Sportangebot

Limmattaler Fitnesscenter sind offen für Menschen mit Behinderung

Die Betreuung vor Ort ist für Menschen mit Behinderung unabdingbar.

Die Betreuung vor Ort ist für Menschen mit Behinderung unabdingbar.

Der Behindertenverband Procap will die Schweizer Fitnesscenter barrierefrei machen. In der Region gibt es bereits mehrere Sportangebote für handicapierte Menschen.

Viele Menschen mit Behinderung würden gerne ein Fitnesscenter besuchen, sagt Helena Bigler, Leiterin Reisen und Sport des Behindertenverbandes Procap Schweiz. Das Problem: Nicht alle Fitnesscenter sind barrierefrei. Zusammen mit dem Schweizer Fitness- und Gesundheitscenter Verband will Procap das ändern. Das Projekt «gofit – Fitness barrierefrei» soll für Menschen mit Handicap den Zugang verbessern und es ihnen ermöglichen, in Zukunft in mehr Fitnesscentern problemlos trainieren zu können.

Neue Fitnesscenter sind bereit

Die Nachfrage bei Limmattaler Fitnesscentern zeigt, dass vor allem neue Anbieter gut auf Menschen mit Behinderung eingestellt sind. Auf dem aktuellsten Stand ist beispielsweise das David Gym in Schlieren, das 2012 eröffnet wurde. «Wir haben ein spezielles Behinderten-WC mit Dusche und es gibt genügend Platz, um auch mit dem Rollstuhl zwischen den Geräten durch zu fahren», sagt Geschäftsführerin Kathi Fleig. Zudem sei der Eingang ebenerdig und es gebe Parkplätze für Menschen mit Handicap. Über einen Lift sei das Fitnesscenter problemlos für alle zu erreichen. Nebst der Infrastruktur habe man auch ein spezielles Gerät – den Oberkörpergasometer – angeschafft, sodass Menschen mit einer Beinbehinderung oder Lähmung trotzdem Ausdauer trainieren können, so Fleig. Menschen mit Behinderung würden im David Gym am liebsten selbstständig trainieren. «Manchmal brauchen sie eine Begleitperson, die ihnen hilft, die Geräte einzustellen.» Das könne jemand aus der Familie sein, ein Trainer des Fitnesscenters oder ein Mitarbeiter der eingegliederten Physiotherapie.

Das Center Diis Fitness in Urdorf, das dieses Jahr eröffnet wurde, ist ebenfalls darauf vorbereitet, behinderte Menschen zu trainieren. «Unser WC ist behindertengerecht und das Center verfügt über einen Lift», sagt Gründer Pascal Vogel. Bisher seien zwar noch keine handicapierten Menschen Mitglied. «Ich kann mir aber vorstellen, ein spezielles Gruppentraining für Menschen mit Behinderung anzubieten», so Vogel. Auch die Geräte seien allesamt mit dem Rollstuhl zugänglich. Es sei sehr sinnvoll, dass auch Menschen mit einer Behinderung Zugang zu Fitnesscentern hätten, sagt Vogel. «Dank dem Projekt von Procap können behindertengerechte Fitnesscenter nun einfacher gefunden werden. Eine sehr sinnvolle Initiative, die wir unterstützen wollen.»

Nicht auf Menschen mit Behinderung abgestimmt aber offen für Trainierende mit Handicap ist das Mrs. Sporty Fitness in Schlieren. Zwar gebe es Rollstuhlparkplätze und der Eingang sei ebenerdig, jedoch sei es schwierig, die enge Toilette zu benutzen, sagt Clubinhaberin Yvonne Gasche. Da im Zirkeltraining trainiert werde und man alle 50 Sekunden das Gerät wechsle, sei es nicht möglich, mit einem Rollstuhl teilzunehmen. Dennoch habe das Fitness Mitglieder mit leichter geistiger und körperlicher Behinderung. «Unsere Trainingsfläche ist immer betreut, somit erhalten alle Mitglieder Unterstützung, wenn sie sie benötigen», so Gasche. Sie begrüsst die Idee von Procap: «Training kann auch für Behinderte sehr wertvoll sein. Nicht nur körperlich, sondern auch sozial.»

Ähnlich sieht das Adrian Kraft, der in Schlieren sein eigenes Fitnesscenter betreibt. Er möchte schon bald ein Training anbieten, dass speziell auf Menschen mit Behinderung abgestimmt ist. «Es wagt sich praktisch niemand an diese Zielgruppe heran. Das ist bedauerlich», sagt er. Es sei beispielsweise gerade für Menschen mit fehlenden Extremitäten wichtig, die Rückenmuskulatur zu stärken, weil diese umso mehr im Alltag belastet werden müsse, so Kraft.

«Fitnessbranche auf gutem Weg»

Bigler glaubt, dass die Fitnessbranche auf einem guten Weg ist. Die Rückmeldungen der kontaktierten Fitnesscentern, die derzeit laufend herein kämen, seien durchwegs positiv. Vorerst gehe es jetzt darum, eine Bestandsaufnahme zu machen. «Zunächst erhalten die Fitnesscenter Fragebogen, in welchen sie angeben, wie behindertenfreundlich ihre Einrichtungen sind», so Bigler. Danach begebe sich ein Team von Procap vor Ort und erfasse die infrastrukturellen Bedingungen sowie den Grad der Betreuung.

Die entsprechenden Daten würden sodann ab Frühling 2017 laufend online zur Verfügung gestellt, so Bigler. Man erhoffe sich, dass Menschen mit Behinderungen dank eines verbesserten Zugangs zu Fitnesscentern vermehrt selbstbestimmt ihren sportlichen Interessen nachgehen könnten, sagt Bigler.

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