene gesetzt.

Zur Verfügung gestellt

Paul ist ein freundlicher, hilfsbereiter junger Mann. Zum Zeitpunkt, als er im Zürcher Niederdorf ein Handy findet, weiss er allerdings noch nicht, dass ihn diese Hilfsbereitschaft teuer zu stehen kommen sollte. Die Besitzerin des Telefons ist Mara, eine Trickbetrügerin, die Paul bei der Übergabe des Handys um seine Brieftasche erleichtert.

«Scheinwelten» nennt sich das jüngste Filmprojekt des Weininger Maturanden Peter Balicki, in dem es zur Begegnung zwischen der hintertriebenen Mara und dem gutmütigen Paul kommt. Nur wenige Monate nachdem er innerhalb kürzester Zeit zwei Filmwettbewerbe gewonnen hat griff Balicki wieder zur Kamera, um sich erneut mit anderen Filmemachern zu messen. «Scheinwelten» läuft als Beitrag am «Meet & Street»-Wettbewerb, der von der Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen lanciert wurde und im Februar entschieden wird. Aufgabe der Teilnehmer war es, einen zwei- bis vierminütigen Film zu drehen, in dem Begegnungen im öffentlichen Raum thematisiert werden sollen. Das Ganze musste mit einem Smartphone aufgenommen werden.

Zwei professionelle Schauspieler

Diese Voraussetzungen war es denn auch, die Balicki zur Teilnahme bewog, und die so ganz anders sind als bei seiner Maturarbeit (siehe Konzept). «Es ist eine besondere Herausforderung, einen Film nur mit einem Handy zu drehen. Ein Smartphone ist eigentlich ein sehr primitives und eingeschränktes Gerät zum Filmen», sagt Balicki. Diese Herausforderung habe ihn gereizt. «Wenn die Technik eingeschränkt ist, dann sind Drehbuch und Schauspieler umso wichtiger. Deshalb habe ich mich auf diese Aspekte konzentriert», so Balicki.

Maturarbeit: «Ein Film thematisiert die Jugendgewalt»

Neben dem Wettbewerbsbeitrag «Scheinwelten» hat der Weininger Peter Balicki auch seine Maturarbeit an der Kantonsschule Limmattal fertiggestellt und diese Woche eingereicht. Es handelt sich ebenfalls um einen Film. Balicki hat eine 30-minütige Dokumentation zum Thema Jugendgewalt gedreht. «Wir mussten uns ein Thema für die Arbeit aussuchen. Jugendgewalt interessiert mich», so Balicki. Da er gleichzeitig begeistert sei von gut recherchierten Dokumentationen, habe er entschieden, beides zu kombinieren. «Ich habe Politiker und Experten angeschrieben, um mit ihnen Gespräche zu führen. Zudem habe ich Jugendliche auf der Strasse interviewt», sagt der Maturand. So kommen unter anderem Roland Näf, Präsident SP Kanton Bern, Markus Rentsch von der Pädagogischen Hochschule Zürich, Mario Antonelli, Projektleiter Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich sowie die Luzerner Grossrätin und Präsidentin des Vereins «Gewaltlos», Verena Zellweger, zu Wort. Zudem hat Balicki die Chance genutzt, während der Dokumentation die unterschiedlichsten Mikrofone und Lichteinstellungen zu testen. Obschon ihm auch diese Arbeit Spass bereitet hat, ist Balicki klar geworden, dass er es lieber mag, mit einem Drehbuch zu arbeiten. «Wenn man Menschen auf der Strasse interviewt, muss man sehr schnell sein. Man hat keine Zeit, noch lange an den Einstellungen der Kamera zu arbeiten», so Balicki. Ihm sei es lieber, durchgeplante Projekte zu realisieren. (zim)

Dem jungen Filmer ist es gelungen, über das Filmportal www.451.ch mit Lea Oxly und Gabriel Da Silvia zwei professionelle Schauspieler zu engagieren. «Ich habe ihnen gesagt, dass ich über kein Budget verfüge und nur mit einem Smartphone drehen werde», sagt der Filmemacher. Die Schauspieler seien vor allem von der Idee, mit einem Telefon zu arbeiten, angetan gewesen. Zumal Balicki auch viel Kreativität an den Tag legte. «Das iPhone, mit seinem geringen Gewicht ist nicht geeignet für handgeführte Aufnahmen. Daher habe ich eine spezielle Konstruktion angefertigt, die das Telefon stabilisiert und, den Ton extern aufnimmt», so Balicki. Zudem bräuchten Kameras von Smartphones sehr viel Licht, um gut zu funktionieren. Drehort und Termin habe er so gewählt, dass möglichst viel Sonnenlicht vorhanden gewesen sei.

Während die Schauspieler von der Innovationskraft des Regisseurs angetan waren, schätze dieser deren Professionalität. «Die Szenen waren schnell im Kasten. Es brauchte nur wenige Anweisungen. Diese wurden sofort ausgeführt», sagt Balicki. Doch nicht nur die erstmalige Zusammenarbeit mit richtigen Schauspielern hat den Filmer beeindruckt. «Anfänglich war ich skeptisch, ob man mit einem Handy einen guten Film drehen kann. Ich habe aber gemerkt, dass es geht», so Balicki. Dies sei auch die Hauptbotschaft des Projektes. «Kein Geld ist keine Ausrede. Jeder hat ein Handy. Man muss nur genügend kreativ sein. Das ist eine wunderbare Botschaft.»