Ab 2035 wird die Dietiker Kehrichtverwertungsanlage (KVA) abgerissen. Ob der Ersatz dafür wiederum im Limmattal oder aber im Aargau entstehen wird, ist frühestens ab 2018 klar und hängt auch davon ab, ob die Limeco, die die KVA in Dietikon betreibt, mit den KVAs in Buchs und Turgi zusammenarbeiten wird.

Am Mittwoch informierte die Limeco darüber, dass sie eine solche Kooperation prüft. Die zuständigen Gemeinderäte der Trägergemeinden wurden vor einer Woche informiert. «Die Limeco hat uns gegenüber aber schon vor mehreren Monaten angedeutet, dass sie verschiedene Optionen verfolgt.

Zwischen den Zeilen sind wir also schon länger informiert», sagt der Urdorfer Werkvorstand Urs Rimensberger (parteilos) auf Anfrage. Er schätzt es, dass die Limeco vorausschauend agiert. «Die beste Lösung wäre es aus meiner Sicht, wenn die künftige KVA wiederum im boomenden Limmattal zu stehen kommt. Denn gerade beim Abfall ist es sinnvoll, ihn in der Region zu entsorgen und die Lastwagen nicht kilometerweit weg zu schicken – nur schon aus ökologischen Gründen», so Rimensberger.

Von Urdorf nach Dietikon – auf so kurze Transportwege hofft er insbesondere auch für die Unternehmen. «Wir vom Kontrollorgan der Limeco werden den Prozess also konstruktiv-kritisch begleiten», so Rimensberger. Auch die Limeco-Regiowärme müsse abgesichert werden, sodass damit auch Urdorf dereinst seinen ökologischen Fussabdruck verkleinern kann.
Doch wie schaut es aus, falls der Limmattaler Müll dereinst tatsächlich in den Aargau gekarrt werden müsste? Ein Teil der Limmattaler würde dies aus ökologischer Sicht stören, andere würden sich wohl freuen, wenn sich der Rauch aus Dietikon verzieht. Klar ist: Finanziell würden lange Transportwege durch jene Gemeinden entschädigt werden, die kürzere Wege haben.

Nicht zuvor eingeweihte Politiker wie zum Beispiel der Dietiker Parlamentarier Ernst Joss (AL), der kürzlich eine Interpellation zu Moorschutz und KVA eingereicht hat, haben nicht mit den neusten Plänen gerechnet: «Ich bin positiv überrascht, dass die Limeco so früh auf die Moorschutz-Verordnung reagiert und andere Standortlösungen abklärt.»

Auch Joss hofft wegen den Transportwegen darauf, dass das Limmattal künftig das KVA in der Nähe hat. Sollte es aber nicht so kommen, erhofft sich Joss für das Limeco-Regiowärmenetz ein Geothermie-Kraftwerk. «Das wäre ein Traum, wenn das Limmattal als Vorzeigebeispiel vorausgehen und zeigen könnte, dass diese umweltfreundliche Technik funktioniert und eine grosse Region versorgen kann.»


«Kommunikation war unglücklich»


Von der Vorgehensweise der Limeco sind nicht alle begeistert. Erst vor zwei Monaten haben Oberengstringen und andere Gemeinden die Freigabe für die Kredite zur Gross-Erweiterung des Fernwärmenetzes gesprochen, ohne dass sie klar informiert wurden, dass noch völlig offen ist, woher die Wärme ab 2035 kommt.

«Es wäre korrekter gewesen, wenn die Öffentlichkeit schon vor der Kreditfreigabe über die Zukunftspläne informiert worden wäre. Aus meiner Sicht war die Kommunikation der Limeco in diesem Fall etwas unglücklich», sagt David Specker (FDP), der im Oberengstringer Gemeinderat das Ressort Abfall innehat. Ansonsten nimmt er die Kooperationsprüfung positiv auf: «Zwar gibt es noch viele Details zu klären, aber grundsätzlich finde ich es super, wenn mit anderen KVAs eine wirtschaftlich gangbare Lösung für die Zukunft gesucht wird.»

Davon ist übrigens auch der Bezirk Affoltern betroffen. Dessen Zweckverband Dileca lässt den Abfall in Dietikon verwerten, basierend auf einem unbefristeten Vertrag mit der Limeco. Bei der Dileca heisst es auf Anfrage, man habe guten Kontakt zur Limeco und verfolge den Prozess, wolle sich aber nicht einmischen.