Obergericht
Limmattaler drückt aufs Gaspedal: Mit 130km/h durch Dietikon

Das Dietiker Urteil gegen einen Limmattaler Schuhverkäufer ist rechtskräftig: Es bleibt bei 20 Monaten Gefängnis, die Hälfte davon unbedingt.

Attila Szenogrady
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Raser wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen.

Raser wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen.

Keystone

Um den Zug nach Zürich nicht zu verpassen, hat ein Limmattaler Schuhverkäufer seine Freundin vom Lenkrad ihres Fahrzeugs verdrängt und ist mit rund 130 Stundenkilometern durch Dietikon gerast. Dafür kassierte der Serbe 20 Monate Gefängnis, die Hälfte davon unbedingt.

Dem heute 25-jährigen Schuhverkäufer ging es um seinen Arbeitsplatz an der Zürcher Bahnhofstrasse. Sollte er wieder zu spät kommen, drohte ihm die Kündigung. «Ich musste unbedingt um zehn Uhr den Zug nach Zürich erwischen», erinnerte sich der Beschuldigte bereits am Bezirksgericht Dietikon an den 19. März 2013 zurück. Da ihm damals die Behörden den Führerausweis bereits abgenommen hatten, sollte ihn seine Freundin mit ihrem Auto zum Bahnhof Dietikon fahren.

Die Partnerin fuhr um fünf vor zehn durch Bergdietikon. Offenbar so langsam, dass der Limmattaler als Beifahrer die Nerven verlor. Plötzlich zog er die Handbremse, fasste seiner Freundin ins Steuer und lenkte das Auto in eine Wiese. Dann stieg er aus und sagte ihr, dass er nun selber fahren werde. Als sie dagegen protestierte, befahl er ihr, das Maul zu halten. Ansonsten würde er sie alleine zurücklassen, drohte er. Worauf sie nachgab.

Mit 130 km/h statt 50 km/h

Der Beschuldigte hatte noch ganze drei Minuten Zeit, als er startete und kurz darauf mit rund 130 Stundenkilometern am helllichten Vormittag über die Hasenbergstrasse in Richtung Dietiker Stadtzentrum raste — bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Hinzu kam, dass der Lenker mit dem Wagen seiner Freundin nur schlecht vertraut war. Es war kein Wunder, dass eine Polizeipatrouille auf den Tempoexzess aufmerksam wurde und den Beschuldigten stoppte. Dieser hatte nun den Job verloren und stattdessen ein Strafverfahren am Hals.

Bereits im letzten Januar kassierte der vorbestrafte Beschuldigte am Bezirksgericht Dietikon wegen groben Verkehrsdelikten, Nötigung seiner damaligen Freundin und Fahrens ohne Berechtigung eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten, zehn davon unbedingt. Der Beschuldigte habe rücksichtslos und aus rein egoistischen Beweggründen gehandelt, hielt das Dietiker Gericht fest. Allerdings bemerkte es auch, dass der Serbe nicht aus Spass, sondern aus Angst um seine Arbeitsstelle gehandelt habe.

Der Limmattaler legte Berufung ein und wollte gestern Freitag vor dem Zürcher Obergericht eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten erreichen. Allerdings wurde nichts daraus: Er zog seine Anträge kurz vor der Verhandlung zurück, was bedeutet, dass er für zehn Monate ins Gefängnis muss. Allerdings könnte er die Sanktion auch noch in Halbgefangenschaft verbüssen. Aus den Akten ging hervor, dass der Mann immer noch arbeitslos ist und zu Hause bei seinen Eltern lebt.