Oberengstringen
Limmattaler ertrog 60 000 Franken mit erfundenem Musikverein

Ein Oberengstringer muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Unter anderem hat er einen Unternehmer um rund eine Million Euro zu erpressen versucht.

Attila Szenogrady
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Mit dem «Musikverein unteres Aaretal» ertrog der Beschuldigte 60 000 Franken.

Mit dem «Musikverein unteres Aaretal» ertrog der Beschuldigte 60 000 Franken.

Keystone

Während der mündlichen Urteilseröffnung schüttelte der nicht geständige Beschuldigte seinen Kopf oder hielt mit seinen Fingern beide Ohren zu. Kein Wunder: So bezeichnete der Gerichtsvorsitzende Daniel Bussmann das Verhalten des Limmattalers als «fies, gemein und hinterhältig». Auch vor Obergericht hatte der heute 48-Jährige vergebens versucht, sich als erfolgreicher Unternehmer zu verkaufen. So habe er ein millionenschweres Bankenprogramm entwickelt und erfolgreich Flugticket-Geschäfte organisiert, erklärte er. Auch sein Verteidiger sprach von einem seriösen Geschäftsmann, der bisher bloss seine Ziele nicht erreicht habe. Auf jeden Fall sei sein Klient sogleich aus der Haft zu entlassen.

Vom Betrüger ...

Ein völlig anderes Bild vom Schweizer Beschuldigten aus Oberengstringen zeichnete die Staatsanwaltschaft. Demnach verfügte er bereits seit 2004 nicht mehr über ein Einkommen und hielt sich mit dreisten und unverfrorenen Lügengeschichten über Wasser. Dabei ging er diverse Freunde, Verwandte und Bekannte um höhere Geldbeträge an. In einem Fall berichtete er von einer Reise des Musikvereins «Unteres Aaretal» und bat für eine Vorfinanzierung einen Kollegen um 60 000 Franken. Der Geschädigte sah sein Geld nie wieder und erfuhr erst später, dass es den fraglichen Musikverein gar nicht gibt.

Insgesamt hat der Beschuldigte Darlehen für rund 200 000 Franken ertrogen. Er habe jedoch nie Sozialhilfe bezogen, beteuerte er vor Obergericht. Dabei unterschlug er allerdings, dass ihn sein Vater über längere Zeit hinweg mit rund 350 000 Franken finanziell unterstützt hatte.

... zum Millionenerpresser

Im Sommer 2013 wollte sich der Beschuldigte mit einem gewagten Coup auf einen Schlag befreien. So forderte er von einem wohlhabenden Zürcher Unternehmer ultimativ eine Million Euro. Dabei erklärte der Verurteilte, dass er von zwei bewaffneten Asiaten aufgesucht und bedroht worden sei. Diese Männer hätten ihm Fotos vorgelegt, auf welchen der Unternehmer bei Sex mit Kindern zu sehen sei. Sollte er nicht zahlen, würden die Bilder veröffentlicht, drohte der Limmattaler und stellte sich ebenfalls als Opfer der Asiaten dar.

Das Obergericht glaubte die Geschichte des Beschuldigten nicht. Vor allem da die Million Euro auf ein Konto des Beschuldigten fliessen sollte. Die Oberrichter bestätigten ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich umfassend. Der Limmattaler wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, versuchter Erpressung, Urkundenfälschung, Drohung und Irreführung der Rechtspflege zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.