Urdorf
Limmattaler Eisschnelllauf-Talent glaubt wieder an den Durchbruch

Der Urdorfer Eisschnellläufer Christian Oberbichler blickt auf einen höchst erfolgreichen Kanada-Trip in Calgary zurück. Der 19-jährige Limmattaler blickt nach grossen Fortschritten und neuen Bestzeiten zuversichtlich und motiviert in die Zukunft.

Rainer Sommerhalder
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Oberbichlers Leistung widerspiegelt sich in seinen Bestzeiten.ZVG

Oberbichlers Leistung widerspiegelt sich in seinen Bestzeiten.ZVG

Drei persönliche Bestzeiten, zwei Schweizer Rekorde, grosse Motivation für die weitere Karriere – der 19-jährige Christian Oberbichler hat in seinen letzten Rennen als Junior auf der Oympia-Bahn von Calgary fast das Optimum erreicht. Nur die Weltcupnorm verpasste der Urdorfer um einen Wimpernschlag. Und dies erst noch über die «falsche» Distanz.

Christian Oberbichler, mit welchen Gefühlen kehren Sie aus Kanada zurück?

Christian Oberbichler: Mit einem super Gefühl. Ich finde es sensationell, was ich dort geleistet habe. Es lief tipptopp und ich freue mich riesig darüber.

Wie war es denn nun, auf dem zweitschnellsten Eis-Oval der Welt zu laufen?

Ich zog die Schlittschuhe an, stand aufrecht auf die Bahn und bin einfach übers Eis geglitten. So etwas habe ich noch auf keiner anderen Bahn erlebt. Dass die ersten Trainings trotzdem noch nicht das ganz grosse Erlebnis waren, lag daran, dass ich mit einer Grippe nach Calgary gereist bin und mich nach meiner Ankunft zuerst erholen musste. Nach den ersten Rennen war ich sehr, sehr müde.

Sie waren zum ersten Mal in Nordamerika. Als Schreiner muss Ihnen die Umgebung mit den vielen Wäldern gut gefallen haben?

Es war wirklich sehr weitläufig und die Strassen schienen unendlich lang zu sein. Wir haben einen Ausflug in die Stadt und in die Berge nach Banff gemacht. Interessant war auch, dass direkt neben unserer gemieteten Wohnung ein neues Haus entstand. Als wir ankamen, war da erst das Betonfundament. Als wir gingen, stand die ganze Holzkonstruktion, war das Haus fertig. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Sie sind neu Inhaber der Schweizer Rekorde über 500 und 1000 Meter. Aber über die Sprintdistanz wollten Sie eigentlich auch die Weltcupnorm knacken!

Ich bin bei meinen Rekordläufen rund 15 Hundertstelsekunden langsamer gestartet als bei meinen schnellsten Rennen in Europa. Irgendwie hatte ich auf den ersten Metern das Gefühl, nicht vorwärtszu-kommen. Erst danach kam der Effekt des schnellen Eises. Es geht also schon noch schneller, ich habe noch Reserven, doch dafür müsste ich mehr Erfahrungen auf dieser Bahn sammeln.

Dafür lief es über die längere Distanz unerwartet gut?

Ich habe über 1000 Meter meine persönliche Bestzeit um 2,8 Sekunden und den Schweizer Rekord um
1,1 Sekunden verbessert. Schade nur, dass es für die Weltcupnorm um drei Hundertstelsekunden nicht gereicht hat.

Freuen Sie sich über die gelaufene Zeit oder ärgern Sie sich über die hauchdünn verpasste Limite?

Zuerst kommst du ins Ziel und freust dich riesig. Erst später kam ein wenig Ärger auf, der aber schnell wieder verflog, schliesslich muss ich es nehmen, wie es ist. Und mit der Weltcupnorm alleine ist es nicht getan. Damit ein regelmässiger Start im Weltcup Sinn macht, muss ich nochmals mehr als eine Sekunde schneller laufen. Aber ich glaube jetzt daran, dass es möglich ist.

Die bemerkenswerteste Leistung erreichten Sie ausgerechnet über 1500 Meter. Liegt Ihre sportliche Zukunft etwa gar nicht im Sprintbereich?

Ich verbesserte über 1500 Meter meine persönliche Bestzeit gleich um 5,5 Sekunden. In dieser Saison war kein Schweizer schneller. Zur Weltcupnorm fehlt nur noch eine halbe Sekunde. Ich traue mir diese Zeit zu. Viele, die mich gesehen haben, sagen, dass ich in den Ausdauerdisziplinen Potenzial habe und eigentlich gar nicht der geborene Sprinter bin. Meine Zukunft könnte also durchaus auf den längeren Strecken sein. Aber ich bin ja noch jung und habe Zeit.

Wie geht es jetzt weiter?

Erste Priorität hat nun die Lehrabschlussprüfung im Mai und Juni. Danach reise ich topmotiviert nach Inzell ins Trainingslager und arbeite am Aufbau für die nächste Saison. Ich sehe jetzt, dass ich fähig bin, diese Weltcupzeiten zu laufen, auch auf einer Bahn hier in Europa. Das spornt mich natürlich unglaublich an. Sollte ich es im Herbst noch nicht schaffen, überlege ich mir, nochmals nach Nordamerika zu reisen, um es in Calgary oder auf der noch schnelleren Bahn von Salt Lake City zu versuchen. Aber wie gesagt, ich traue es mir auch in Inzell oder in Erfurt zu.