Kälteeinbruch

Limmattaler Freibadis öffnen ihre Türen: «Wir sind bereit»

Mit 16,4 Grad ist das Wasser noch kalt und dampft im Sonnenlicht. Trotzdem haben sich die ersten Badegäste angekündigt.

Mit 16,4 Grad ist das Wasser noch kalt und dampft im Sonnenlicht. Trotzdem haben sich die ersten Badegäste angekündigt.

Heute eröffnet das Bio- und Gartenbad in Schlieren die Saison. Bald folgen auch die anderen Limmattaler Freibadis.

Als es am vergangenen Mittwoch zu schneien begann, konnte sich Mihajlo Nikic das Lachen nicht verkneifen. Der Leiter des Bio- und Gartenbads Im Moos in Schlieren war mitten in den Vorbereitungen für die heutige Eröffnung der Badesaison. Trotz des Schneefalls versicherte er: «Der Termin steht und wir sind bereit. Wir werden öffnen.» Denn er weiss, dass das schlechte Wetter nicht alle Gäste vom Baden abhält. «Im Mai vor zwei Jahren wagten sich zwei ältere Damen trotz des Schneetreibens ins Becken», sagt er.

Heute soll das Quecksilber auf 13 Grad steigen. Der Frühling hält zum zweiten Mal Einzug, sodass der eine oder andere wieder ans Baden im Freien denken mag. Als erste im Limmattal bietet die Schlieremer Badi seit heute die Gelegenheit dazu. Obwohl es in den vergangenen Nächten frostig kalt war, beträgt die Wassertemperatur bereits stolze 16,4 Grad. «Liegen die Aussentemperaturen über 11 Grad, kann ich das Wasser bis 21 Grad heizen, ab 14 Grad sind 23 Grad möglich», sagt Nikic. Es brauche also nur wenige Sonnentage, bis das Wasser eine angenehme Temperatur erreiche. Wer vor der kühlen Luft flüchten will, kann sich dann im Badewasser aufwärmen.

Zdravko Stamatovic reinigt am schneereichen Mittwoch das Becken.

Zdravko Stamatovic reinigt am schneereichen Mittwoch das Becken.

Zentimeterdick lag der Schlamm

Für die Eröffnung haben sich bereits die ersten Gäste angekündigt. Nikic ist sich nicht sicher, ob diese auch tatsächlich ins Wasser springen werden. Sicherlich würden sie die jetzt noch verbilligte Saisonkarte kaufen und einen Kaffee trinken. Wenn doch jemand den Sprung ins Nass wagen möchte, sind die Becken bereit. Dafür haben Nikic und sein Team in den vergangenen Wochen gesorgt. «Gut einen Monat vor der Saison beginnen wir jeweils mit den ersten Arbeiten», sagt er.

Der Schlamm, der sich über den Winter auf dem Boden des Beckens zentimeterdick angesammelt hat, wird abgesaugt und über die Kanalisation weggespült. Zum Einsatz kommt dabei ein Gerät, das wie ein grosser Staubsauger funktioniert. Dessen Filter müssen jedoch nach jeder Querung des Beckens ausgewaschen werden, weil sich viel Dreck darin sammelt. Bei diesen Arbeiten erhielt Nikic Hilfe von 15 Asylsuchenden, die für die Stadt gemeinnützige Arbeit leisten.

Mit der Reinigung der Becken war die Arbeit aber noch nicht getan. Auch Gebüsche und Pflanzen wurden zurückgeschnitten und die abmontierten Armaturen wieder installiert. Dieses Jahr hat Nikic zudem etwas Neues eingerichtet. Auf dem Geräteschuppen liess er einen Holzboden auslegen, auf dem seit Donnerstag zehn Liegestühle stehen. Diese Sitzgelegenheiten können von den Gästen für einen Tag gemietet werden, um im Schatten der Palmen die Szenerie zu überblicken.

Ampel zeigt Wasserqualität an

Die Schlieremer Anlage gehört zu den grössten Biobadis der Schweiz. Über eine Million Liter Wasser sind in den Becken und den drei Weihern enthalten. Im Unterschied zu konventionellen Badis, die mit Chlor arbeiten, wird das Wasser in Schlieren in einem zweistufigen Verfahren mit Pflanzen sowie Sand- und Kiesschichten gereinigt.

Das verursacht im Sommer einen Mehraufwand. «Die Algen, die bei heissem Wetter üppig wuchern, müssen aus dem Weiher herausgefischt und entsorgt werden», sagt Nikic. Diese kontinuierliche biologische und mechanische Filterung funktioniere gut. Trotzdem könne die Wasserqualität vorübergehend beeinträchtigt werden. «Kotet ein Kind ins Becken, ist die Bakterienkonzentration entsprechend hoch», sagt Nikic.

Im August 2011 geriet das Biobad in die Schlagzeilen, weil das kantonale Labor bei einer Kontrolle feststellte, dass die Grenzwerte für Kolibakterien im Nichtschwimmer- und Kinderplanschbecken überschritten wurden. Darauf hat Nikic reagiert und ein Ampelsystem entwickelt. Auf einer Tafel informiert er die Gäste jeweils über die aktuelle Wasserqualität.
Durch den frühen Start haben Wasserratten eine lange Saison vor sich. Nach und nach werden nun auch die anderen Limmattaler Freibäder ihre Türen öffnen.

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Autor

Thomas Mathis

Thomas Mathis

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