Limmattal
Limmattaler Bauern sind offen für den Drogenhanf-Anbau

Legaler Cannabisanbau ist unter Landwirten kein Tabu mehr. Auf einen Vorschlag, Bergbauern des Bunds Cannabis anbauen zu lassen, reagieren sie positiv.

Sophie Rüesch
Merken
Drucken
Teilen

Diskussionen über eine Legalisierung von Cannabis sind sechs Jahre nach dem klaren Nein zur Hanf-Initiative wieder salonfähig geworden. Obwohl eine gesetzliche Grundlage dafür noch in weiter Ferne liegt, liess sich die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen diese Woche Regulierungsmodelle vorstellen. Ein vom ehemaligen basel-städtischen Drogendelegierten Thomas Kessler vorgelegtes Papier schlägt vor, Bergbauern im Auftrag des Bunds Cannabis anbauen zu lassen (siehe Box).

So soll der Anbau von Drogenhanf funktionieren

Thomas Kesslers Regulierungskonzept sieht vor, dass Bergbauern im Auftrag des Bunds Cannabis anpflanzen, um damit die Nachfrage im Inland zu decken.

Die jährlich rund 100 Tonnen Cannabis, welche die prognostizierte Nachfrage nach dem Rauschmittel decken sollen, dürften laut Berichten der «SonntagsZeitung» rund eine Milliarde Franken abwerfen, wovon ein Grossteil an den Staat zurückfliessen soll.

Die Gelder sollen etwa für AHV, IV, Prävention und Mehrwertsteuer eingesetzt werden. Der Verkauf an Volljährige würde in lizenzierten Abgabestellen legal abgewickelt. Verkauf und Weitergabe an Minderjährige wären verboten. (rue)

Das Ansinnen, den straffreien Drogenhanf-Anbau den Landwirten zu überlassen, stösst auch in den niederen Lagen auf Interesse, wie eine Umfrage unter Limmattaler Bauern ergibt. So spricht sich etwa Christian Meier, Schlieremer Obstbauer und Stadtrat (SVP) «auf jeden Fall für eine Legalisierung» aus. «Den Konsum kann man ohnehin nicht verhindern», findet er, also könne man diesen sowie den Anbau auch gleich regulieren – «damit würden sogar noch Steuergelder generiert». Auch dass man Schweizer Bauern mit der Produktion betrauen will, findet er eine gute Idee: «Wenn das ein Bauer will, wieso nicht?», sagt er.

Dem Dietiker Biobauer und Gemeinderat Samuel Spahn (Grüne) ist es wichtiger, dass das grüne Kraut so schnell wie möglich legalisiert wird, als dass die Bauern den Zuschlag für dessen Produktion erhalten. «Dass eine weiche Droge wie Cannabis in den Schwarzmarkt gedrängt wird, finde ich generell problematisch», sagt er. Zwar hält er es nicht für nötig, dass im Falle einer Legalisierung das Produktionsmonopol den Landwirten zufällt; ein Anbau unter kontrollierten Bedingungen, wie er in Kesslers Modell vorgesehen wäre, findet er aber durchaus sinnvoll.

Legalisierungsgegner: Mangelware

Überhaupt: Landwirte, die einer Cannabis-Legalisierung kritisch gegenüberstehen, sind im Limmattal offenbar Mangelware. Neben Meier und Spahn sprechen sich auch der Weininger Landwirt Jakob Haug Jr., der Dietiker Biobauer Fabian Brandenberger und der Birmensdorfer Biobauer Hanspeter Luginbühl für eine Entkriminalisierung aus. Der Tenor: Gekifft wird sowieso, wieso also das Feld kriminellen Banden überlassen? «Der Kampf gegen Drogen ist ein Kampf gegen Windmühlen, das haben die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte weltweit gezeigt», sagt Meier.

Auch Jakob Haug findet es «schade, dass die Pflanze heute so verteufelt wird». Er appelliert an die Eigenverantwortung, die bei legalen Rauschmitteln wie Alkohol ja ebenso vorausgesetzt werde. Sollte die Legalisierung kommen, wäre er auch nicht abgeneigt, selbst einen Anbauversuch zu wagen. «Vielleicht nicht gleich als erster in der Region, doch wenn sich die Drogenhanfproduktion etabliert, könnte das eine interessante Nische sein», so Haug. Zudem sei die Pflanze einfach in der Handhabung und deren Vermarktung «wohl lukrativer als Mais».

Einer Legalisierung skeptisch gegenüber steht einzig der Weininger Weinbauer, Gemeindepräsident und SVP-Kantonsrat Hanspeter Haug. Doch selbst er könnte es keinem Berufskollegen verübeln, ins Geschäft einzusteigen, sollten Konsum und Anbau straffrei werden. «Für mich wärs zwar nichts, doch heutzutage müssen Landwirte kreativ sein, um auf dem Markt zu bestehen», sagt er.

Am Berg besser geschützt

Angesichts solcher Einigkeit stellt sich die Frage, wieso der Drogenhanfanbau nur den Bergbauern überlassen werden soll. Modellvater Kessler begründet die Beschränkung damit, dass abgelegene Bergflächen besser vor Eindringlingen geschützt wären, wofür auch Hanspeter Haug Verständnis zeigt: «Eine Anbaufläche in Ballungszentren, in denen auch die Konsumentendichte höher ist, könnte tatsächlich zum Problem werden.»

Das sieht auch Brandenberger so. Obwohl er nicht grundsätzlich gegen den Cannabisanbau ist, bezweifelt er, dass dieser im Limmattal ohne massive Sicherheitsvorkehrungen realistisch ist. «Die Felder müsste man umzäunen und permanent bewachen lassen, sonst würde sich jeder daran bedienen», ist er überzeugt. Dem widerspricht jedoch Samuel Spahn: Werde der Konsum legal, falle auch der Reiz des Verbotenen weg, vermutet er. «Dass dann noch jemand Cannabis von den Feldern stiehlt, bezweifle ich.»