Die Kantonspolizei stiess im Limmattal auf einen Heroinhandelsring. Ein Beteiligter stand gestern vor Bezirksgericht. Der Limmattaler mit türkischen Wurzeln hatte den Auftrag, das Heroin zu lagern.

Doch er flog auf, legte gegenüber den Ermittlern ein Geständnis ab. Es begann damit, dass ihm ein Komplize Plastikbeutel mit gut sieben Kilogramm Heroingemisch – es enthielt mindestens 2,4 Kilogramm Reinsubstanz – in seine Werkstatt brachte. Der Beschuldigte versteckte die Droge: erst in der Werkstatt, dann im Büro und schliesslich im Kofferraum eines Autos. Nicht ohne Grund hatte er Angst um die Ware. Denn in die Werkstatt wurde kurze Zeit darauf eingebrochen, die ungebetenen Besucher fanden das Heroin aber nicht. Der Komplize holte den Stoff wieder ab – Mission erfüllt.

Dann, Monate später: Drei Komplizen und ein Unbekannter, genannt «Boss», brachten wieder Heroin in die Werkstatt, diesmal 1,5 Kilogramm, es enthielt gut 450 Gramm Reinsubstanz. Der Beschuldigte brachte einzelne Proben zu Testzwecken nach Winterthur – dem heutigen Heroin-Mekka des Kantons (siehe Grafik unten).

Die Heroingelder reichten der Bande nicht aus: Zweimal sind sie in Cannabis-Indoor-Anlagen eingebrochen – eine davon im Tösstal –, um die Ernte zu stehlen. Die total mindestens zehn Kilogramm Marihuana verarbeiteten sie in Privatwohnungen im Limmattal und verkauften sie für mindestens 50 000 Franken. «Das ist schon ein ziemlich dreistes Vorgehen, wenn man die Plantage einer Drittperson ausräumen geht», sagte der Dietiker Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher. Es kam noch mehr: Der Mann bediente eine Maschine in der Werkstatt falsch. Die Folge war ein Brand mit beträchtlichem Sachschaden.

«Kontakt mit den falschen Leuten»

Wegen mehrfachen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz und teils der Gehilfenschaft dazu wurde der Limmattaler gestern zu 36 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Zusätzlich wurde ihm wegen der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst eine bedingte Geldstrafe von total 2700 Franken auferlegt. Von der Freiheitsstrafe sind 30 Monate bedingt und 6 Monate unbedingt, bei drei Jahren Probezeit. Wegen der gut fünfmonatigen Untersuchungshaft muss er nur noch etwas mehr als einen Monat ins Gefängnis. Zudem muss er die Verfahrenskosten von 129 316,55 Franken berappen. Dazu kommen 1500 Franken Gerichtsgebühr. Richter Aeschbacher betonte gegenüber dem Delinquenten, dass das Urteil sehr zu dessen Gunsten ausgefallen und wohlwollend sei, aber noch vertretbar.

«Ich geriet in Kontakt mit den falschen Leuten und will keinen Kontakt mehr zu ihnen. Die meisten sitzen ja in U-Haft», sagte der Mann vor Gericht. Dass er zur Schuldenbegleichung wieder ins Drogengeschäft einsteigt, ist unwahrscheinlich. Denn das Urteil fiel milde aus, weil der Mann vollumfänglich kooperierte, eine untergeordnete Funktion innehatte und nur kleinen finanziellen Profit erzielte. Wohl ganz im Gegensatz zum «Boss». Die Identität des Drahtziehers ist unbekannt.

So oft kam es 2015 zu Delikten im Zusammenhang mit Heroin*.

Der Limmattaler Heroinhandel im Vergleich

So oft kam es 2015 zu Delikten im Zusammenhang mit Heroin*.