Bargeld
Limmattaler hätten gerne mehr Bankomaten – den Banken ist das aber zu teuer

36 Geldautomaten-Standorte gibt es im Limmattal, davon je 11 in Dietikon und Schlieren. Viele Limmattaler müssen somit grosse Umwege auf sich nehmen, um Bargeld beziehen zu können. Die Banken wollen aber keine Bankomaten aufstellen. Argument: Damit es sich lohne, brauche es mehrere zehntausend Bezüge pro Monat.

David Egger
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100 Franken, frisch ab Automat Trotz über 4500 Einwohnern ist das zum Beispiel in Weiningen nicht möglich. Auch in anderen Gemeinden ist der Unmut gross. KEY

100 Franken, frisch ab Automat Trotz über 4500 Einwohnern ist das zum Beispiel in Weiningen nicht möglich. Auch in anderen Gemeinden ist der Unmut gross. KEY

Keystone

Viele Limmattaler müssen grosse Umwege auf sich nehmen, um Bargeld beziehen zu können. So zum Beispiel die Weininger: Sie haben auch heute noch keinen Bankomaten im Dorf oder der Fahrweid. Obwohl sie dafür kämpfen: «Wir haben uns immer wieder redlich darum bemüht, dass die Zürcher Kantonalbank (ZKB) einen Bankomat installiert», sagt Gemeindepräsident Hanspeter Haug. «Die ZKB hat uns aber immer nur die kalte Schulter gezeigt.»

BANKOMATEN IM LIMMATTAL

BANKOMATEN IM LIMMATTAL

Marco Tancredi

Der Ärger ist Haug anzumerken. «Wir sind wirklich sehr unzufrieden.» Als die beiden Filialen in Unterengstringen und Geroldswil geschlossen wurden, habe man der ZKB gesagt, dass es jetzt definitiv Zeit sei, dass Weiningen einen Bankomat erhält. «Aber wir reden gegen eine Wand», sagt Haug.

Besonders gross ist der Ärger auch in Oberengstringen: Für die über 6500 Einwohner gibt es zwar einen Geldautomaten der Post. Doch je nach Bankkarte werden Gebühren fällig, wenn man Geld am Postomaten bezieht. Schon eine kurze Strassenumfrage der Limmattaler Zeitung zeigt: Die Unzufriedenheit ist gross. Enttäuscht ist man insbesondere von der Credit Suisse (CS): Noch vor wenigen Jahren hatte die Grossbank ihre Filiale umgebaut.

Oberengstringen ging deshalb davon aus, dass die Bank am Standort festhält. Und wurde dann überrascht: Die Filiale wurde geschlossen, später der Bankomat entfernt. «Erst die Investitionen in den Umbau, dann die Schliessung. Das ist kein gutes Zeugnis für die CS», sagt Gemeindepräsident André Bender. Zurzeit klärt der Gemeinderat ab, ob es eine Möglichkeit gibt, wieder einen Bankomaten zu eröffnen. «Damit es sich lohnt, braucht es aber mehrere zehntausend Bezüge pro Monat. Es wird schwierig», so Bender. Die CS sagt auf Anfrage, dass sie zurzeit einen geeigneten Standort in Oberengstringen suche.

Gesamtschweizerisch betreibt sie 600 Bankomaten. «Wir stellen nach wie vor fest, dass unsere Bankomaten gut genutzt werden», sagt CS-Sprecher Tobias Plangg. Das gilt wohl auch für andere Banken: So verfügt die ZKB in Unterengstringen weiterhin über einen Bankomaten, auch nachdem sie 2015 ihre dortige Filiale schloss.

Neben Weiningen haben auch Aesch und Oetwil keinen Geldautomaten. «Wir haben mit der Post häufig darüber gesprochen, dass sie im Dorfkern einen Postomaten installieren soll, sind aber stets auf deutliche Ablehnung gestossen», sagt der Oetwiler Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini. Als die Post ihre Filiale schloss und durch eine Agentur im Volg ersetzte, stellte die Gemeinde sogar ein formelles Gesuch, um endlich einen Postomaten zu erhalten.

Doch auch dann: keine Chance. «Es ist ein klarer Wunsch der Bevölkerung. Wir hören ihn häufig auf der Verwaltung und stehen voll und ganz dahinter», sagt Chiodini. Auch bei der ZKB hat Oetwil angefragt, ob sie einen Bankomaten betreiben könnte. «Diese Idee mussten wir dann aber verwerfen», so Chiodini. Die «immensen Betriebskosten» hätte die Gemeinde selbst zahlen müssen.

Bankomaten lohnen sich fast nie

Doch wie hoch sind die Kosten wirklich? Von den im Limmattal präsenten Finanzinstituten sind nur zwei bereit, das zu sagen. Laut dem Sprecher der Valiant-Bank, Marc Andrey, kostet die Installation mit allem drum und dran rund 80 000 Franken.

Je nach Standort sind die Bauarbeiten teurer oder günstiger. Die Postfinance teilt mit, dass die Installation eines Postomaten durchschnittlich 50 000 Franken koste. Zu den Betriebskosten: Laut Andrey von der Valiant-Bank betragen diese pro Jahr zwischen 20 000 und 30 000 Franken. Je nach Gerätetyp, Software, Kosten für Geldtransport, Reinigung und Vandalismus-Vorfällen ändern sich die Kosten.

Laut Andrey sind nur die wenigsten Bankomaten kostendeckend, jene «an den absoluten Top-Standorten», also die Minderheit der Automaten. Mehrere Bank-Sprecher bestätigen, dass die meisten Bankomaten unter dem Strich keinen Ertrag abwerfen.

Der Hintergrund: Die Einnahmen sind nur hoch, wenn viele Kunden fremder Banken Bezüge an diesen Automaten tätigen. Der Ertrag ist darum oft nicht der Hauptgrund, um einen Bankomaten zu installieren.

Die Sprecherin der Coop-Bank, Brigitte Halde, sagt, es sei nicht leicht, geeignete Standorte zu finden. Neben der Lage spielen viele weitere Faktoren mit, darunter die Konkurrenzsituation und Prognosen über mögliche Kundenströme. Diese werden auch vom Vorhandensein von naher Gastronomie und Detailhandel beeinflusst.

Zurück zu den Gemeinden: In Geroldswil, wo die ZKB letztes Jahr ihre Filiale geschlossen hatte und seither einen provisorischen Bankomat betrieb, wird die ZKB in den nächsten Wochen bei den Läden an der Huebwiesenstrasse 26 einen fixen Bankomaten installieren. «Wir sind froh, dass ein Standort für den Bankomaten gefunden wurde. Aber die Enttäuschung über die Filialschliessung bleibt», sagt Gemeindeschreiber Beat Meier. Die Bevölkerung habe ihren Ärger klar kundgetan und tue dies immer noch. Ähnliches gilt in Aesch, wo es noch nie einen Geldautomaten gab.

Dort hat die Post den Wunsch der Gemeinde nach einem Postomaten abgelehnt, obwohl sie ihre Filiale durch eine Agentur ersetzte. «Zusätzlich haben wir schon verschiedene Banken angefragt, aber auch das hat nie gefruchtet», sagt Gemeindepräsident Johann Jahn. Stets heisse es, der Aufwand sei zu hoch. «Trotzdem ist es unverständlich, dass die Banken absolut keine Bereitschaft zeigen, diesen Wunsch der Bevölkerung zu erfüllen», sagt Jahn.

Selbst in Schlieren und Dietikon, wo es am meisten Bankomaten hat (siehe Karte), sind nicht alle zufrieden: Manche stören sich daran, dass sich die Bankomaten hauptsächlich im Zentrum befinden. Immerhin: Alle angefragten Banken sagen, dass sie zurzeit nicht planen, im Limmattal bestehende Geldautomaten zu entfernen.