Jeden Sommer werden Limmattaler Landwirte von Fahrenden kontaktiert, die für einige Tage oder Wochen ihre Felder als Standplätze nutzen wollen. Dass es bei einem solchen Mietverhältnis eine ganze Menge zu beachten gibt, musste im vergangenen Mai die Birmensdorfer Landwirtin Sandra Lischer vom Hof Weidli erfahren. Die Fahrenden aus Frankreich, die eines ihrer Felder gemietet hatten, mussten nach zwei Tagen wegen fehlender Gemeindebewilligung weggeschickt werden.

Dabei hat der Verband der Gemeindepräsidenten des Kantons Zürich Ende letzten Jahres genau für diesen Zweck ein Merkblatt verfasst und an alle Gemeinden verschickt. Das Dokument macht auf nötige hygienische Einrichtungen wie Toi-Toi-WCs und Abwasserbehälter sowie kantonale Normen wie Meldepflicht bei der Gemeinde und Hygienevorschriften aufmerksam. «Mit dem Merkblatt will unser Verband den Gemeinden eine Stütze bieten, damit für Vermieter, Mieter und Gemeinden eine klare und möglichst konfliktfreie Situation entsteht», sagt Verbandspräsident Jörg Kündig. Jede Gemeinde muss gemäss Gesetz vorab eine Bewilligung erteilen, wenn an mehr als drei Campingeinheiten oder mehr als zehn Personen vermietet wird.

Auf der Internetseite des Zürcher Bauernverbands ist ebenfalls ein Informationsblatt über das Thema zu finden. Zudem kann dort ein Muster-Mietvertrag heruntergeladen werden, der in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantonspolizei ausgearbeitet wurde.

Sandra Lischer hatte keine Kenntnis vom Merkblatt, als sie im vergangenen Mai von Fahrenden angefragt wurde, ob diese einige Wochen auf ihrem Feld verweilen könnten. Sie schloss mit der Familie zwar einen schriftlichen Vertrag ab, wusste aber nicht, dass dieser von der Gemeinde bewilligt werden muss. Tatsächlich konnte Sicherheitsvorstand Paul Gähler das Einverständnis der Gemeinde nachträglich nicht geben, da Strom und fliessend Wasser nicht in genügendem Mass vorhanden waren. «Hätte die Gemeinde uns Landwirte über das Merkblatt informiert, wäre ich damals besser vorbereitet gewesen», sagt Lischer. Mittlerweile hat sie sich auf der Website des Bauernverbands informiert. Sie plant jedoch nicht, nochmals Land an Fahrende zu vermieten. Gemeinderat Gähler sagt auf Anfrage, er könne sich vorstellen, in einer der nächsten Gemeindemitteilungen Landwirte auf das Merkblatt aufmerksam zu machen, damit niemand mehr unvorbereitet auf eine solche Situation trifft.

Anfragen werden abgelehnt

Eine Umfrage unter Limmattaler Landwirten zeigt, dass Birmensdorfer Bauern am häufigsten Mietanfragen von Fahrenden erhalten, während Landwirte anderer Gemeinden in der Region nur selten kontaktiert werden und sich deshalb auch nicht ratsuchend an die Behörden wenden. Sie habe keine Kenntnis eines Merkblattes gehabt, sei aber wie andere Birmensdorfer Bauern durch den Fall des Weidli-Hofs «hellhörig geworden», sagt eine Bäuerin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Der Birmensdorfer Hof Püntenmas von Remo Stierli wurde dieses Jahr schon drei Mal von ausländischen Fahrenden angefragt. Zudem weiss Stierli von Nachbarn, die ebenfalls Anfragen erhielten, diese aber ablehnten. Wenn er auch mit den Regeln vertraut sei, so würde er doch sein Land nicht an Fahrende vermieten, sagt der Bauer. Zu schlecht seien die Erfahrungsberichte, die er von befreundeten Bauern gehört habe.

Ähnlich klingt es aus Oetwil, wo Fahrende regelmässig auf Milchbauer Benjamin Bühler zukommen. Weder er noch andere in Oetwil angefragte Bauern würden aber ihre Felder vermieten. Der finanzielle Zustupf, der durch eine Vermietung winke, würde den damit verbundenen Aufwand nicht aufwiegen, sagt Bühler. Als Regionalverantwortlicher des Bauernverbandes ist Bühler mit dem Merkblatt vertraut. Anders die Gemeindeverwaltung Oetwil, wo es auf Anfrage heisst, man habe keine Kenntnis von einem Merkblatt über Landvermietung an Fahrende.