Limmattal
Limmattaler drängen nach draussen

Wochenlang haben sich die Menschen nur dick eingepackt nach draussen getraut, Kleiderschicht über Kleiderschicht, wie Zwiebeln. Jetzt blühen sie auf, Menschen wie Blumenzwiebeln. Die Sonne lockt, wärmt. Es ist Frühling. Endlich.

Katja Landolt (Text) und Gioia Lenggenhager (Fotos)
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Frühlingserwachen im Limmattal
9 Bilder
Einmal Winken für die Kamera
Stefan Müller aus Weiningen mit den Zwillingen Sora und Ria
Am Bahnhof Dietikon sonnt sich eine Eidechse auf dem warmen Stein
Ob gemütlich oder sprintend, am Limmatufer ist viel Volk unterwegs
Bis die Glut gut ist, dürfte es ein Weilchen dauern
Pascal Calüna (li) und Mirco Prati auf Spritztour mit dem Quad
Jasmin Leubin vom Gartencenter Hoffmann in Unterengstringen hat alle Hände voll zu tun
Alma Hirter kauft im Gartencenter Salatsetzlinge

Frühlingserwachen im Limmattal

Limmattaler Zeitung

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
«Er kam, er kam ja immer noch»
Die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt; «Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.»

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.

«Frühling», Theodor Fontane (1851)

Alma Hirter stellt im Gartencenter Hoffmann in Unterengstringen einen Salatsetzling nach dem andern in ihren Einkaufswagen. Sie kauft ein für ihren Schrebergarten in Höngg. Ist es nicht noch etwas früh für Salat? Hirter schüttelt den Kopf. «Der kommt ins Frühbett und wird zugedeckt.»

Hirter ist fast täglich im Schrebergarten, zusammen mit ihrem Mann. Nüsslisalat, Winterzwiebeln und Winterspinat seien jetzt erntereif, und natürlich reckten die Tulpen und Krokussli ihre Köpfchen. «Ich bin froh, dass der Frühling da ist. Ich geniesse es, wenn alles spriesst und zu neuem Leben erwacht», sagt Hirter. Dann macht sie sich auf die Suche nach einem Heidelbeerstrauch, zwischen all den anderen Kunden, die sich durch die blühenden Auslagen schieben.

Auf Jasmin Leubin, stellvertretende Abteilungsleiterin bei Hoffmann, und ihre Kollegen, kommen arbeitsintensive Tage zu, der Wetterbericht ist gut. «Es zieht an mit der Kundschaft, die Leute wollen nach draussen, im Garten arbeiten», sagt Leubin. Gefragt seien im Moment hauptsächlich die bunten Frühlingsblüher - Tulpen, Primeln, Narzissen - aber auch Kräuter und Obstbäume.
Am Limmatufer beim Kloster Fahr herrscht dichter Verkehr. Fussgängerverkehr. Ob gemächlich mit der Liebsten an der Hand, ob in Turnschuhen joggend, mit Hund oder ohne, mit Kinderwagen oder einem Pack Bier und Wurst unter dem Arm. Wer kann, ist draussen.

Pause durchgearbeitet

Mirco Prati aus Albisrieden und Pascal Clalüna aus der Fahrweid haben extra früh mit Arbeiten begonnen und keine Pause gemacht, um möglichst bald die Sonne geniessen zu können. Jetzt sitzen sie am Ufer und gönnen sich ein Feierabendbierchen. «Draussen sitzen, den ersten Sonnenbrand holen - das ist Frühling», sagt Clalüna. Etwas weiter flussaufwärts nebelt einer das Gebiet ein; bis die Cervelat gegrillt werden kann, wird es wohl noch etwas dauern.

Auf der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon ist der Gepard los. Melina, noch kein Jahr alt, stakst im Gepardenkostüm durch die Holzschnitzel. Daneben schaukelt Schwester Goeta. Stefan Müller aus Weiningen füttert die zweijährigen Zwillinge Sora und Ria mit Fruchtquark. Früher sei ihm der Frühling nicht so wichtig gewesen, sagt Müller. «Heute ist er Gold wert.»

Die Wintermonate seien für die Kinder eine rechte Qual, kalt und nass, und dann die vielen Kleider, die man ihnen anziehen müsse. «Jetzt sind wir so oft draussen, wie nur irgend möglich», sagt Müller und lacht. «Den Kindern gehts gut, mir gehts gut - der Frühling ist einfach gut fürs Gemüt.»