Hundschulen
Limmattaler Hundeschulen finden kein Übungsgelände

Kurse sind für Hundebesitzer obligatorisch - die Schulen aber bangen ums Überleben. Wenn tatsächlich ein Grossteil der Hundeschulen geschlossen werden müssen, hat der Kanton Zürich ein Vollzugsproblem.

Dominic Kobelt
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Auf Befehl in die Kamera zu lächeln, haben die beiden Hunde von Kathrin Bürgis noch nicht gelernt.

Auf Befehl in die Kamera zu lächeln, haben die beiden Hunde von Kathrin Bürgis noch nicht gelernt.

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Wer Kathrin Bürgis besucht, wird als erstes von Peppe begrüsst. Obwohl der Hund sich die Seele aus dem Leib bellt und zwischendurch ein Knurren von sich gibt, hält sich die abschreckende Wirkung in Grenzen. Denn Pepe kommt mit seinem Kopf nicht einmal auf Kniehöhe. Vielleicht protestiert der Vierbeiner aber auch nur gegen die drohende Schliessung der Hundeschule Anubis, wo er zwei Mal wöchentlich trainiert? Auf dem Gelände an der Brandstrasse, hinter dem Bahnhof Schlieren, kann der Verein nicht bleiben, weil bald gebaut wird. «Vermutlich müssen wir Mitte nächstes Jahr weg - ein neues Gelände haben wir noch nicht gefunden», sagt Bürgis, die im Vorstand der Hundeschule Anubis ist. 15 Jahre lang trainierten die Hundebesitzer mit ihren Tieren auf der Wiese. Der Hundeclub bietet Agility an - ein Sport, bei dem die Hunde Hindernisse überwinden müssen - macht aber auch die offiziellen Ausbildungen, die alle Hundebesitzer absolvieren müssen.

Hundeschulen nur in Bauzonen

Die Suche nach einem neuen Ort gestaltet sich schwierig: Hundeschulen sind nämlich nur ausnahmsweise ausserhalb der Bauzone erlaubt. In einer dringlichen Anfrage machten Kantonsräte von EVP, SVP und GLP bereits im Juni auf die «offensichtlich rechtsungleiche Situation» aufmerksam: «Diejenigen Hundeschulen, die um eine Baubewilligung nachgesucht haben, müssen den Betrieb einstellen oder in eine Bauzone verlegen. Die anderen, welche nie ein Baugesuch eingereicht haben, können weiter bestehen.». Rund 80 Prozent der Ausbildungsanlagen würden sich laut Branchenkennern in Landwirtschaftszonen befinden, schreiben die Kantonsräte.
Der Regierungsrat bekräftigte in seiner Antwort, dass Hundeschulen in der Regel in eine Bauzone gehörten. Wenn aber tatsächlich ein Grossteil der Hundeschulen geschlossen werden müssen, hat der Kanton Zürich ein Vollzugsproblem. Wo sollen all die Hundebesitzer die Ausbildung absolvieren?
Jeder kann etwas lernen
«Dass alle Hundebesitzer in die Hundeschule müssen, finde ich gut», sagt Bürgis, und blickt auf Peppe. Der «Chef des Hauses» hat sich nach ein paar beruhigenden Worten der Besitzerin wieder auf seinen Platz auf einer Steinplatte gelegt, lässt die Zunge heraushängen und sich den Bauch von der Sonne wärmen. Hündin Magie liegt friedlich neben ihm. «Das Training in der Hundeschule tut jedem Hund gut - vorallem aber auch den Hundehaltern», sagt Bürgis. Sie ist enttäuscht, dass sie bald nicht mehr am gewohnten Ort trainieren kann. «Die Club-Hütte hatten wir selber aufgebaut. Es tut schon weh, wenn sie abgerissen werden muss.»
Auf der Suche nach einem neuen Standort sei man bis jetzt nicht erfolgreich gewesen, sagt Bürgis. «Fast hätte es in Wettswil geklappt - da durften wir ein Probetraining neben einer Reithalle abhalten.» Nachdem alles gut ausgesehen habe, kam dann aber die Absage: Der Tennisclub, der sich in der Nähe befindet, fühle sich durch den Hundeclub gestört, so die offizielle Begründung.Falls der Verein kein neues Trainingsgelände findet, wird er aufgelöst. «Dann würden wir uns wohl dem Hundeclub in Oberglatt anschliessen», sagt Bürgis.
Weitere Schulen auf der Suche
Ähnlich sieht auch die Situation der Hundeschule Limmattal aus, wie Mitbesitzer Werner Germann schildert: «16 Jahre lang waren wir in Schlieren, dann mussten wir weg, weil gebaut wurde.» Das Land sei allerdings noch fünf Jahre lang ungenutzt geblieben, bis man mit dem Bauen begonnen hätte.
Nach langer Suche ist die Hundeschule nun seit fünf Jahren in Urdorf. «Der Platz wäre ideal, aber er liegt in einer Freihaltezone. Das Baugesuch für einen Baustellenwagen, das wir eingereicht haben, wurde abgelehnt, mit dem Vermerk das Hundeschulen auf Industrie oder Bauzonen gehören.» Nachdem Germann interveniert hatte, wurde eine befristete Genehmigung bis Ende März 2012 ausgestellt. «Nach erneuter Suche und unzähligen Telefonaten erhielten wir die Bewilligung, bis Ende Jahr den ehemaligen Trainingsplatz des Hundeclubs OG Albis zu mieten», sagt Germann.
Wie es danach weiter gehe, wisse er noch nicht sicher. Er habe viele langjährige Kunden. «Deshalb möchten wir, wenn wir die Möglichkeit haben, unsere Tore noch nicht schliessen. Eine weitere Suche nach einem geeigneten Gelände kommt aber nicht mehr in Frage.», sagt Germann und bringt die Situation auf den Punkt: «Alle möchten gut ausgebildete Hunde, aber niemand möchte den Platz dafür zur Verfügung stellen. Eine prekäre Situation.»