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Limmattaler Jungbürgerfeiern werden immer schlechter besucht

Jungbürgerfeiern werden immer schlechter besucht (Archiv-Bild)

Jungbürgerfeiern werden immer schlechter besucht (Archiv-Bild)

Urdorf hat sie beerdigt, in Schlieren wurde sie dieses Jahr abgesagt, und Dietikon führt sie nur noch alle zwei Jahre durch – die Jungbürgerfeier hat zurzeit einen schweren Stand.

Dartturniere, Konzerte, Klettertouren, Tanzen – viele Gemeinden reissen sich für eine gelungene Jungbürgerfeier ein Bein aus. Einerseits sollen während des gemeinsamen Abends die frisch Wahlberechtigten über ihre Rechte und Pflichten orientiert werden, anderseits erhoffen sich die Behörden, den einen oder anderen zur Mitgestaltung an kommunalen Aufgaben zu bewegen. Doch die Jungbürgerfeier verkommt zum Auslaufmodell – die Jugendlichen bleiben der Veranstaltung immer öfter fern.

Jüngstes Beispiel ist die Gemeinde Geroldswil: Von den 46 eingeladenen Jungbürgern rappelten sich gerade mal 5 für die Feier auf. Und das, obwohl die Gemeinde für das Dart- und Kegelturnier Preise wie iPad und iPod organisiert hatte.

Bei der Gemeinde ist man enttäuscht, dass nicht mehr Jungbürger motiviert werden konnten. Doch woran liegt es? «Vielleicht wollen sich die jungen Erwachsenen nicht lange im Voraus festlegen, was sie am Wochenende tun, und spontan entscheiden», vermutet Gemeindeschreiber Beat Meier. Dabei sei man darauf bedacht, keine «stiere» Jungbürgerfeier zu organisieren, sondern eine, die die Jugendlichen anspreche.

Nichtsdestotrotz will die Gemeinde an der Tradition festhalten, wird aber die nächstjährige Feier überdenken. Man hoffe auf festfreudigere Jahrgänge, sagt Meier: «Stimmt der Zusammenhalt innerhalb des Jahrganges, haben wir jeweils sehr viele Anmeldungen. Dann sehen die Jungbürger die Feier als kleine Klassenzusammenkunft.»

Für ein zu überprüfendes Modell hält der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin die Jungbürgerfeier: «In den letzten Jahren hatten wir nur eine verschwindend kleine Teilnehmerschaft.»

2009 wurde die Schlieremer Jungbürgerfeier abgesagt, 2010 waren es gerade einmal 12 Teilnehmer – also noch weniger als 5 Prozent aller Jungbürger. Und auch für dieses Jahr sieht es nicht besser aus: Die Jungbürger wurden für ein Znacht und das anschliessende Konzert von Soulstar Seven ans Schlierefäscht eingeladen. «Wir hatten aber so wenige Anmeldungen, dass wir den offiziellen Teil abgesagt haben», so Brühlmann.

Das geringe Echo habe ihn enttäuscht. Brühlmann vermutet, dass die Jungbürger sich wenig für Themen der öffentlichen Hand interessieren und Politiker für sie zu einer fremden Spezies gehören.

«Vielleicht sind sie zu sehr mit anderen Themen beschäftigt und wollen sich nicht mit ihren politischen Pflichten und Rechten auseinandersetzen.» Man müsse sich jetzt überlegen, wie das Thema Jungbürgerfeier in Zukunft gehandhabt wird. Brühlmann: «Ich möchte die Tradition gern weiterführen. Aber zu jedem Fest gehören Einladende und Eingeladene, sonst wird es einsam.»

An der Jungbürgerfeier festhalten will die Stadt Dietikon – obwohl sich das Interesse auch hier in engem Rahmen hält. «Die Rückmeldungen der Teilnehmer sind jeweils sehr gut, sie freuen sich, alte Kolleginnen und Kollegen wieder anzutreffen», sagt Armin Strässle, Leiter Jugend und Freizeit.

Man habe aber eingeführt, die Feier nur alle zwei Jahre durchzuführen und den Infoteil mit Ansprachen kurz und knackig zu halten. «Die Jungbürgerfeier soll ein Fest sein und nicht in erster Linie eine Infoveranstaltung», sagt Strässle. Wer sich für etwas näher interessiere, informiere sich erfahrungsgemäss lieber direkt übers Internet.

In Urdorf verzichtet man seit dem Jahr 2009 ganz auf eine Jungbürgerfeier. Als Ersatz schickt die Gemeindeverwaltung allen Jungbürgern ein Gratulationsschreiben zur Volljährigkeit und – mit der Einladung zur Teilnahme an der Demokratie – einen Gutschein für ein Zehnerabo fürs Freibad Weihermatt. «So können die jungen Erwachsenen den sozialen Austausch in ungezwungenem Rahmen geniessen», sagt Patrick Müller, Leiter Stab. Und das komme an: Von den Gutscheinen werde reger Gebrauch gemacht.

Den Grund für das fehlende Interesse an der Jungbürgerfeier vermutet Müller im breiten Angebot von Veranstaltungen: «Die Jugendlichen haben heute so viele Möglichkeiten, sich zu verwirklichen.» Und auch das Interesse an der Jungbürgerfeier als kleine Klassenzusammenkunft hält er für nicht mehr zeitgemäss: «Früher hat man sich an
der Jungbürgerfeier erstmals wiedergesehen. Heute haben die jungen Erwachsenen dank Handy und Internetplattformen ganz andere Kanäle, um den Kontakt zu halten.»

Tatsächlich zur Klassenzusammenkunft wird die Jungbürgerfeier jeweils in Birmensdorf. Eingeladen sind nicht nur Jungbürgerinnen und Jungbürger, sondern alle Angehörigen des entsprechenden Schuljahrganges. «Die Jungbürgerfeier findet im Rahmen des jährlichen Herbstmarktes statt, zusammen mit der Begrüssung der Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger», sagt Yvonne Bosshard von der Gemeindekanzlei. Je nach Klassenzusammenhalt seien die Teilnehmerzahlen jeweils recht anschaulich.

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